Freitag, 25. September 2026

Polen - Juni/Juli 2026 III

Text: Eva Irmler






Krakau



 Mittwoch, 1. Juli – Krakau


Die erste Nacht in unserem Krakauer Apartment verlief ohne jede Störung, war aber leider wieder zu kurz, weil wir erst gegen 0 Uhr ins Bett gefunden, das Frühstück jedoch voller Optimismus auf 7.00 Uhr bestellt hatten. Für das, was uns hier dann allerdings als Frühstück geliefert wurde, hatte sich der frühe Wecker definitiv nicht gelohnt: Ganz offensichtlich hatte man das komplette Set schon am Vorabend hergerichtet und so waren die „frischen“ Früchte bereits reichlich abgestanden. Zudem war alles lieblos zusammen in einen Pappcontainer geworfen worden und insgesamt wurde für unseren Geschmack viel zu viel Verpackungsmüll produziert. – Da hätten wir wohl besser von vorn herein auf das angebotene Frühstück verzichtet und uns selbst versorgt … Da wir es nun aber schon gebucht und bezahlt hatten, schickte Günter eine Beschwerde ab, woraufhin man für den nächsten Morgen Besserung gelobte.

Unsere Besichtigungstour startete dann wieder an der Weichsel, an welcher entlang unser Weg zunächst zum Wawel-Hügel führte. Auf diesem thront weithin sichtbar die Wawel-Kathedrale, die nun unser erstes Besichtigungsziel in Krakau wurde. Für 26 zł/Person ging es erst inmitten eines wahren Stroms von Touristen auf den Sigismund-Glockenturm, wo sich praktisch jeder und jede mit der berühmten Glocke ablichten lassen wollte, was ein entsprechendes Gedränge verursachte. Die Glocke wurde 1520 von Hans Beheim dem Jüngeren gegossen und war noch bis 2004 die größte in ganz Polen. 


Blick auf Krakau vom Turm der Wawel-Kathedrale


Ein Foto mit der Sigismund-Glocke
ist offensichtlich ein "Must".


So eindrucksvoll die ursprünglich gotische Kirche insgesamt war, im Inneren fand ich sie – wie so oft – durch barocke oder klassizistische Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte ziemlich verunstaltet und leider war nur wenig von der ursprünglichen Ausgestaltung erhalten geblieben. In der weitläufigen Krypta konnte man die Gräber unzähliger Könige und ihrer Angehörigen besichtigen - als jüngster „König“ ruht dort Lech Kaczyńsky …


Die Heilig-Kreuz-Kapelle - hier ist die ursprüngliche gotische
Ausgestaltung der Wawel-Kathedrale noch zu erahnen.


Wawel-Kathedrale - Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel


Eine Besichtigung der Burg Wawel schenkten wir uns und suchten lediglich im Burginnenhof einen Schattenplatz, um an diesem mittlerweile bereits wieder unangenehm heißen Vormittag erst mal was zu trinken. Anschließend sollte es zum Hauptmarkt mit der Tuchhalle, dem Rathausturm und dem Denkmal für den romantischen Dichter Adam Mickiewicz weitergehen.


Im Innenhof der Burg - der Schatten ist
 bei geschätzten 31°C  ein begehrtes Ziel.


Baszta Złodziejska


Rathausturm


Das Denkmal des Dichters Adam Mickiewicz
vor den Krakauer Tuchhallen


Und dann folgte die Marienbasilika, für mich im Grunde wegen des Veit-Stoß-Hochaltars das wichtigste Besichtigungsziel in Krakau. Dieser prächtige Altar wurde zwischen 1477 und 1489 vom aus Nürnberg stammenden Holzschnitzkünstler Veit Stoß geschaffen. 

Für das Eintritts-Billett (20 zł) musste hier zunächst vor einem gesonderten Shop nebenan angestanden werden und dann für den Einlass vor der Kirche noch einmal. Vielleicht war dies aber auch nur deshalb so, weil wir zufällig gerade zur richtigen Zeit (11.50 Uhr) kamen, um zu erleben, wie die Flügel des Hochaltars geöffnet wurden. 


Um Punkt 11.50 Uhr öffnet sich der Veit-Stoß-Hochaltar


Suboptimal vorbereitet wie meist, war ich zunächst noch irritiert gewesen, weil der Altar anders aussah, als ich es am Vorabend im Internet gesehen hatte … Doch das war natürlich der zugeklappte Zustand, von dem ich nichts geahnt hatte. 


Der Hochaltar im geschlossenen Zustand ...


Erst nachdem sich die beiden Flügel geöffnet hatten, präsentierte der Altar sich dann in seiner ganzen Pracht. Allein hierfür hat sich die Besichtigung der Marienbasilika definitiv gelohnt, wenn auch die restliche Kirche eher weniger beeindruckend war.


... und nach dem Öffnen in seiner ganzen Pracht


In der Marienbasilika


Inzwischen war es höchste Zeit fürs Mittagessen, zu dem wir diesmal wirklich nur etwas Kleines essen wollten, daher steuerten wir ein etwas versteckt an der Szewska (Straße) gelegenes Bistro (Pierwsze Piętro) an. Hier gab es bis 14 Uhr Frühstück, das zum Teil aber auch als leichtes Mittagessen durchging. Wir wählten Shakshuka und French Omelett mit Minzcreme, Babyspinatblättern und einem Pesto und fanden sowohl das Essen, als auch die sehr entspannte Atmosphäre ganz prima. 

Anschließend gingen wir weiter die Szewska entlang bis zum Grüngürtel entlang der Stadtmauer, wo wir uns prompt von einer Baustelle verwirren ließen und entgegen unserem Plan nach links abbogen. Immerhin entdeckten wir so noch die Kopernikus-Statue vor dessen „Alma Mater“, der „Uniwersytet Jagielloński“. Doch auch von dort gingen wir erst noch ein Stück nach Süden weiter, bis uns unser Fehler endlich auffiel. So blieb uns nichts anderes übrig, als kehrt zu machen und zurück nach Norden zu marschieren, auch jetzt immer entlang der Stadtmauer, wo es sehr angenehm schattig und grün war.


Kopernikus-Denkmal


Schließlich erreichten wir ganz im Norden der Altstadt eine runde Festungsanlage (Barbican) und das Sankt-Florianstor, durch das der „Königsweg“ in die Stadt führte. Diesen wollten wir jedoch nicht beschreiten, sondern blieben an der Außenmauer und besuchten noch die offenbar weniger berühmte Heilig-Kreuz-Kirche (keine anderen Besucher, freier Eintritt) mit der ungewöhnlichen Zentralsäule im Kirchenschiff. 


Im Grüngürtel entlang der Stadtmauer -
 das Jugendstil-Gebäude Pod Globusem


Grunwald-Denkmal - Reiterstandbild des Königs
Wladyslaw II. Jagiello


Die Zentralsäule in der Heilig-Kreuz-Kirche


Nach einem weiteren kurzen Stück entlang der Stadtmauer bogen wir auf die Świętego Sebastiana ab, die nach Kasimierz, dem jüdischen Stadtviertel mit seinen diversen Synagogen und einem alten jüdischen Friedhof führte. Letzteren, sowie die zugehörige noch aktive Remuh-Synagoge besichtigten wir, die Alte Synagoge, die mittlerweile nur noch als Museum dient, ließen wir dagegen aus.


Im jüdischen Stadtviertel Kasimierz


Remuh-Synagoge


Auf dem alten jüdischen Friedhof ...


... an der Remuh-Synagoge

 
So langsam hatten wir nun vom Besichtigen genug, stattdessen holten wir uns lieber ein Eis bei „Papa Gelato“. In der Zwischenzeit hatte sich der Himmel massiv verdüstert und es sah nach Gewitter und baldigem Regen aus. So machten wir uns auf den Rückweg durchs jüdische Viertel, das einen sehr bunten und unterschiedlichen Eindruck bei uns hinterließ: Einerseits wirkte es an vielen Ecken sehr hipp mit vielen kleinen Kneipen und Lädchen, andererseits gab es aber auch vielfach sehr heruntergekommene und offenbar leerstehende Häuser, die so wirkten, als ob seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hier nichts verändert worden wäre. 


An der Józefastraße - Kasimierz


Impressionen ...


... aus dem jüdischen Viertel Krakaus


Plaza nowy


Bei der Paulinerkirche erreichten wir dann wieder die Weichsel und kehrten schließlich am Fluss entlang zum Hotel zurück.


Stürmische Zeiten am Weichselufer


Regen kam an diesem Nachmittag und Abend dann nur wenig bei uns an, die Gewitter zogen offenbar im Westen vorbei, doch es kühlte merklich ab. Da wir an diesem Tag kein Thermometer zu Gesicht bekamen, konnten wir nur schätzen: tagsüber werden es wohl zunächst bis gut über 30°C gewesen sein und schon ab morgens war es sehr schwül, in der Sonne bald unerträglich. Ab Mittag war der Himmel dann meist bedeckt mit gelegentlichem Wind, der es deutlich angenehmer machte, und abends hatten wir dann wohl nur noch um die 20°C.


Abendlicher Ausblick vom Rooftop-Restaurant "Oranżeria"


Beim Abendessen im Rooftop-Restaurant „Oranżeria“ im Kossak-Hotel, von unserer Unterkunft lediglich etwa 300m entfernt, war die Entscheidung für einen Tisch im Innenbereich dann trotzdem eher unglücklich, denn dort war es letztlich kälter als draußen und vor allem durch eine größere Gruppe extrem laut. Die Preise waren hier wie erwartet recht gehoben, doch auch die Qualität der Speisen war entsprechend hoch. Sowohl die Lammkoteletts auf Süßkartoffelpüree, als auch der Lachs auf Rote-Bete-Risotto überzeugten und der prima polnische Weißwein passte hervorragend dazu. Da die Portionen, wie in der gehobenen Gastronomie üblich, eher übersichtlich ausfielen, nahmen wir zum Abschluss noch einen Nachtisch: „Kossak“, ein geschichteter Cremekuchen mit „Halwa“-Schicht und Zuckerwatte-Dekor. 






Hohe Tatra



Donnerstag, 2. Juli – Zakopane – Camper Park Olimp



Endlich in den Bergen! - Tatsächlich hatten sie uns auf dieser Reise mit der Zeit sehr gefehlt … 

Leider hatte es jedoch ausgerechnet jetzt gewaltig abgekühlt. Schon in Krakau hatten wir morgens bei der Abreise lediglich 19°C und in Zakopane, auf immerhin rund 900m (Krakau ca. 200m), waren es dann sogar nur noch 15°C. Das stabile Hochsommerwetter schien auch insofern vorbei zu sein, als es auf dem Weg in die Berge zwischenzeitlich ziemlich schüttete und der Himmel bis weit in den Nachmittag bedeckt blieb. 

Die zweite Nacht im Plantonia-Aparthotel war noch einmal angenehm ruhig und diesmal auch etwas länger, weil wir das Frühstück „erst“ auf halb 8 bestellt hatten. Nachdem dieses am Vortag eher eine Pleite gewesen war, hatten wir aus dem nicht eben reichlichen Angebot an süßen Frühstücksvarianten nun die verbliebenen beiden Möglichkeiten ausgewählt. Was uns nun an die Apartmenttür geliefert wurde, war – entschieden na ja: Das Müsli war ok, enthielt als Frucht diesmal allerdings ausschließlich Aprikosen und war komplett vegan, kam also mit irgendeinem Joghurtersatz, Mandelbutter sowie einem Klecks Marmelade; letztere und irgendeine andere Creme (laut Frühstückskarte war es Cashew) gab es dann auch zu dem süßen Hefebrot und dem Mini-Nusszöpfchen, das leider ziemlich trocken und angebrannt war, obwohl angeblich frisch vom Bäcker nebenan … Und komplett ungenießbar fanden wir die „whipped vegetable butter“, die einen deutlichen Knoblauch-Nachgeschmack hatte. Doch satt wurde man von alldem schon und von nun an durften wir ja wieder so frühstücken, wie es uns passte. 

Von der Weichselbrücke konnten wir im Vorbeifahren noch einmal kurz der Burg winken und das wars dann auch schon wieder mit Krakau. Noch ein kurzer Stopp bei einem „Carrefour Market“ in einem kleinen Einkaufszentrum zwischen Wohnblöcken. Den hatten wir uns größer vorgestellt und hatten gehofft, dass es dort auch eine gute Auswahl polnischer Weine gäbe. Für Vesper und Frühstück fanden wir zwar alles, was wir brauchten, und auch ein neues Heft für das Reisetagebuch konnte ich erstehen, doch die wenigen polnischen Weine im sowieso übersichtlichen Sortiment erschienen Günter mit um die 20 zł zu billig und so fielen sie, bis auf eine Flasche Roten, als Mitbringsel durch. So war Zakopane nun unsere letzte Chance, noch typisch Polnisches zu besorgen, denn am übernächsten Tag sollte es von dort bereits in die Slowakei gehen. 

Bei der Fahrt von Krakau nach Zakopane wurden wir über weite Strecken auf kleineren Straßen durch unendlich viele Dörfer geleitet, weil auf der Schnellstraße, die es zwischen der Stadt und dem beliebten Ausflugsort durchaus gab, wohl ein Unfall passiert war. Schon bald merkte man deutlich, dass es nun Richtung Berge ging, und die Landschaft erinnerte uns immer mehr an Allgäu oder Schwarzwald.

Irgendwann fielen uns dann die für diese Gegend offenbar charakteristischen Häuser auf, die spitzgieblig sind und große Dachüberstände sowie zusätzliche Vordächer an den Giebeln jeweils über den Fensterreihen aufweisen. Laut Wikipedia ist diese Art zu bauen so typisch für diese Gegend, dass man sie sogar als „Zakopane-Stil“ bezeichnet. 

Im Prinzip waren wir ja schon vorgewarnt gewesen, dass wir hier im touristischen Zentrum der polnischen Tatra schlechthin landen würden. Trotzdem war ich dann doch leicht geschockt, als wir am Ortsrand bei den Sprungschanzen ankamen, wo die Straßenränder mit lauter Andenken-Klimbim-Ständen gesäumt waren, man uns gleich in einen der zahlreichen Parkplätze einweisen wollte und der Eingang zum von uns für die nächsten beiden Übernachtungen auserkorenen Campingplatz zwischen diversen Vergnügungsparks kaum auffindbar war. – Direkt neben der Zufahrt stand sogar ein Riesenrad!
  
Nachdem wir uns angemeldet und für einen Platz entschieden hatten, an dem unser Kabel bis zu einem der nur sehr spärlich vorhandenen Stromkästen reichte, gingen wir gleich mal nach nebenan zum Mittagessen ins „Bąkowo Zohylina Wyźnio“. 14 Uhr war es da schon fast und doch hatten wir bis kurz zuvor noch wenig Hunger verspürt, weil wir ja bis dahin den ganzen Tag nur im Auto gesessen hatten. Nun überraschten wir uns jedoch fast selbst, wie wir bei Schnitzel mit Pommes und einer Art traditioneller Spätzle mit Sahne-Hackfleischsauce zulangen konnten … Gemischten Salat  aus Möhre, Gurke und Kraut gab es dazu und einen zu Späßen aufgelegten Kellner, der auch etwas Deutsch konnte – Touristen-Hotspot eben.


Bąkowo Zohylina Wyźnio - hier geht niemand
hungrig vom Tisch ...


So gestärkt machten wir uns gleich zur ersten kleinen Wanderung auf, die uns zum 1205 m hohen Nosal-Gipfel führen sollte. Da die Steigung auf dem ersten Abschnitt dieser Tour noch eher gering sein sollte, nahmen wir hierfür die Roller. Kurz vor dem Kassenhäuschen (Nationalpark: 11 zł pro Tag und Nase, hatte Günter bereits online beglichen) ließen wir diese zurück, denn ab hier ging es dann ordentlich steil und felsig bergauf. Vorbei an mehreren anderen Felsnasen mit guter und im Lauf der Zeit immer besserer Aussicht – es klarte zunehmend auf und die Sonne trieb uns bereits wieder den Schweiß auf die Stirn – wälzten wir uns im Strom der Wanderer bergan. Mit Kind und Kegel war man hier unterwegs, offenbar war die Tour ein absolutes „Must“, wenn man Ferien in Zakopane machte. 


Nachmittagswanderung auf den Nosal (1205 m)


 Blick vom Nosal-Gipfel zum Hauptkamm der Hohen Tatra


Der Kasprowy Wierch mit der Bergstation der Gondelbahn


Der Nosal ist gut besucht.


Tal von Kuznice, wo die Gondel zum Kasprowy Wierch startet.


Zakopane mit Wintersportanlagen und Riesenrad


Nach gut zwei Stunden waren wir wieder unten und rollten geschwind zurück auf den Campingplatz. Dieser war inzwischen gut voll und es kamen den ganzen Abend lang immer wieder noch neue Camper an. So wollte sich beispielsweise später ein Ungar mit seinem Monster-Wohnmobil in die viel zu kleine Lücke zwischen uns und dem Nachbarn quetschen, sah dann aber zum Glück selbst ein, dass dies nicht klappen würde und suchte sich einen anderen Platz. 




Manches auf diesem Campingplatz war mal wieder ziemlich skurril, so gab es nicht nur normale WCs, sondern auch die drei Duschen und - besonders pikant - sogar der Raum mit dem Spülbecken waren jeweils mit einer Toilette ausgestattet … 

Unser Abendprogramm war Duschen, Vespern, die Wanderung für den folgenden Tag planen, und da wir diese mit Seilbahnunterstützung angehen wollten, buchte Günter schon mal Tickets für die Auffahrt um 9.20 Uhr. 

Die Vergnügungen in den umliegenden Parks sollten allesamt um 21 Uhr spätestens enden, so blieb nur zu hoffen, dass es auf dem Platz selbst auch rechtzeitig leise werden würde und wir bald schlafen durften.


Alpenglühen am Giewont




Freitag, 3. Juli – Zakopane



Meine Hoffnung vom Abend wurde diesmal tatsächlich erfüllt. Als wir uns gegen halb 11 schlafengelegt hatten, war es auf dem Platz schon nahezu völlig still, und was noch an Gesprächen geführt wurde (erstaunlicherweise war es noch nicht allen Leuten zu kalt draußen), übertönte zum Glück das plätschernde Bächlein direkt neben uns. 

Morgens klingelte dann um 7 Uhr schon wieder der Wecker und wenig später wälzten wir uns wohl oder übel aus unseren Schlafsäcken, um nur ja rechtzeitig abfahrtsbereit zu sein und so auch rechtzeitig um 9 Uhr („Check-in“ 20 Minuten vor dem „Abflug“ mit der Bahn war gefordert!) an der Seilbahn-Talstation zu sein. 

Letzten Endes kamen wir dann sogar bereits kurz nach 8 Uhr weg und hatten gegen 8.45 Uhr mit den Rollern die Talstation erreicht, obwohl es auf den gut 3 km bis zu dieser 140 Hm zu überwinden galt und wir zum Ende hin mehrheitlich schoben. Jede Menge Wanderer, darunter wieder viele Familien, strebten ebenfalls bereits um diese Zeit zu Fuß der Talstation zu, teils von einem der Parkplätze an der Strecke, teils direkt von Zakopane, und Busse und Taxis brachten laufend noch weitere Menschen herbei. 

Dabei sah das Wetter mittlerweile schon gar nicht mehr so überzeugend aus. Die ganze Nacht hindurch war es sternklar gewesen und noch morgens um 7 konnte man praktisch kein Wölkchen am Himmel entdecken. Doch in der guten Stunde bis wir vom Campingplatz aufbrachen, änderte sich dies rasend schnell und bald hatte es komplett zugezogen und sah nach Regen aus – wie es leider auch prognostiziert war. 

Weil wir so zeitig dran waren, durften wir noch mit einer früheren Gondel zum Kasprowy Wierch starten. Dabei stellte sich heraus, dass weder unsere Ausweise kontrolliert wurden, noch jemanden interessierte, für wann genau unsere Tickets gebucht waren. Der Scanner ließ uns durch und damit war alles ok. Noch während der Bergfahrt, bei der an der Mittelstation einmal umgestiegen werden musste, erschienen erste Nieselregentröpfchen auf den Scheiben und wenig später tauchten wir in die Wolken ein und waren nur noch von weißer Nebelsuppe umgeben. 


Mit der Seilbahn geht es (fast) auf den Kasprowy Wierch.


An der Bergstation hofften wir erst noch, dass es beim Nieselregen bleiben würde und zogen lediglich unserer Softshelljacken an, um zunächst zum nahen Gipfel des Kasprowy Wierch hinaufzusteigen. Die Bahn fuhr bis auf 1959 m, der Gipfel liegt bei 1987 m, also nur einen kurzen Aufstieg entfernt. Doch beim Verlassen der Station prasselte der Regen gerade derart heftig herab, dass wir sofort den Rückzug antraten, erst mal noch auf eine Pepsi im Restaurant der Station einkehrten und eine Zeitlang im Trockenen und Warmen verweilten.

Ein Blick auf die aktuelle Wetterprognose schien anzudeuten, dass der Regen bald nachlassen würde, so machten wir uns schließlich doch im Nieselregen und mit Regenjacken und Regenüberzügen über den Rucksäcken auf den Weg. Am Gipfel des Kasprowy Wierch war es dann gerade tatsächlich trocken, aber Aussicht leider Fehlanzeige. 


Am Gipfel des Kasprowy Wierch (1987 m)


So gingen wir bald weiter, immer am Grat, der hier die Grenze zwischen Polen und der Slowakei bildet, entlang Richtung Świnica, unserem eigentlichen Gipfelziel an diesem Tag. 2301m hoch war dieser und sollte laut Rother-Wanderführer (Hohe Tatra – Tour 41) im Gipfelanstieg durchaus eine anspruchsvolle Tour sein. Von daher hofften wir, dass der Regen bald aufhören würde, damit die Felsen noch etwas abtrocknen konnten. 


Regennasse Glockenblumen und Gräser


Doch leider hofften wir diesmal vergebens: der Regen hörte zwar immer mal wieder auf und für kurze Momente wurde es so hell, dass man schon fast meinte, den blauen Himmel zu erahnen, doch dann wurde es wenig später jedes Mal wieder finster und ein neuer Regenschauer prasselte auf uns herab. Am Grat ging es mal etwas hoch, dann wieder runter und ständig kamen uns Leute entgegen, die wohl noch sehr viel zeitiger aufgestanden waren als wir. – Sicher keine schlechte Idee, so hatten sie vielleicht anfangs sogar noch Sonne und gute Sicht auf die Hohe Tatra gehabt. Andererseits hätte man dann wohl zu Fuß die 1400 Hm aufsteigen müssen, da die Seilbahn „erst“ ab 7 Uhr fuhr. 


Keine Aussicht in Sicht ...


Am Sattel „Świnicka Przełęcz“, von wo aus wir später Richtung Tal abzweigen würden, schloss eine junge Polin zu uns auf – in kurzen Hosen und auch sonst eher leicht gekleidet, eine Regenjacke hatte sie aber immerhin. Obwohl wir uns nicht wirklich verständigen konnten, war klar, dass sie froh war, im schwierigeren Teil des Aufstiegs nicht ganz allein zu sein. Noch immer kamen deutlich mehr Leute von oben zurück, erst kurz vor dem Gipfel holten wir andere Świnica-Aspiranten ein. 

Nass wie es war, waren die leichten Kletterpassagen, an denen teilweise Ketten angebracht und auf abschüssigen Platten manchmal Stufen herausgeschlagen waren, tatsächlich sehr mit Vorsicht zu begehen – schon im Aufstieg und im Abstieg später erst recht. Zum Glück besteht die Hohe Tatra dort oben mehrheitlich aus Granit und Schiefer, so dass die Felsen deutlich griffiger waren als im Kalk, den wir tags zuvor am Nosal hatten und später an diesem Tag im untersten Teil des Abstiegs. Nur vor den grünen Flechten, die darauf gediehen, musste man sich in Acht nehmen, denn die sind – was ich im Lauf der Jahre immer mal wieder schmerzhaft zu spüren bekam – bei Nässe extrem glitschig.


So nass, wie hier alles ist, nimmt man an heiklen Stellen
gerne die Kette in die Hand ...


Der (Gegen-) Verkehr beim Aufstieg zum Świnica ist trotz des
bescheidenen Wetters erheblich.

 
Bis zum Gipfel ging alles gut, doch leider hatte sich das Wetter noch immer nicht geändert und war die Sicht gleich null. Inzwischen waren wir aber so ausgehungert und ausgepowert, dass wir trotz allem unser Vesper auspackten. Windschutz war diesmal kein Problem, denn es wehte eh nur gelegentlich mal mehr als ein Lüftchen, aber mitten in unser Vesper platzte dann wieder ein Schauer der heftigeren Art, so dass wir nur noch möglichst schnell unsere Brote in uns reinstopften und dann den Rückweg antraten.


Geschafft: am Gipfel des Świnica (2301 m)

 
Ungemütliches Vesper bei auffrischendem Regen.


Mit viel Vorsicht und vielen Stopps, die durch langsamer Vorauskletternde oder Entgegenkommende sowieso unumgänglich waren, kamen wir heil wieder in der Scharte „Świnicka Przełęcz“ an und machten uns sogleich an den weiteren Abstieg. „Unsere“ junge Polin blieb hier zurück und wir haben sie auch später nicht mehr gesehen. Vielleicht ist sie ja zur Bahnstation zurückgewandert und mit der Gondel ins Tal gefahren. 


Wir steigen zügig wieder ab.


Kurz vor dem Sattel "Świnicka Przełęcz"


Die Schauer und die dichten Wolken blieben uns auch beim weiteren Abstieg noch lange treu erhalten. Von den Seen, die wir unterwegs passierten, sahen wir daher nicht viel, geschweige denn, dass sie besonders fotogen gewesen wären … Erst im unteren Drittel des Abstiegs, als wir so langsam zu den Massen an Wanderern aufschlossen, die vermutlich „nur“ vom Tal her die Runde zu den Seen gemacht hatten (immerhin auch 900m im Auf- und Abstieg), begann sich der Nebel zu lichten und wir konnten sogar noch einen Blick zurück zu unserem Gipfel erhaschen.


Kurze Regen-Rast am See "Wyżni Czerwony Stawek"


Litworowy Staw Gąsienicowy


So langsam klart es auf - Blick zurück zum Świnica.

 
Ab da blieb es endlich auch trocken und mit der Zeit wurde es sogar überwiegend sonnig, so dass unsere nassen Klamotten, bis wir bei der Talstation ankamen, bereits wieder weitgehend getrocknet waren. Hier schwangen wir uns wieder auf unsere Roller und rollten entspannt und bequem nach Zakopane hinab. 


Hala Gąsienicowa


Der Weg ins Tal ist noch weit, doch ab jetzt in der Sonne.


Zakopane und die Nosal-Felsen


Fast im Tal - an der Dolina Jaworzynka


Mit dem Roller zurück in den Tourismus-Wahnsinn Zakopanes


Auf dem Campingplatz hatten wir inzwischen neue Nachbarn bekommen, die mit einem gelben VW-Bus (polnisches H-Kennzeichen) reisten, der locker in die Lücke passte, an der der Ungar am Abend zuvor gescheitert war.

Zum Abendessen machten wir uns trotz müder Füße noch einmal auf den Weg ins Ortszentrum von Zakopane, landeten letztlich aber in einer ganz ähnlichen traditionell polnischen (Touri-)Kneipe wie am Vortag, in der „Harnasiowa Chata“. Wie im Internet bereits gewarnt wurde, waren die Portionen hier dann so reichlich, dass sie schlicht nicht zu bewältigen waren. Dabei hatte ich in weiser Voraussicht nur Spinat-Piroggen mit Knoblauchbutter bestellt, doch Günters Spareribs mit Pommes und verschiedenen Salaten hätten allein schon für uns beide locker gereicht, zumal wir uns davor endlich und bei allerletzter Gelegenheit noch eine wirklich leckere, typisch polnische Żurek-Suppe geteilt hatten ...

Trotz allen Bemühungen schafften wir am Ende vielleicht zwei Drittel der Spareribs und ein Drittel der Kartoffeln, lediglich der Salat kam praktisch komplett weg. Noch ein „Wódka Żołądkowa Gorzka“ (=Magenbitter-Wodka, also ein Verdauungsschnaps) hinterher, dann „rollten“ wir mühsam gegen die Schwerkraft den Hügel zum Campingplatz wieder hinauf.
 
An diesem Abend konnte man dann deutlich hören, dass das Wochenende begonnen hatte, und so sahen wir der Nacht mit gemischten Gefühlen entgegen …


Samstag, 4. Juli – Slowakei – ATC Račkova Dolina – irgendwo im Wald bei Pribylina



Morgens starteten wir, nach trotz allem Trubel am Abend überraschend ruhiger Nacht, ausnahmsweise eher spät in den Tag. Erst gegen 8 wurden wir wach, da waren viele unserer Mitcamper bereits über alle Berge bzw. am einen oder andern Berg beim Wandern, denn es war bestes Wetter angesagt. Der Blick zum Himmel ließ uns allerdings zunächst an dieser Prognose zweifeln, denn auch heute hingen dicke schwarze Wolken über den Tatragipfeln. Doch da wir uns für diesen Tag nur eine kleine Wanderung in der Belaer Tatra, bereits in der Slowakei, vorgenommen hatten, spielte es für uns eigentlich keine so große Rolle – dachten wir … Also packten wir in Ruhe zusammen, gaben an der Rezeption noch eine überzählige Duschmarke zurück und rollten dann Richtung slowakische Grenze.

Unterwegs beobachteten wir, dass sämtliche Wanderparkplätze bereits gegen 10 Uhr rappelvoll waren und überall noch Wanderwillige verzweifelt nach Parkmöglichkeiten suchten. Insofern machten wir uns keine allzu großen Hoffnungen, auf dem Parkplatz bei Tatranská Kotlina, wo die geplante 3 ½-stündige „Blumenwanderung“ ins Tal „Dolina Siedmich prameňov“ (Rother-Tour 31) starten sollte, noch unterzukommen. Außerdem schien sich das Wetter tatsächlich sehr zum Besseren zu entwickeln, dagegen sollte es am folgenden Tag wieder eher unsicher sein. So kam der Gedanke auf, eventuell doch schon an diesem Tag wieder eine etwas längere und möglichst aussichtsreiche Tour anzugehen.

Beim Blättern im Rother stieß ich auf die Wanderung „Monkova dolina“ (Tour 32), die zwar auf keinen Gipfel, aber immerhin zu einem Punkt auf 1934 m Höhe führte, der beste Aussicht auf die Hohe Tatra versprach. Die beschriebene Überschreitung mit 17 km Länge kam für uns zwar schon deshalb nicht in Frage, weil wir ja wieder zu unserem Auto zurückwollten, doch wenn man auf demselben Weg zurückginge, sollte die Tour durchaus für uns Spätberufene noch machbar sein. 

Blieb nur noch die Unsicherheit mit dem Parken, doch, wie sich herausstellte, konnten wir hier sogar noch ein Stück des Fußwegs abkürzen, indem wir dem Zufahrtssträßchen von der Ortschaft Ždiar aus weiter ins Tal hinein folgten, und am Ende fanden wir ganz ohne Probleme einen Parkplatz für den "Max". Im Winter musste es hier wohl ein kleines Skigebiet geben und für den Sommertourismus war die Parkfläche allem Anschein nach eher überdimensioniert. 

Schnell tauschten wir die Straßen- gegen die Wanderklamotten, packten unser Vesper ein (leider nur mit ein paar alten Brotresten, da es in dem kleinen Laden in Ždiar nichts Überzeugendes zu kaufen gab) und marschierten los. Zu Anfang ging es noch ein paar hundert Meter auf Asphalt ins Tal hinein, wobei wir gleich zweimal den Bach querten, durch dessen Schlucht unsere Wanderung führen sollte. 

Gleich nach der zweiten Brücke registrierten wir zwar ein Schild, das auf eine Umleitung („Umwegen“ stand als deutsche Übersetzung darauf …) hinwies, aber irgendwie bezogen wir dies nicht auf unsere Tour. Erst als dann bei der Abzweigung von der asphaltierten Straße, wo laut Rother an einem Kassenhäuschen Eintritt für den "gut ausgebauten Lehrpfad" durch das Tal Monkova dolina verlangt werden sollte, dieses geschlossen war und daneben ein Schild stand, das den Weiterweg aus „technischen Gründen“ (so Googles Übersetzung aus dem Polnischen) verwehrte, kamen uns Bedenken. Doch zunächst war der Weg bestens, so wollten wir uns wenigstens mit eigenen Augen überzeugen, ob hier kein Durchkommen war. 

Schon nach kurzer Zeit wurde allerdings klar, warum man den Weg gesperrt hatte: Irgendwann (wir schätzten vor mindestens zwei Jahren) musste es hier massiv geflutet haben, denn an verschiedenen Stellen fehlte der ursprüngliche Weg entlang des Bachs "Rígel’ský potok" schlicht, waren die Brücken zerstört oder lagen Baumstämme kreuz und quer. Man sah aber auch gleich, dass hier trotzdem recht häufig Leute unterwegs waren, denn bei jedem Hindernis und jedem fehlenden Wegstück gab es eine deutliche „Umgehung“. Und da der Bach selbst recht spärlich Wasser führte, fanden auch wir, wenn auch mit etwas Mühe, unseren Weg durch das Labyrinth. Noch ein Stück durch eine ziemlich hohe, krautige Wiese, wo uns tatsächlich von oben ein Jogger oder Trailrunner entgegen kam, dann standen wir unvermittelt wieder auf dem offiziellen Weg.


Der Bach "Rígel’ský potok" in der unteren Monkova dolina


Großwüchsige Knabenkräuter am Bach


Nicht immer ist sofort klar, wo es lang geht, doch wir finden
letztlich stets einen Ausweichpfad, wo der "richtige" Weg fehlt.


Ab da ging es dann praktisch permanent steil in einer Schlucht bergan, über rutschige Kalkfelsen und mit viel Schlamm vom Regen der vergangenen Tage, und auch hier wucherte es üppig links und rechts des Weges und blühten die unterschiedlichsten Blumen (Storchschnäbel, Orchideen, Bachnelkenwurz, eine weiße Variante des Fingerhuts, Türkenbundlilien, …). Oberhalb der Schlucht wurde es zwar etwas flacher, aber dafür umso krautiger, was ganz hübsch aussah, beim Wandern aber allmählich nicht wenig nervte.


Großblütiger Fingerhut (Digitalis grandiflora)


Mücken-Händelwurz


Wider Erwarten ist auch diese eine echte "Blumenwanderung".


Türkenbundlilie


Inmitten von Echtem Alandt


Talblick nach Ždiar


Erst kurz vor dem Sattel „Široké sedlo“ wurde der Bewuchs dann endlich niedriger und weniger „aufdringlich“, doch hier bekamen wir dann allmählich schon einen Vorgeschmack darauf, was uns oben am Grat erwartete. Inzwischen hatte der Nordwind nämlich ziemlich aufgefrischt und blies heftig und geradezu eisig kalt. 

Unsere Brotzeit hatten wir bereits nach etwa Zweidritteln des Aufstiegs auf ein paar Felsen bei einer Bachquerung verschlungen; da wir erst um halb 12 gestartet waren, war es da schon nach 13 Uhr und zumindest ich völlig ausgehungert und nur noch am Stolpern. Am Sattel machten wir daher zunächst nur kurz Halt, um das Tatrapanorama zu bewundern, das wir hier nun zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, und wanderten dann weiter zum höchsten Punkt der Rother-Wanderung, dem „Vyšné Kopské sedlo“, einem markanten Aussichtsfelsen unterhalb des „Hlupy“ (2061m). Letzteren hatte Günter noch als möglichen „echten“ Gipfel ins Spiel gebracht, doch erstens war der Weg zu diesem dann mal wieder abgesperrt und zweitens stürmte es bereits kurz vor dem Aussichtspunkt derart heftig und kalt, dass wir von dieser Idee ganz schnell Abstand nahmen.


Blick vom Široké sedlo ins Tal Javorová dolina


Über die Berge ziehen dunkle Wolken und der Wind weht ab 
dem Pass heftig und kalt.


Da der Gipfel des Hlúpy gesperrt ist, wird die Felskanzel etwas
unterhalb unser Ziel und Umkehrpunkt.


Weißseespitze (rechts im Vordergrund) und Lomnitzer Spitze
(Bildmitte, Gipfel in den Wolken)


Die Aussicht war es aber allemal wert, obwohl es so ungemütlich war, noch ein wenig zu verweilen. Doch dann kehrten wir gerne in ruhigere Gefilde zurück, rasteten im Windschatten von ein paar Latschenkiefern und genossen noch einmal in Ruhe den Blick auf die Tatra. 



Javorová dolina


Rechts die kleine Pyramide des Steżki


Seit dem Pass begegnen wir erstaunlich vielen Wandergruppen.


Bei starker Vergrößerung sind zwei Bergsteiger auf der 
Weißseespitze zu erkennen.


Der Rückweg ins Tal ging zunächst trotz Schlamm und glitschiger Felsen recht flott vonstatten. Am Bach angelangt folgten wir diesmal allerdings der ausgeschilderte Umgehungsroute, die leider noch einmal etwa 300 Hm Auf- und Abstieg zusätzlich mit sich brachte. 


Narzissen-Windröschen beim Abstieg vom Pass


Blick zurück Richtung Široké sedlo vom Gegenanstieg


Wieder im Bergwald am Veľký Grúň ...


... und wieder bei Knabenkraut, Fingerhut und Konsorten.


So war es bereits recht spät, als wir wieder im Auto saßen, und erst 5 min vor Ladenschluss (18.45 Uhr) erreichten wir einen kleinen Supermarkt, in dem es dann noch überraschend lebhaft zuging. Wie sich herausstellte, waren wir praktisch gleichzeitig mit einer ganzen Busladung Litauer eingetroffen, die allesamt auf ess- und trinkbare Souvenirs aus waren. Wir dagegen wollten uns lediglich mit dem Nötigsten für unser Vesper am folgenden Tag versorgen, was in dem übervollen kleinen Laden, wo die Angestellten zudem schon sehnsüchtig auf den Feierabend warteten, nicht ganz einfach war, am Ende aber doch gelang. 

Ein paar Kilometer weiter kehrten wir in Tatranská Kotlina in der „Penzion a Restaurant Koliba“ ein und stärkten uns mit Gulasch, Knödeln und Salat. Beim Bezahlen interessierte sich der Kellner für unser Woher und Wohin und es entspann sich ein kurzer Plausch mit ihm, da er wohl längere Zeit in Österreich gearbeitet hatte und sich daher ganz gut in einem österreichisch gefärbten Deutsch unterhalten konnte.

Und schließlich ging es in einer guten halben Stunde an unser Tagesziel, den etwas abseits im Wald gelegenen Campingplatz ATC Račkova Dolina.


Sonntag, 5. Juli – ATC Račkova Dolina



Die Nacht war auch hier wieder entspannt, obwohl das riesige, unübersichtliche Campinggelände ziemlich voll belegt war, überwiegend von Wanderern, die teils sogar nach Mehrtagestour aussahen. Als wir uns am Abend dem Platz genähert hatten, war schon ein paar hundert Meter vor unserer Ankunft deutlich erkennbar gewesen, dass wir bald am Ziel sein mussten: urplötzlich waberte Rauch durch die Luft und es roch nach Holzfeuer – kein Wunder, denn an allen Ecken und Enden des Platzes prasselten Lagerfeuer oder wurde gegrillt – und das mitten im Wald … Noch war es ja trocken (wenn auch zum Glück nicht so trocken, dass der Wald in Flammen aufging), doch bereits am späteren Abend fielen die ersten Regentropfen. 

Morgens ging es dann leider gleich so weiter, weshalb wir wieder eher geruhsam in den Tag starteten. Noch wussten wir ja nicht, dass die Regenschauer im Lauf des Tages eher häufiger und heftiger werden sollten … So frühstückten wir erst gegen halb 9 und packten dann so langsam unsere Rucksäcke für eine Tageswanderung, zu der wir direkt vom Campingplatz aufbrechen wollten. Ursprünglich hatte Günter den Baranec (2185m) als Ziel ausgesucht, doch angesichts dessen, dass wir nun schon am Vortag eine ausgewachsene Tour gemacht hatten und das Wetter ziemlich instabil zu sein versprach, sollte es nun nur noch zu einem der Vorgipfel in der langen Reihe der West-Tatra-Gipfel gehen, den etwa 200m niedrigeren und deutlich näher gelegenen Mladky. 


Vor dem Start zur Wanderung auf den Mladky direkt vom
Campingplatz "ATC Račkova Dolina"


Durch den Hintereingang des Platzes gelangten wir schnell auf die Fahrstraße zum Wanderparkplatz, auf der wir nach wenigen Minuten den Bach „Račková“ überquerten, und dann bogen wir beim Parkplatz in den Wanderweg ein, der sogleich ziemlich anzog. Leider stellte sich mit der Zeit heraus, dass große Teile des Wegs nicht, wie wir gedacht hatten, im Wald verliefen, sondern durch (infolge von Kahlschlag, Windwurf oder Feuer entstandene) Wiesen mit mannshohen Gräsern, die von den morgendlichen Schauern so richtig schön nass waren. Und immer öfter verengte sich der Pfad so, dass wir es nicht vermeiden konnten, daran entlang zu streifen. So waren unsere Hosen bereits klatschnass und es zeichnete sich ab, dass bald auch unsere Schuhe durchweicht sein würden, als wir eine kleine Schutzhütte mit einem trockenen Bänkchen davor erreichten. - Bei diesen Bedingungen hätten sich wirklich mal Regenhosen ausgezahlt! 


Nicht nur die Glockenblumen triefen vor Nässe ...


... auch die hüfthohen Gräser und in der Folge
sind unsere Hosen schnell durchweicht.


Dabei hielten die Wolken bis dahin noch dicht und kam sogar gelegentlich die Sonne heraus. Auch Sicht ins Tal hatten wir das eine oder andere Mal und erst, als wir etwas höher gestiegen waren und nun tatsächlich eine Zeitlang durch schönen Fichtenwald wanderten, in dem der Boden vielfach absolut trocken war, tauchten wir vollständig in die Wolken ein. Just als der Hochwald endete und wir in den Latschengürtel kamen, begann es leicht zu nieseln und dieser Niederschlag begleitete uns dann in mehr oder weniger starker Ausprägung auf nahezu der gesamten restlichen Tour.


Schon ziemlich anfangs bekommen wir einen Vorgeschmack 
auf die "Gipfelaussicht" ...


Immerhin zieht es jetzt noch gelegentlich auf ...


... und wir dürfen einen Blick ins Tal werfen.


Über tausend latschenbewachsene Hügel ...


Noch ein letzter Talblick ehe es endgültig zumacht.


Zunächst aber ging es jetzt gefühlt endlos durch Latschengassen hinauf und allmählich hofften wir bei jedem Hügel, der aus dem Nebel auftauchte, nun aber wirklich am Ziel zu sein – doch nein, das war noch immer nicht die richtige Kuppe ... So langsam wurden wir auch hungrig und schwanden die Kräfte und nur der Gedanke, dass wir es bald geschafft hätten und uns endlich mit unserem Vesper stärken konnten, motivierte uns noch zum Weitergehen. – Mit der Hoffnung auf Aussicht oder wenigstens nachlassenden Regen hatten wir dagegen längst abgeschlossen. 


Der Weg zum Mladky zieht sich und jetzt regnets so richtig.


Schließlich dünnten die Latschen aus und endlich zeigte die Locus-Navigation auf Günters Handy an, dass wir den Mladky erreicht hätten. Ansonsten deutete allerdings nichts darauf hin, dass wir am Ziel waren, kein Schild, keine Markierung, einfach gar nichts. Und es lud auch kein bisschen zum Verweilen ein, denn es wehte wieder der eisige Wind, den wir schon vom Vortag kannten, und hier oben gab es weder Windschatten, noch auch nur einen Stein oder Felsen, auf den man sich hätte setzen können. Alles war mit niedrigen, völlig feuchtigkeitsgesättigten Bodendeckern überwachsen und spätestens, als ich für das Gipfelfoto ein paar Minuten da drin gestanden hatte, quakte es in meinen Schuhen vor Nässe … 


Tatsächlich der Gipfel?


Ein polnisches Paar, dem wir bereits an der Hütte begegnet waren, schloss zu uns auf und zog vorbei. Die waren aber auch deutlich besser ausgerüstet als wir, mit Gamaschen und wasserdichten Überhosen … Für uns dagegen blieb als einzige Möglichkeit, so schnell es ging wieder bis zum Fichtenwald abzusteigen und zu hoffen, dass der Boden dort noch halbwegs trocken war. 


Das Dauernieseln sorgt für einen zügigen Abstieg.


Dieser Plan ging dann immerhin auf und bergab kamen wir zügig voran, nicht zuletzt weil hier in der Westtatra wieder kein Kalkstein ansteht, sondern (vermutlich) Gneis, der auch bei Nässe recht griffig war. Und auch zwischen den Felsbrocken war es längst nicht so schlammig-rutschig wie tags zuvor. 

Unter ein paar mächtigen Fichten fanden wir einen für die gegebenen Umstände idealen Vesperplatz. Und tatsächlich gab es hier sogar deutlich besseren Handyempfang, als unten im „Loch“, sprich auf dem Campingplatz. Günter machte sich daher gleich daran, nach Hotels in Bratislava zu suchen, wo wir die letzten beiden Tage der Reise verbringen wollten, doch nach einer Weile wurde mir kalt und ich drängte zum Aufbruch. – Da ahnten wir ja noch nicht, was wenig später passieren würde: 

Als wir uns wieder durch die nassen Wiesen hinabquälten und diesmal womöglich noch mehr durchweicht wurden, weil es auch hier inzwischen wohl seit geraumer Zeit regnete, gab unvermittelt Günters Handy den Geist auf … Dem hatte offenbar die andauernde Nässe in Hosen- oder Jackentasche nicht gut getan, denn das Display hatte bereits seit langem einen Riss, durch den jetzt wohl Wasser eingedrungen war. Dabei hatte Günter mich gerade noch damit fotografiert und Sekunden später zeigte es plötzlich nur noch ein hübsches aber nutzloses Streifenmuster an … 


Famous last photo ...


Am Berg konnte er wenig mehr tun, als das Teil oberflächlich abzutrocknen und dann in den hoffentlich trockeneren Tiefen des Rucksacks zu verstauen. Leider machte es dann auch später trotz allen Trocknungsbemühungen – sogar der Heizlüfter wurde dafür aktiviert – keine Anstalten, sich wieder zu erholen. – Ganz schön blöd! Denn mein Handy war höchstens ein schlechter Ersatz und konnte längst nicht alle Funktionen übernehmen …

Der Regen legte nach unserer Rückkehr zum Campingplatz eine Pause ein, so konnten wir ohne Hektik zu den Duschen gelangen und sogar die nassen Sachen für einige Zeit draußen aufhängen. Später schüttete es dann aber so richtig und im Auto lief der Heizlüfter nicht nur für Günters Handy auf Hochtouren …

Gegen 19 Uhr machten wir uns auf den Weg, um herauszufinden, ob es in der Kneipe auf dem Platz tatsächlich was zu essen gab, weil es da gerade wieder besonders schüttete im Schutz von Regenjacken und Schirmen, obwohl wir nur ein paar Meter bis dorthin zu gehen hatten. Gab es und wir einigten uns schnell auf je eine (Tiefkühl-)Pizza. Was es dort leider nicht gab, war Wifi für die Gäste, was ziemlich bedauerlich war, denn sonst hätten wir immerhin versuchen können, mit Hilfe meines Handys die Hotelübernachtungen in Bratislava zu buchen. 

Die Kneipe war im Übrigen recht voll, obwohl der Platz sich an diesem Abend deutlich geleert hatte. Aber klar, bei dem Sauwetter war es natürlich auch ziemlich verlockend, sich dort ins Trockene zu flüchten, und Lagerfeuer waren diesmal ja definitiv keine Option für die Abendgestaltung.

An einem der Tische saß eine Runde vom Bier schon sehr „lustig“ gewordener Deutscher, offenbar Mitglieder eines Motorradclubs, vier oder fünf Typen und eine junge Frau, die eher wenig zu den peinlichen, großspurigen Sprüchen der anderen beizutragen hatte. In den vergangenen drei Wochen hatte ich mir oft gewünscht, zu verstehen, was um mich herum gesprochen wurde, denn in Polen wurde im Allgemeinen gern und viel geredet. Doch an diesem Abend war ich ganz froh, dass der Lärmpegel in der Kneipe so hoch war, dass das Gelaber unserer Landsleute meist darin unterging ... 


Montag, 6. Juli – Bratislava – Metropolitan Star Aparthotel



Noch eine ruhige, kühle und diesmal auch trockene Nacht auf dem Campingplatz im slowakischen Tatra Nationalpark, noch einmal erst gegen halb 9 aufgestanden und endlich mal wieder erholt in den Tag gestartet. So sollte es ja idealerweise im Urlaub immer sein, doch erst seit es wieder kühler war und wir uns nicht mehr gar so weit im Osten aufhielten, dass es bereits um 3 Uhr früh hell wurde, fanden wir auch wieder ausreichend Schlaf.
 
Günters Handy zeigte am Morgen marginale Lebenszeichen (am oberen Rand des Displays waren ein paar Zahlen, Buchstaben, Symbole erkennbar), doch ließ sich nach wie vor nichts damit anfangen. So musste bis auf weiteres mein Handy für die Navigation und später für die Suche nach Mittagessen, Tankstelle, Unterkunft herhalten. Während des Mittagessens im Restaurant „La Familia“ in der Ortschaft Košeca, wo der Mobilfunkempfang zwar auch nicht überwältigend war, aber doch um Welten besser als im Wald an der West-Tatra, schaffte es Günter tatsächlich mit viel Beharrlichkeit, sich bei Booking und bei seinem Google-Mailaccount, und was alles noch dafür nötig war, einzuloggen und uns eine Unterkunft zu buchen: wieder ein kleines Apartment, diesmal mit Wohn-Schlaf-Küche in einem Raum und mit einer kleinen Terrasse zum Innenhof.

Das Essen im „La Familia“, Beefburger und Cheeseburger, jeweils mit „homemade fries“, wie uns die nette junge Bedienung, die uns zugeteilt wurde, weil sie wohl am besten Englisch konnte, die slowakische Speisekarte erklärte, war ziemlich gut, aber leider auch sehr fettreich. Besonders mein Cheeseburger, der mit sicher 4 cm dicken panierten Käsebrocken belegt war, triefte vor Fett und die Pommes standen dem in nichts nach ... Immerhin war das Brötchen zusätzlich zum obligatorischen Salatblatt noch mit einigen Gurken- und Tomatenscheiben belegt. 

Von außen machte das Restaurant im Übrigen nicht viel her und wir fragten uns schon, wo wir hier denn mal wieder aufgrund von guten Google-Rezensionen gelandet waren. Letztlich schien es sich eher um eine Event-Location mit großem Saal, bzw. Tanzbar im Untergeschoss zu handeln, wo tagsüber an ein paar Tischen drinnen und ein paar mehr Tischen draußen auch Essen angeboten wurde. Wir saßen draußen und waren gegen halb eins, also eigentlich zur besten Mittagszeit, nahezu die einzigen Gäste. Aber klar, war ja auch Montag und in irgendeinem Nest ohne besonderen touristischen Reiz. Da war vermutlich in den Schulferien, die auch in der Slowakei am 1. Juli begonnen hatten, eher weniger los als sonst. 

Ansonsten verlief die Fahrt nach Bratislava erfreulich stress- und ereignislos. Ein paarmal kamen wir in einen Regenschauer, ein Stück noch fehlende Autobahn musste zäh über Land umfahren werden, doch etwas spannender wurde es erst wieder, als wir die Stadt erreicht hatten und vor dem Eingang des Parkhauses standen, dessen Barriere sich partout nicht öffnen wollte. In der Mail vom Aparthotel hatte es geheißen, man solle unter keine Umständen ein Ticket ziehen, falls die Barriere sich nicht von selbst öffnete (sie sollte eigentlich mit Kennzeichenerkennung funktionieren). Doch die Rezeptionistin, die Günter schließlich anrief, nachdem er mühsam wieder aus dem Eingangsbereich des Parkhauses zurück auf die Straße gestoßen war (unter Verscheuchung eines anderen Parkwilligen, der sich bereits hinter uns angestellt hatte), meinte, er solle eben doch ein Ticket ziehen. – Super, das hätten wir auch einfacher haben können … Beim Einchecken behielt sie dieses dann ein und meinte, ab jetzt müsste es mit der Barriere wirklich klappen – für uns aber de facto irrelevant, weil wir lediglich vor der Heimfahrt noch einmal rausfahren würden.
 
Gegen Abend drehten wir eine erste Runde durch die Stadt, von der wir beide zu unserer ewigen Schande bis zu diesem Nachmittag noch gedacht hatten, dass sie das ehemalige deutsche Breslau sei … Doch natürlich lag Breslau schon immer an der Oder und im heutigen Polen und heißt jetzt Wrocław. Hier waren wir dagegen in der slowakischen Hauptstadt, dem ehemaligen Pressburg, und an der Donau … Das Stadtgebiet grenzt sowohl an Österreich, als auch an Ungarn und von Wien waren wir hier nur mehr 55 km Luftlinie entfernt. 

Direkt um die Ecke von unserem Hotel lag das Palais Grassalkovich, wo der slowakische Präsident residiert, und auch alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Altstadt, sowie die Burg waren ziemlich nah. Trotzdem summierte sich unsere „kleine“ Runde – durchs Michaelstor in die Altstadtgassen hinab zur Donau, über die Nový most ans andere Ufer, an diesem entlang bis zur Starý most und auf dieser wieder zurück zur Altstadt – letztlich auf gut 8 km Fußmarsch und so wurden wir mit der Zeit tatsächlich wieder hungrig. 


Palais Grassalkovich, die Residenz des Präsidenten


Michaelertor (Michalská brána)


Die Donau von der Nový most (Most SNP)


Am Tyršák mit Blick auf das UFO (Aussichtsplattform),
die Burg und den Martinsdom


Auf der Starý most mit Blick nach Ost


Nach den deftigen Burgern suchten wir fürs Abendessen jedoch nach etwas eher leichtem und wurden beim „Sushi House Kúpel’ná fündig, einer kleinen Eckkneipe mit ein paar Tischen drinnen und draußen, sowie weiteren bei der Küche im Untergeschoss. Sushi-Bento-Box-Salmon und Tom-Yum-Suppe schmeckten dann prima und waren auch mengenmäßig genau das Richtige. Und anschließend ging es mit einem weiteren Schlenker durch die Altstadt zurück ins Apartment. 


Slowakisches Nationaltheater


Auf dem Hauptplatz gibt es an diesem Abend Straßenmusik.


Der Brunnen des Friedens vor dem Präsidentenpalais



Dienstag, 7. Juli – Bratislava



Die erste Nacht in unserem Apartment war dann leider nicht so erholsam wie erhofft. Die Klimaanlage wurde zwar nach einem kurzen Test, der ergab, dass sie unerträgliche Geräusche in ständig wechselnden Tonhöhen verbreitete (klang ein bisschen wie ein Flugzeug auf dem Taxiway …), schnell wieder ausgemacht. Doch kaum hatten wir das Licht gelöscht und wollten schlafen, begann auch schon der Kühlschrank neben dem Bett zu brummen und fand stundenlang kein Ende. Dabei war das Teil sowieso völlig überdimensioniert für so ein Ferienapartment und kühlte für uns lediglich ein paar Scheiben Salami, eine Flasche Wasser, sowie je einen Rest Milch und Saft. Und die Tiefkühleinheit war natürlich komplett leer. 

So griff ich nach einer Weile entnervt zu meinen Ohrstöpseln und von da an war es zumindest akustisch erträglich. Doch auch dann gab es noch einige Ärgernisse, wie die stickige Wärme im Zimmer und ein viel zu dickes Kissen, die mich beschäftigten und wach hielten. Irgendwann musste ich dann doch eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal zu mir kam, wars draußen schon hell und die Uhr zeigte 6.00 – zum Aufstehen also noch viel zu früh ... Doch dann war es plötzlich dreiviertel 9 und wir mussten fast schon Stress machen, um noch rechtzeitig zum Frühstück zu kommen, das es hier „nur“ bis 10 Uhr gab.

Das Frühstücksangebot stellte sich hier als eher etwas „unterwältigend“ heraus, mal wieder viel Herzhaftes, aber für uns Süß-Frühstücker lediglich zwei verschiedene Marmeladen, Margarine (nirgends Butter!), Brot und dergleichen, sowie Müsli, Bananen und Joghurt. - Na ja, so aufgeschrieben hört sich das gar nicht nach so wenig an und satt wurden wir natürlich auch. Nur im Vergleich zum üppigen Angebot an Wurst, Käse, gebratenem Speck, Salaten, Eiern in verschiedenen Zubereitungsarten und so weiter, schnitt das Angebot an Süßem eben doch eher mau ab.

Und dann gings auf zur großen Stadtbesichtigung. Erste Station war, ziemlich in der Nähe des Aparthotels, der „Platz der Freiheit“ (Námestie slobody) mit einem riesigen flachen Brunnen, in dessen Mitte eine gigantische metallene Knospe (so meine Interpretation) stand. Bei den hochsommerlichen Temperaturen, die an diesem Tag bereits vormittags gegen 11 herrschten, hatten sich etliche Mütter hier eingefunden, deren Kleinkinder vergnügt im Brunnen planschten. 


Slowakische Technische Universität Bratislava, Fakultät für
Maschinenbau


Platz der Freiheit


Weiter gings auf den ersten Hügel des Tages, zur Gedenkstätte Slavin, wo der bei der Befreiung Bratislavas 1944/45 gefallenen Sowjetsoldaten gedacht wird, von denen hier fast 7000 begraben. Auf dem Hügel thront eine Art Mausoleum, das von einem Obelisk gekrönt ist, auf dem wiederum die Statue eines „siegreichen“ Sowjetsoldaten steht. Doch abgesehen davon war hier auch die Aussicht über Stadt, Burg und Umland nicht zu verachten. Kein Wunder, dass die betuchteren Einwohner der Stadt sich an den Hängen des Hügels gerne ihre noblen Domizile bauen und auch in früheren Zeiten schon gebaut haben. 


Gedenkstätte Slavin




Die Burg vom Slavin-Hügel


Bratislava-Ost (Nivy)


Auf verschlungenen Wegen erreichten wir als nächstes die Burg und damit unseren zweiten Hügel. Nach einem Besuch des sehr sauberen öffentlichen WCs im Untergeschoss, folgte eine Runde zu verschiedenen Aussichtspunkten, an denen wir Donau, Stadt und Land – Plattenbauten, die historische Altstadt, Windräder en masse – bewundern konnten, und in den „Barockgarten“ der Burganlage. Dieser bestand hauptsächlich aus ein paar schnörkelig angelegten Buchsrabatten mit Blümchen dazwischen, sowie rund in Form geschnittenen Bäumchen und war so recht schnell besichtigt. 


Auf der Burg und fast auf Augenhöhe mit dem UFO


Starý most und Most Apollo


Im Barockgarten der Burg


Die Burg selbst (Bratislavský Hrad), in ihren Ursprüngen aus dem 9. Jahrhundert, lange Zeit Residenz der ungarischen Könige, die nebenan im Martinsdom gekrönt wurden, war später 140 Jahre lang eine Ruine und wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts originalgetreu wieder aufgebaut. Mittlerweile befindet sich darin ein historisches Museum, und da wir dieses nicht besuchen wollten, ließen wir den Burgberg bald hinter uns. 

Nächster Besichtigungspunkt sollte mal wieder ein alter jüdischer Friedhof sein, der von der Burg ein ganzes Stück Donau aufwärts lag. Doch zuerst rief jetzt das Mittagessen, weshalb wir nach dem Abstieg zur Donau über sehr viele krumme und schiefe Stufen, das italienische „Massimo Ristorante“ ansteuerten, das speisen mit Blick auf die Donau versprach. 

Dass es sich dabei eher um einen Edelitaliener handelte, war uns schon klar, doch wie gehoben v.a. die Preise dann tatsächlich waren, dämmerte uns erst beim Blick auf die Speisekarte … Gut, wir wollten ja mittags eh eher was kleines Leichtes essen, so begnügten wir uns mit einem Cesar-Salad (für 27€) und einem Nudelgericht mit etwas grünem Spargel, Garnelen und Tomatensauce (31€), dazu hausgemachte Ingwer-Minz-Limonade (1 Liter reichte für uns beide und war mit 9 € überraschend wohlfeil). Und was soll ich sagen? Die Qualität hat auf jeden Fall gestimmt, geschmeckt hats auch und ausreichend satt wurden wir ebenfalls, zumal es als Gruß aus der Küche zu Anfang noch etwas Focaccia mit einem Pesto aus getrockneten Tomaten gab. Noch zwei Espressi hinterher (3,50 €, mit Mini-Windbeutel), dann konnten wir zufrieden weiterziehen.

Der jüdische Friedhof war dann ob seiner Größe wirklich beeindruckend: Er zog sich schier endlos einen Hügel (heute unsere Nummer 3) hinan und hörte am fernen Waldrand offenbar noch längst nicht auf. Die jüngsten Grabinschriften, bei denen die Namen und Lebensdaten zumeist in lateinischen Buchstaben und arabischen Ziffern geschrieben waren, datierten von den letzten Jahren, aber es gab auch Grabsteine, die völlig verwittert und vermutlich mehr als hundert Jahre alt oder noch älter waren – kein Wunder, da jüdische Gräber quasi für die Ewigkeit angelegt werden. 


Auf dem Jüdischen Friedhof von Bratislava


Diesmal hatten wir allerdings schnell genug vom Herumstolpern zwischen den Grabsteinen - richtige Wege gab es hier nämlich nur sehr wenige, ebenso wie auf dem alten jüdischen Friedhof, den wir in Krakau besucht hatten. Und die hebräisch beschrifteten Gräber alter Rabbiner, auf denen längst vom Regen aufgeweichte Zettel mit Bitten und Gebeten vor sich hin moderten, waren für uns Nicht-Juden zwar irgendwie kurios, aber mehr auch nicht.


Zettel mit Bitten und Gebeten am Grab eines Rabbi
 

So kehrten wir bald ans Donauufer zurück und schlenderten an diesem entlang Richtung Stadtzentrum zurück. An den Ufern waren immer mal wieder ziemlich heruntergekommene alte Kähne vertäut, die wohl früher als Hotels oder Restaurants gedient hatten, doch die allerwenigsten davon schienen noch in Betrieb zu sein. 


Ein (ehemaliges?) Hotelschiff und eines der vielen
Donaukreuzfahrtschiffe

                    
Zurück in der Stadt stiegen wir nun gleich bei der Nový most zum Martinsdom hinauf. Entgegen den Angaben bei Google war dieser auch gegen 15.30 Uhr geöffnet, nur in die Krypta durfte man wohl nicht. Diese Kirche war endlich mal im Inneren ganz nach meinem Geschmack: eine gotische Kirche, die bis auf wenige Kleinigkeiten einfach gotisch sein durfte. Allerdings las ich dann bei Wikipedia, dass auch dieses Gotteshaus durchaus einmal barockisiert worden war, dann jedoch im 19. Jahrhundert, nach der damaligen Mode, wieder regotisiert wurde. Die teils aus noch jüngerer Zeit stammenden Seitenaltäre fügten sich sehr unauffällig ins Gesamtbild ein und lediglich die sehr ausdrucksstarke barocke Sankt-Martins-Figur des Künstlers Georg Raphael Donner bildete einen deutlichen Kontrast.


Im Martinsdom, rechts die barocke Sankt-Martins-Figur


Die Spitze des Kirchturms krönt wie seit Jahrhunderten eine gigantische Nachbildung der ungarischen Stephanskrone, die auf einem „Polster“ ruht. Krone und Polster sind zusammen mit etwa 8 kg Gold überzogen und insgesamt 167 kg schwer …


Martinsdom


Bereits am Abend zuvor war uns aufgefallen, dass es entlang eines Grünstreifens parallel zum Donauufer neben einem Spielplatz und allerlei Springbrunnen auch sehr viele Eisdielen gab. Gerne hätten wir uns hier in ein Café gesetzt, konnten nun jedoch ausschließlich Straßenverkaufsstände entdecken. Doch natürlich schmeckte das leckere Eis von „Luculus“ dann auch auf einer Bank am Spielplatz. 

Noch eine letzte Sehenswürdigkeit stand anschließend auf unserer Liste: die „Blaue Kirche“ oder Sankt-Elisabeth-Kirche. Von dort, wo wir unser Eis verspeist hatten, lag diese allerdings ganz am anderen Ende der Altstadt, so war es noch einmal ein ordentlicher Fußmarsch, der teils durch eher weniger hübsche Straßen führte. Gelohnt hat sich die Mühe dann aber doch, und das, obwohl die Kirche geschlossen war und der Innenraum lediglich durch ein Gitter betrachtet werden konnte. Das Interessantere war hier aber sowieso die wirklich extrem himmelblau gestrichene Jugendstilfassade mit ihren Majolika-Mosaiken und den blau glasierten Dachziegeln. Und auch ein Blick auf das Gymnasiumgebäude direkt nebenan lohnte sich, da dieses vom selben Architekten (Ödön Lechner) entworfen wurde, ebenfalls im Jugendstil, wenn auch diesmal in Gelb … 


Sankt Elisabeth


Blick in die Kirche


Neben der Kirche befindet sich ein ebenfalls im Jugendstil 
erbautes Gymnasium.


Als wir uns gerade auf den Rückweg zum Hotel machen wollten, begann es doch tatsächlich zu tröpfeln und nach ein paar hundert Metern legte es dann so richtig los. Da kam uns eine Lidl-Filiale gerade recht, zumal wir eh noch ein paar Kleinigkeiten benötigten. Bis wir wieder draußen waren – wir waren nicht allein im Laden und an der einzigen „echten“ Kasse gabs bei anderen Kunden diverse Komplikationen – hatte der Regen dann längst aufgehört und sogar die Sonne zeigte sich bereits wieder. Abgesehen von diesem Schauer war es bis dahin den ganzen Tag heiter bis wolkig gewesen und es blieb bis in die Nacht hinein sehr warm: tags bis 31°C, nachts nicht unter 23°C.

Nach einer Verschnaufpause im Hotel ging es zum Abendessen nur ein paar Schritte durch den Präsidentengarten ins Restaurant „La Gunda“, eher einer sehr „authentischen“ Eckkneipe, wie sich herausstellte. Von daher hofften wir, hier typisch slowakisches Essen probieren zu können, doch, ob nun typisch oder nicht, fanden wir das Gebotene dann nur höchstens so lala: Vier Teigtaschen mit extrem wenig Käsefüllung waren mit vielen, riesigen fetten Speckbrocken garniert, das Rösti mit Pilzen, Zwiebeln, (nicht scharfen) Peperoni und Mozzarella schmeckte zwar ok, war aber ebenfalls recht fettig und kam mit ein paar Salatblättern ohne jedes Dressing. Immerhin kostete hier alles zusammen mit den Getränken nur 33 €, während wir mittags beim Edelitaliener inklusive Trinkgeld 80 € losgeworden waren. Apropos: Trinkgeld bekam die junge Frau, die uns bediente, dann trotz des etwas enttäuschenden Essens, ganz einfach, weil sie sehr nett war. 


Im Präsidentengarten


Anschließend schlenderten wir noch ein letztes Mal in die Stadt, um vor der Mullet Bar einen Drink zu schlürfen. Und dann ging es zurück durchs nächtliche Bratislava, wo es auch um 22 Uhr noch sehr lebhaft zuging – kein Wunder an einem so angenehm milden Abend.


Konditorei Kormuth - leider nach Ladenschluss ...


Bars gibt es jede Menge in Bratislava und an diesem Abend
sind alle gut besucht.


Lichtspiele am Brunnen des Friedens



Mittwoch, 8. Juli – Heimfahrt mit Hindernissen



Unsere zweite und letzte Nacht in Bratislava war etwas ruhiger, da Günter inzwischen herausgefunden hatte, dass man den Kühlschrank doch regeln konnte, und ihn auf „Sparflamme“ gestellt hatte. So sprang er zwar noch regelmäßig an, aber zum Glück nie für lange. 

Nach dem Frühstück, und nachdem uns die Parkhaus-Barriere tatsächlich anstandslos rausgelassen hatte, rollten wir noch einmal über die Nový most mit ihrer „Ufo“-Aussichtsplattform und steuerten in den Außenbezirken der Stadt einen möglichst großen Supermarkt an. Noch hatten wir das Thema kulinarische Mitbringsel nicht ganz ad acta gelegt, doch zeigte sich dann schnell, dass es auch hier wenig ergiebig werden würde. Immerhin gab es „Bratislavské rožky“ oder „Pressburger Kipferl“ zu kaufen, so dass Günter wenigstens seinen Kolleg*innen wie üblich eine Spezialität aus dem Urlaub spendieren konnte. Ein paar slowakische Weine fanden sich ebenfalls und zuletzt noch eine Flasche Żubrówka-Bisongras-Wodka als einziges „polnisches“ Mitbringsel.

Wenig später passierten wir auch schon die Grenze zu Österreich und kurvten auf diversen Autobahnen um den Großraum Wien. Irgendwann auf dem weiten Weg gen Westen meldete sich der Mittagessenshunger und wir überlegten uns, diesmal dafür die Stadt Ybbs anzusteuern. 

Doch dann, bei einem WC-Stopp an der Rastanlage Roggendorf, passierte es: beim Ausparken rammte uns ein (ebenfalls gerade ausparkender) Handwerkerkleinbus und der „Max“ bekam am linken hinteren Kotflügel eine böse Delle verpasst … Auch das andere Fahrzeug hatte ein paar Beschädigungen davongetragen, so wurden Fotos gemacht, Adressen und Versicherungsnummern getauscht, und was in so einem Fall alles noch zu tun ist. Und zu allem Überfluss ging gerade da auch noch ein Regenschauer nieder … 




Das ganze Theater dauerte dann so lang, dass es anschließend viel zu spät war, um zum Essen noch bis Ybbs zu fahren. So ging es alternativ ins nahe Melk, wo wir im Rathauskeller auf der Heimfahrt von Rumänien schon einmal bestens bewirtet worden waren. Auch diesmal waren wir wieder völlig zufrieden mit Gulasch und Altwiener Schnitzel und nach einem Abstecher zu einem kleinen Laden für süße Souvenirs aus der Wachau, in dem wir noch zwei Gläser Marmelade für die Schlüsselhüterinnen zuhause erstanden, stiegen wir wieder ins Auto und traten die letzte Etappe der Heimfahrt an. 


Stift Melk


Gegen 19 Uhr war es dann geschafft und noch am selben Abend luden wir den Großteil des Urlaubsgepäcks und sonstigen Inventars aus, denn anderntags war diesmal Donnerstag und bereits wieder ein ganz normaler Arbeitstag.