Text: Eva Irmler
Fotos: Günter Schmidt
Nach Polen
In den vergangenen Jahren hatten wir nun schon einige Länder in Südosteuropa besucht, zuletzt im Frühjahr 2025 Rumänien. Trotzdem gab und gibt es im Osten noch sehr viele weiße Flecken auf unserer persönlichen Reiselandkarte. Polen stand als unmittelbares Nachbarland im Grunde schon sehr lange auf unserer Wunschliste, ebenso die Baltischen Staaten, doch, um beides miteinander zu verbinden, schienen uns die 3 ½ Wochen, die uns diesmal zur Verfügung standen, denn doch etwas zu kurz.
So planten wir eine große Runde entlang der Außengrenzen Polens, mit Auftakt im Spreewald und an der deutschen Ostseeküste inklusive Rügen. Auch in Polen wollten wir zunächst noch an der Ostsee bleiben, Danzig besuchen und erst unmittelbar vor der russischen Exklave Kaliningrad nach Süden abzweigen. Die Masurischen Seen durften natürlich nicht fehlen, sowie ganz an der weißrussischen Grenze der Bialowieza Nationalpark, in dem es noch wild lebende Exemplare des Wisents oder Europäisches Bisons geben soll. Ehe es dann in die einzige Bergregion auf dieser Reise, die Hohe Tatra, gehen würde, wollten wir noch Krakau einen Besuch abstatten. Und schließlich sollte es auf die Südseite der Tatra und damit in die Slowakei gehen, wo wir nach ein paar weiteren Wanderungen zuletzt noch in der Hauptstadt Bratislava Station machen wollten.
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| Die Stationen unserer Reise mit Übernachtungsplätzen |
An unserem Campingmobil blieb diesmal nahezu alles unverändert. Abgesehen von ein paar neuen Kisten und Kästen, die für etwas mehr Ordnung in Auto und Aufbau sorgen sollten, erfuhr lediglich die Küchenbox eine leichte Umgestaltung, aus der Einsicht, dass wir die darin verbaute Spülschüssel vermutlich in den nächsten 5 Jahren genauso wenig nutzen würden wie in den letzten, weil es einfach unpraktisch war. Zudem wurden die Seitenfenster des Aufbaus, die bislang theoretisch aufgeklappt werden konnten, nun fix verschraubt. Auch hier hatte sich im Lauf der Jahre herausgestellt, dass wir diese Möglichkeit so gut wie nie nutzten, nicht zuletzt, weil das Wetter auf unseren Reisen bislang selten sommerlich genug gewesen war, um den Aufbau auf allen Seiten sperrangelweit zu öffnen …
Erste Station Spreewald
Sonntag, 14. Juni – Klein Beuchow – Camping „Am Mühlberg“
Kurz nach halb elf waren wir an diesem Sonntagmorgen startklar und machten uns auf den weiten Weg in den Spreewald – laut Google eine Strecke von exakt 555 km! Auf der Autobahn gings erst Richtung Nürnberg, dann jedoch über Regensburg und anschließend mehr oder weniger entlang der tschechischen Grenze nach Nordosten, vorbei an Hof, weiter nach Dresden und schließlich auf der A13 bis zum Dreieck Spreewald.
In Selb gab es den einzigen längeren Stopp unterwegs, erst wurde getankt (1,89/l), dann kehrten wir in der „urigen“ Wirtschaft „Zum Sandner“ am Grafenmühlweiher ein, eigentlich eher ein Holzstadel mit Biergarten. Angesichts des kühlen Wetters (dort am frühen Nachmittag gerade mal 15°C und ziemlich windig) war Draußensitzen jedoch keine Option, zum Glück gab es aber drin noch genügend freie Plätze. Kassler mit Kartoffelstampf und Sauerkraut, sowie das Wiener Schnitzel vom Strohschwein mit Preiselbeeren und Kartoffel-Gurkensalat kamen dann erfreulich flott auf den Tisch und waren qualitativ hervorragend.
Satt und zufrieden konnte es also schon bald weitergehen, einziger Wermutstropfen war das Wetter, das Richtung Norden zunehmend unbeständig wurde. Ein paar Mal wurden wir (bzw. der „Max“) unterwegs geduscht, und als wir gerade an unserem Tagesziel einliefen, ging prompt ein wahrer Wolkenbruch nieder.
Unsere erste Reiseetappe endete auf einem extrem „verkehrsgünstig“ gelegenen Campingplatz: die Autobahn rauschte hier direkt hinter dem Gelände vorbei. Doch da wir uns etwas spät gekümmert hatten, war unsere erste Wahl, ein idyllischer Platz direkt im Spreewald bei Lübbenau, leider bereits ausgebucht gewesen.
In der Reservierungsbestätigung des Campingplatzes hatte es geheißen, wir müssten unbedingt bis spätestens 17 Uhr da sein, so waren wir etwas erstaunt, dass die Rezeption laut Anschlag sonntags nur bis 13 Uhr geöffnet war. Anschließend musste man sowieso irgendwo anrufen, was Günter dann auch gleich tat, noch ungeschützt im Regen stehend … Sonntags sei freie Anreise, bekam er da zu hören, für uns also eh kein Platz reserviert und die Formalitäten erledige man dann morgen. – Na gut, rollten wir eben einfach auf den nun offiziell doch nicht reservierten, aber gleichwohl freien Platz 10 und warteten erst mal den zum Glück nicht allzu lang anhaltenden Regenschauer ab.
Abends spazierten wir noch eine Runde durchs Dorf, an Wald- und Feldrändern entlang bis zur Nachbarortschaft Krimnitz und kehrten auf einem kleinen Teersträßchen wieder zurück nach Klein Beuchow.
| Kiefernwald bei Klein Beuchow |
| Blumenwiese beim Abendspaziergang nach dem Regen |
Montag, 15. Juni – Klein Beuchow – Camping „Am Mühlberg“
Schon hier am Spreewald merkten wir, dass die Tage so kurz vor Mittsommer deutlich länger waren als bei uns im Süden. Abends nachtete es erst gegen 22 Uhr allmählich ein, und als ich morgens gegen halb fünf kurz raus musste, war es schon wieder taghell. So kam es, dass wir trotz Urlaub und ganz ohne Wecker bereits um kurz nach 7 munter wurden und alsbald frühstückten.
Bis 9.30 Uhr waren dann die Rucksäcke gepackt, die Tretroller startklar und die Spreewaldrundtour konnte losgehen. Zuerst rollten wir auf derselben Strecke, die wir am Abend zuvor zu Fuß genommen hatten, durch Klein Beuchow hindurch und auf der schmalen, für den motorisierten Verkehr gesperrten Teerstraße nach Krimnitz. Kurz nach der Ortschaft sollte es über eine Bahnlinie gehen, an der allerdings gerade die Schranke geschlossen war und geraume Zeit blieb, obwohl noch weit und breit kein Zug zu sehen war. Hier holten wir daher einen Radler wieder ein, der gerade noch flott an uns Schnecken vorbeigezogen war, und unterhielten uns ein wenig über dies und das, bis die Bahn angerauscht kam, sich die Schranke endlich hob und uns in den Spreewald entließ.
Wobei Spreewald auf der ersten guten Hälfte unserer Tour eigentlich nicht wirklich stimmte. Überwiegend rollten wir über Dämme an Kanälen und weiten offenen Moor- und Wiesenflächen vorbei. Direkt am Kanal gab es zwar schon jeweils einen Streifen Bäume und Röhricht, aus dem Froschgequake und Vogelstimmen tönten, die uns sehr ans Donaudelta erinnerten. Zu Gesicht bekamen wir jedoch höchstens einmal ein paar Enten, die eine oder andere Bachstelze und ein paar ferne, nicht näher identifizierbare Raubvögel … Kraniche waren am entsprechenden Ausguck auch keine in Sicht und zudem ging uns bei dieser Gelegenheit auf, dass wir diesmal das Fernglas nicht etwa nur im Auto, sondern gleich ganz zuhause vergessen hatten …
Bald querten wir die Haupt-Spree und nun ging es zum ersten Mal etwas netter durch ein Feuchtgebiet zum Burg-Lübbenau-Kanal. Hier legten wir bei einer Grillstelle an der Schleuse Barzlin eine kurze Trinkpause ein und machten gleich anschließend den Abstecher zum Kranich-Ausguck. Dann folgten wieder einige lange Geraden, oft auf Asphalt, teils auch auf Schotter oder Sand. Zum Glück hatten wir dabei den (Nord-)Westwind fast immer im Rücken oder von schräg hinten. Am Nordumfluter entlang rollten wir sogar genau nach Osten und entsprechend unbeschwert bis zum Gasthaus „Bukoitza“. Ein Blick auf die Uhr ergab, dass es noch viel zu früh zum Mittagessen war (erst kurz nach halb elf) und auch der Bauch meldete, dass das Frühstück noch längst nicht verdaut sei.
| Spree |
| An der Schleuse Barzlin |
| Kranichwiese ohne Kranich |
| Am Nordumflluter beim Gasthaus Bukoitza |
So wechselten wir hier nur die Kanalseite und nahmen einen Wanderweg, der aber mit unseren Tretrollern meist ganz gut befahrbar war. Kurz vor einer alten Schleusenanlage mit Picknickplatz und Bootsverleih, wo heute allerdings nichts los zu sein schien, überquerten wir den Nordumfluter wieder und bogen wenig später in den Pfad entlang der Polenzoa ein, einem weiteren kleinen Wasserlauf, an dem es nun schon eher nach Spreewald aussah. An dessen Mündung in den „Großen Fließ“ legten wir quasi eine Haarnadelwende hin und folgten nun diesem etwas größeren Kanal zunächst in entgegengesetzter Richtung, ehe wir am Wehrkanal nach Südwesten abbogen.
An der Brücke über diesen, wo wir kurz stoppten, begegnete uns zum ersten Mal an diesem Tag ein Paddelboot, dessen zweiköpfige Besatzung später, genau wie wir, in der Waldwirtschaft „Wotschofska“ zum Mittagessen einkehrte. Dort führt der Wehrkanal nämlich direkt vorbei und die Wirtschaft wird folglich nicht nur von Radlern, Wanderern (und Tretrollerfahrern) frequentiert, sondern es legen auch viele Boote an. Doch uns stand, um dorthin zu gelangen, zunächst noch ein etwas unangenehmer Wegabschnitt bevor, der durchgehend mit (geschätzt etwa 50 cm breiten) Betonplatten belegt war, die vom Alter krumm, schief und löchrig geworden und entsprechend holprig zu befahren waren.
| Für die Kühe sind wir Rollerfahrer wohl eine Attraktion ;) |
| Beim "Irrtum" - für uns aber der richtige Weg. |
| Spreewaldidylle ... |
| ... mit Spreewaldpaddlern |
Kurz nach 12 war es dann geschafft und wir ließen uns, wie die meisten der überraschend zahlreichen Gäste, an einem der überdachten Tische im Freien nieder. Anfangs waren wir noch erhitzt, doch bald kroch der kühle Wind in unsere schweißfeuchten Klamotten und ließ uns frösteln. Da war ich ganz froh, dass ich morgens doch noch die Softshelljacke in den Rucksack gesteckt hatte. - Rindsroulade mit Rotkohl und Kartoffelklößen, sowie Zanderfilet mit Salzkartoffeln und Gurkensalat waren hier ganz prima – auch wenn der Zander am Ende noch überraschend viele Gräten enthielt – und der Spreewald-Gurkengeist, den Günter sich zum Aufwärmen gönnte (er hatte keine Jacke dabei …), immerhin interessant.
Der nun folgende Abschnitt unserer Runde, von der Waldwirtschaft zum Kleinen Hafen am Spreeschlösschen, war mit Abstand der schönste der ganzen Tour – Spreewald par excellence sozusagen: Wald, Kanäle, viele Holzbrücken, über die wir die Roller schoben (es gab stets eine Schieberinne für die Fahrräder) oder, wenn es zu steil wurde, trugen. Aufgrund der Nähe zu Lübbenau, aber sicher auch einfach weil’s gar so schön ist, war hier auch deutlich mehr los als überall sonst, wo wir an diesem Tag unterwegs waren.
Kurz vor dem Kleinen Hafen staunten wir nicht schlecht, angesichts einer schon recht bejahrten Stocherkahn-Fahrerin, die sich und ihren „Oma-Porsche“ gekonnt durch den Kanal vom Einkauf nach Hause stakte. 😊
| Eine der zahlreichen Brücken kurz vor Lübbenau |
| Fehlt nur der Alligator ... |
| Stocherkahn-Einkaufstour |
In Lübbenau drehten wir eine kleine, eher wenig lohnende Runde ums Schloss und anschließend ging es noch einmal über einige Kanalbrücken, unter denen sich hier jede Menge Stocherkähne mit Touristengruppen an Bord tummelten. Hier war der Ort denn auch extrem touristisch – Spreewaldgurkenstände an allen Ecken – und ziemlich gut besucht.
| Lübbenau |
| Großer Spreewaldhafen |
| Alles aus und mit Gurken |
So war es nicht weiter verwunderlich, dass auch das Hofladen-Café, das wir uns für den Kaffee- und Kuchenstopp auserkoren hatten, im Außenbereich schon nahezu voll besetzt war. Gerade als wir uns an einem der letzten freien Tische niedergelassen hatten, begann es allerdings zu tröpfeln, so flüchteten wir nach drinnen in die warme Stube (tatsächlich war der Heizkörper sogar heiß!), wo zu unserer Überraschung noch fast alle Plätze frei waren und bis dahin lediglich eine vielköpfige Gruppe einen großen Tisch belegte.
Zwei weitere Paare folgten wenig später unserem Beispiel, doch leider gab es dann mit dem Service ein paar Probleme, da dieser offensichtlich mit dem Ansturm an Kundschaft nicht zurechtkam. Vielleicht hatte man an einem Montag mit eher durchwachsenem Wetter schlicht nicht mit so vielen Gästen gerechnet und zu wenig Personal eingeteilt. Jedenfalls dauerte es recht lang, bis jemand unsere Bestellung aufnahm, die dann erfreulich zügig auf den Tisch kam. Kirsch-Sahne- sowie Limonen-Frischkäsetorte schmeckten auch sehr gut, nur hinterher wären wir halt gerne bald weitergezogen, warteten aber sehr lange vergebens darauf, dass die fürs Kassieren zuständige Frau vorbeikam.
Irgendwann wurde es Günter zu bunt und er meinte, jetzt sollten wir einfach aufstehen und gehen und mal schauen, was dann passiere. – Vermutlich hätten wir tatsächlich einfach rausspazieren können, ohne bezahlt zu haben. Doch kurz vor dem Hofausgang trafen wir die Frau, die offenbar neben Bestellungen aufnehmen und servieren auch noch sämtliche Bezahlungen zu bewältigen hatte. Und natürlich „durften“ wir bei ihr dann noch unser Geld loswerden. – Mir tat sie eher leid und sie verhielt sich absolut professionell angesichts der Tatsache, dass Günters Ansprache an sie nicht eben freundlich ausfiel …
Der „Heimweg“ zum Campingplatz entpuppte sich dann als der eher unschöne, anstrengende und teils auch nicht ganz ungefährliche Teil der Tour. Zunächst gings an einer Hauptstraße entlang durch die Lübbenauer Neustadt, die so gar nichts mit dem idyllischen Rest der Stadt gemein hatte: Plattenbauten wo man auch hinschaute. Nach einem Bahnübergang folgte ein etwas trickreicher Abschnitt durch ein „Garagenviertel“ – reihenweise alte Garagen, die offensichtlich nur noch teilweise genutzt wurden – und über Wiesen, bis wir schließlich in der Ortschaft Klein Klessow herauskamen.
Dieses verschlafene Dorf fiel eigentlich ausschließlich dadurch auf, dass alle Straßenschilder in weißer Frakturschrift auf bräunlichem Grund geschrieben waren … Und von dort gab es leider nur eine einzige Möglichkeit, nach Klein Beuchow und zum Campingplatz zurückzukommen, und diese Ortsverbindungsstraße stellte sich als so schmal wie stark befahren heraus. Doch alles ging gut und wir erreichten heil und noch vor vier wieder unserer geduldig wartenden „Max“.
Die unmittelbaren Nachbarn (ältere Leute, die uns mit ihrem Qualmen im Duett nicht gerade erfreut hatten) waren weitergezogen, so stand nur noch ein weiteres Paar mit seinem Wohnwagen in unserer Nähe. Gegen Abend kam ein radelnder und bestens Englisch sprechender Pole bei uns vorbei und erkundigte sich nach der Rezeption, die er wohl zunächst nicht hatte finden können. Günter erzählte ihm dann gleich, dass wir auf dem Weg nach Polen waren, und er berichtete ein wenig von seiner Tour, die ihn letztlich nach Holland führen sollte, und wie mühsam es am Vortag gewesen war, als er wegen des Regens häufig unterstehen musste und deshalb erst sehr spät an sein Etappenziel gekommen war.
Gemütlich duschen und noch ein wenig in der Sonne sitzen war unser ganzes Nachmittagsprogramm. Allerdings blieb die Sonne eher unzuverlässig und der Wind unvermindert frisch, so flüchteten wir doch bald erst in den Aufbau zum Vespern und anschließend ins Auto zum Tagebuch schreiben, Fotos bearbeiten und den folgenden Tag planen.
An die Ostsee und bis Rügen
Dienstag, 16. Juni – Feriencamp Börgerende – Börgerende-Rethwisch
Dieser Tag begann - noch im Spreewald - auch wieder recht früh, allerdings etwas geplanter als tags zuvor. Günter hatte schon am Vorabend gemeint, dass wir möglichst wieder um halb 10 abfahrtsbereit sein sollten, um früh genug beim auserwählten Campingplatz an der Ostsee anzukommen. Leider hatten wir dort nicht im Voraus reservieren können, weil wir lediglich zwei Nächte bleiben wollten, dies aber erst ab fünf Übernachtungen möglich war. Also fuhren wir auf gut Glück hin und es galt die Devise, je eher wir da sind, desto besser. Tatsächlich kamen wir dann sogar schon um neun vom Campingplatz im Spreewald weg. Bezahlt hatte Günter bereits am vorigen Nachmittag, so mussten wir nach dem Frühstück im Wesentlichen nur noch zuklappen und losfahren.
Maximal zwei Minuten nach dem Start fuhren wir auf die Autobahn auf, die ja das Hintergrundrauschen unserer letzten beiden Nächte gebildet hatte. Apropos Geräuschkulisse: Günter hatte am Abend zuvor, während ich beim Zähneputzen war, noch spontan umgeparkt, weil auf der Zeltwiese, die direkt an unseren ursprünglichen Platz grenzte, eine Party im Gang war, und nicht etwa von den paar wenigen anderen Campinggästen, vermutlich feierte hier die Dorfjugend. Immerhin genügte es bei dem permanenten Krach von der Autobahn her völlig, einmal ums Eck zu ziehen, um das Gekicher und die wummernden Bässe der Party-Hits völlig auszublenden.
Eine Weile ging es dann noch durch den Spreewald nach Norden, dann umschifften wir eine halbe Ewigkeit lang Berlin in einem großen Bogen um die Ostseite. Ansatzweise staute es sich hier auch mal, aber relativ kurz und nur wegen eines Mähtrupps, der die eine der beiden Spuren für sich beanspruchte. Ansonsten hatten wir den ganzen Tag freie Fahrt.
Gegen halb eins hatten wir das Städtchen Schwaan erreicht, einen „staatlich anerkannter Tourismusort“, wie auf einem Schild am Ortseingang zu lesen war. Was die touristischen Reize sein sollten, erschloss sich uns zwar nicht unmittelbar, doch wir waren auch hauptsächlich an einem Mittagessen interessiert, das wir uns im Restaurant „Speicherköck“ erhofften. Offenbar waren wir um diese Zeit für hiesige Verhältnisse bereits spät dran, denn das Gasthaus begann sich kurz nach unserer Ankunft rapide zu leeren und das Tagesgericht war auch schon alle. „Hamburger Schnitzel“ mit Bratkartoffeln, Spiegelei, etwas Kraut- und Rübensalat und das Matjesfilet, ebenfalls mit Bratkartoffeln, sowie Remoulade und Salatdeko waren dann ok und fair bepreist, Günters Berliner Weiße mit Waldmeister erwartbar schön schräg.
Noch ein Abstecher in den Edeka ein paar Ecken weiter für den ersten Urlaubseinkauf, dann rollten wir weiter über Landstraßen bis zur Ostsee und nach Börgerende, das etwas westlich von Rostock und unmittelbar östlich von Heiligendamm liegt.
Das Feriencamp Börgerende, ein riesiger, eher teurer (109€ für 2 Nächte), aber super ausgestatteter und ziemlich gut belegter Campingplatz, befand sich unmittelbar hinter dem Deich an der Ostsee. Und tatsächlich hatten wir Glück und ergatterten einen der letzten verfügbaren Plätze. Wie nicht anders zu erwarten, lief hier alles sehr geordnet und kontrolliert ab, so wurden wir nach der Registrierung noch von einem Angestellten im Golfcart zu unserem Platz begleitet, der dann den zugehörigen Stromkasten für uns aufschloss. Für Schranke und Sanitäranlage brauchte es ein Kärtchen bzw. einen Chip und der Strom wurde nach Verbrauch abgerechnet.
Nachdem wir uns auf unserem Stellplatz eingerichtet hatten, machten wir uns sogleich zu einem Strandspaziergang nach Heiligendamm auf, dem – laut Wikipedia – ältesten Seebad Deutschlands und Kontinentaleuropas, vom Campingplatz gut 4 km entfernt.
Unterwegs Strandkörbe, viele Algen, leider kein Bernstein, dafür viel Flint und Kreide, Angler, Nackt- und Textilbadende, Hunde … Die letzteren drei Strandbesuchergruppen hatten hier streng zugewiesene Bereiche, an die sich auch mehr oder weniger gehalten wurde. Und schließlich die überwiegend wieder in blendendem Weiß erstrahlenden, hochherrschaftlichen Gebäude an der Strandpromenade von Heiligendamm. Wobei die beiden noch unrenovierten Paläste mir fast besser gefielen …
| An der Ostsee angekommen |
| Möwen |
| Mehrheitlich verwaiste Strandkörbe |
| Scharfer Mauerpfeffer |
| Einsamer Angler |
| Kleine Füchse an Natternkopf |
| Impressionen auf dem Weg nach Heiligendamm |
Trotz kühlem Wind war es uns beim Spazieren warm geworden, so kam das Eis auf die Hand aus der „Coco Eismilchbar“ gerade recht (1 Kugel 1,90€), das wir auf einer Mauer gegenüber in der Sonne verspeisten. Dann noch ein Abstecher auf die Seebrücke und anschließend gings das Ganze wieder zurück.
| Auf der Seebrücke |
| An der Jemnitzschleuse |
| Gleich zurück beim Campingplatz in Börgerende |
Sobald die Sonne abends hinter den Bäumen verschwunden war, wurde es draußen schnell recht kühl. So saßen wir um kurz nach acht bereits wieder im Auto, für ein abendliches Vesper im Freien hatte es davor aber immerhin noch gereicht.
Mittwoch, 17. Juni – Börgerende im „Feriencamp“
Nach ruhiger Nacht – hier rauschte nur die Ostsee hinter dem Damm, keinerlei Verkehr und auch von den anderen Campinggäste war nach 22 Uhr und Sonnenuntergang nichts mehr zu vernehmen – blieben wir diesmal ein wenig länger liegen, aber so um halb 8 war dann doch auch schon wieder die Nacht rum. Hell war es natürlich auch hier schon seit halb fünf oder sogar noch eher, weil wir uns jetzt ja noch einmal deutlich weiter im Norden befanden als im Spreewald.
Frisch begann der Tag, aber immerhin spitzte mit der Zeit immer öfter die Sonne zwischen den Wolken hervor und der Wind schien so ziemlich eingeschlafen, weshalb es sich bald deutlich wärmer anfühlte als an den vergangenen beiden Tagen. Regen war auch nicht zu befürchten, so zogen wir nach Duschen und Frühstück, Spülen und Räumen gleich im T-Shirt los. Oben am Deich bekamen wir zwar doch wieder den kalten Seewind zu spüren, aber da wir auch diesmal mit den Tretrollern unterwegs waren, wurde uns schnell warm.
Unmittelbar nach dem Campingplatz begann ein Küstenabschnitt, der offiziell nicht begeh- und befahrbar sein sollte, doch um die Warn- und Verbotstafeln scherte sich ganz offensichtlich kein Mensch. Jedenfalls war der Radler- und Fußgängerverkehr hier ebenso rege wie auf der übrigen Strecke nach Nienhagen und später weiter bis Warnemünde. Es war aber auch kein bisschen einsichtig, weshalb ausgerechnet dieser Abschnitt der hier höchstens 2 oder 3 Meter hohen Steilküste besonders abbruchgefährdet sein sollte. Und solange man sich an den breiten Fuß- und Radweg hielt und nicht auf die äußerste, eventuell überhängende Kante trat, sollte die Gefahr für Leib und Leben sowieso eher übersichtlich sein. Landeinwärts grenzte hier ein riesiger Acker an den Weg und man munkelte wohl, dass der betreffende Landwirt was gegen die Wanderer und Radler hatte – oder zumindest keine Scherereien haben wollte, sollte doch mal jemandem was passieren.
| Die "Steilküste" bei Börgerende |
Dieses Wegstück lag dann schnell hinter uns und schon betraten wir das erste Wäldchen, den „Gespensterwald“ mit seinen gewaltigen alten Buchen (90-170 Jahre), deren Stämme zwar meist gerade gewachsen sind, sich aber auf halber Höhe verzweigen und dann oft eigenartig gebogen und verwunden sind, wohl eine Folge des permanenten Seewinds und der Stürme, denen sie von klein auf ausgesetzt waren und sind.
Der Kontrast zwischen der riesigen offenen, ja kahlen Landwirtschaftsmonokultur und dem natürlich gewachsenen, dunklen, grünen und kühlen Wald war dabei mit am beeindruckendsten. Und wer hätte gedacht, dass es hier oben, direkt an der Ostsee so schöne Laubwälder gibt! Auf dem sandigen Untergrund hätte ich eher mit Kiefern und dergleichen gerechnet.
Beim Ostseebad Nienhagen endete dieses erste Waldstück und wir legten eine Trinkpause ein, auf einer Bank mit Blick aufs Meer und den Strand unterhalb der hier nun schon etwas höheren Steilküste. Weil wir bis dahin deutlich schneller gewesen waren als gedacht, und das, obwohl wir eher gemütlich und mit vielen Stopps dahingerollt waren, beschlossen wir, doch die komplette Strecke bis Warnemünde in Angriff zu nehmen und erst dort zum Mittagessen einzukehren. Und tatsächlich erwies sich auch dieser Küstenabschnitt als sehr lohnend und sehenswert.
Bald tauchten wir in den nächsten Küstenwald ein, der mit kurzen Unterbrechungen bis Warnemünde reichte. Auch hier dominierten vielfach Buchen, aber auch Feldahorn und alte Eichen kamen öfter vor. Die ersten paar Strandzugänge, die wir passierten und die allem Anschein nach noch vor gar nicht so langer Zeit neu eingerichtet worden waren, mit Fahrradabstellanlagen und Holztreppen bis zum Strand, waren abgesperrt und tatsächlich endeten die Treppen hier direkt im Wasser und der Strand war praktisch komplett überspült (oder weggespült?). Doch bei Warnemünde flachte die Steilküste dann allmählich ab und so gab es spätestens hier genügend Gelegenheiten, an den Strand zu kommen.
| Die "Steilküste" ist auch hier noch sehr übersichtlich hoch. |
| Warnemünde in Sicht |
| Zwischen Nienhagen und Warnemünde |
Gegen halb eins hatten wir Warnemünde schließlich erreicht, wo wir schnurstracks die „Grillstube Broiler“ im Erdgeschoss des Hotels Neptun ansteuerten. Um diese Zeit war die offensichtlich äußerst beliebte Wirtschaft ziemlich voll, wobei es an den Tischen, die überwiegend für vier Personen ausgelegt waren, durchaus noch freie Plätze gegeben hätte, weil die Mehrheit davon lediglich mit zwei Leuten, meist älteren Paaren, belegt war. Der Option, uns irgendwo dazusetzen, zogen wir zwei Plätze an einer Ecke der Bar vor und bestellten jeder einen viertel „Broiler“ mit Pommes, Krautsalat und Puszta-Soße.
Anfangs ärgerte ich mich noch darüber, dass sich ständig Leute zwischen meiner Lehne und einer Säule hindurchdrängelten, bis mir klar wurde, dass diese so ungünstig im Raum stand, dass es auch auf der anderen Seite kaum mehr Abstand zum nächsten Sitzplatz gab … Das Essen war ok (für 16,90€), am Huhn nichts zu meckern, ebenso bei Pommes und Krautsalat, lediglich die Puszta-Soße (mit scharfem Paprika gewürzte Tomatensoße, die zusätzlich Dosenerbsen enthielt) hätte ich gerne gegen normales Ketchup eingetauscht … Satt wurden wir aber allemal, dabei hätte Günter sich zunächst um ein Haar ein halbes Hendl bestellt, das mit Sicherheit viel zu viel gewesen wäre.
Anschließend rollten wir zum Leuchtturm weiter und schließlich auf der Westmole zum Leuchtfeuer hinaus. Warnemünde ist ja bekanntlich der Fährhafen von Rostock und so hatten wir die beiden Leuchtfeuer an der West- und Ostmole auch schon mal auf einem Schiff passiert, der Fähre vom schwedischen Trelleborg, mit der wir am Ende unserer Schwedenreise (2020, noch unter Corona-Maskenpflicht …) wieder nach Deutschland zurückgekehrt waren. Nun bestaunten wir von der Mole aus die riesigen Fähr- und Frachtschiffe, die hier ein- und ausliefen. Besonders fiel dabei ein für uns neuer Schiffstyp auf, die „Hybrid Ferry“, die jeweils einen riesigen, sich drehenden schornsteinartigen Mast spazieren fuhr. Laut dem dänischen Betreiber „Scandlines“ handelt es sich dabei um ein Rotorsegel, das zusätzlich zu den Dieselgeneratoren für Vortrieb sorgt.
| Molenfeuer an der Westmole |
| Hafeneinfahrt Warnemünde - hier sind wir 2020 mit der Fähre aus Schweden zurückgekommen. |
| Hybrid Ferry |
So interessant dies alles war, so froh war ich, als Günter genug gesehen und fotografiert hatte, denn auf der Mole ging ein derart kalter Wind, dass ich trotz – zugegebenermaßen dünner – Jacke und teils aufgesetzter Kapuze fror. Dabei war es inzwischen so sonnig, dass wir noch kurze Zeit zuvor froh an jedem schattigen Waldstück gewesen waren. Und nur wenig später, zurück an der Seepromenade, war es dann bereits wieder warm genug, dass die Jacke wieder in den Rucksack wanderte und wir uns bei erster Gelegenheit ein Eis zum Nachtisch gönnten. Um dieses in aller Ruhe genießen zu können, suchten wir uns allerdings lieber eine sonnige Bank und lauschten nebenbei einem gar nicht mal so üblen Straßenmusikanten.
Dann machten wir uns ans Zurückrollern, bei dem wir allerdings noch so manchen Zwischenstopp einlegten. Insgesamt fand ich den Rückweg deutlich anstrengender als den Hinweg am Morgen und vermutlich spielten dafür diverse Faktoren eine Rolle: die von Broiler und Eis volle Wampe, tendenzieller Gegenwind (West), ebenfalls tendenziell mehr leichte Anstiege als Gefällestrecken und nicht zu vergessen die allmähliche Ermüdung zum Ende der schlussendlich beinahe 30 km langen Tour.
Am Strand von Warnemünde testete ich (nur mit den Füßen, maximal bis zu den Waden 😉) die kalte Ostsee, die laut einer Anzeigetafel am Vortag bei Heiligendamm gerade mal 16°C hatte. Zurück in Nienhagen stiegen wir die Stufen zum Strand hinab und beobachteten von einer Mauer aus eine Weile das Strandleben. Und nach weiteren Fotos im „Gespensterwald“ erreichten wir schließlich kurz nach 17 Uhr wieder den Campingplatz.
| Rast am Strand von Warnemünde |
| Und es geht wieder zurück - erst durch den Wald ... |
| ... und noch einmal durch den Gespensterwald ... |
| ... wo am Fuß der Buchen viele Knabenkräuter blühen. |
Mein erster Weg führte dann wie üblich zur Dusche, die hier sehr geräumig und angenehm warm war. Allerdings gönnte man den Duschenden lediglich 4 Minuten lang warmes Wasser, doch da die Zeit immerhin nicht weiterlief, wenn man das Wasser abstellte, reichte es letztlich locker.
An diesem Abend hatte sich der Wetterbericht für die folgenden Tage leider sehr verschlechtert und als Vorgeschmack nieselte es tatsächlich schon mal. Anderntags sollte es morgens eventuell regnen und für Freitag war die Vorhersage noch trüber - das waren ja mal wieder schöne Aussichten ...
Donnerstag, 18. Juni – Naturerlebniscamp Birkengrund – Sassnitz /Rügen
Die zweite Nacht hier war letztlich auch wieder ruhig gewesen, obwohl unsere Nachbarn zuerst noch draußen ratschten, als wir schon zu Bett gegangen waren, und ein anderer Nachbar um diese Zeit sogar erst von seinen Tagesaktivitäten zurückkam und anschließend noch lange herumwurschtelte, tausend Reißverschlüsse hoch- und runterzog und mit allem Möglichen klapperte …
Nach dem Frühstück, und nachdem unsere „horrenden“ Stromkosten von 35 Cent (für 0,31 Kilowatt) beglichen, sowie Chip und Kärtchen zurückgegeben waren, machten wir uns auf den Weiterweg nach Osten, Richtung Rügen. In einem Industriegebiet bei Rostock tankten wir für sensationell günstige 1,62 €/l. Zwar waren die Diesel- und Benzinpreise an diesem Morgen insgesamt deutlich gesunken, lagen für Diesel sonst aber meist eher in der Gegend von 1,72 €/l.
Die Insel Rügen erreichten wir ab Stralsund über den alten Rügendamm, da die Hochbrücke wegen Wartungsarbeiten geschlossen war. Und dann waren es bis nach Sassnitz, in der äußersten nordöstlichen Ecke der Insel, immerhin noch 45 km. Kurz vor 12 kamen wir auf dem Parkplatz an der Altstadt (12 €/ Tag) an, noch ein 50-Cent-Abstecher zum WC, dann gings hinab zur Strandpromenade und ins erstbeste geöffnete Restaurant.
Im „Port India“ waren wir zunächst die einzigen Gäste und blieben dies im Innenbereich im ersten Stock tatsächlich auch. Draußen, an den Tischen direkt an der Ostsee, ließ sich jedoch später noch ein weiteres Paar nieder. Von der Mittagskarte wählten wir ein Dal mit Huhn und ein vegetarisches Gericht mit Sahnesauce, jeweils mit Reis – sehr gut, mengenmäßig genau richtig und eine willkommene Abwechslung zum „ewigen“ Fleisch mit Kartoffeln … Da passte beim Weiterweg auch gleich noch ein Eis von der „Kleinen Konditorei“ als Nachtisch dazu, das wir auf den warmen Felsen unterhalb der Strandpromenade genossen.
Und dann begann die Wanderung zu den Kreidefelsen, erst entlang des Gakower Ufers und später direkt am Strand, bis zur Piratenschlucht und noch ein Stückchen weiter, um zunächst die eindrucksvollen weißen Felsen von unten zu bewundern. Danach wechselten wir über steile Holzstufen zum Hochuferweg und tauchten in den herrlichen Buchenwald ein – tatsächlich ein Glück, denn ansonsten wäre die Sache doch arg schweißtreibend geworden.
| Start zur Kreidefelsenwanderung bei Sassnitz |
| Gakower Ufer an der Piratenschlucht |
| Hoffentlich hält das bröselige Zeug da oben ... |
So aber plagte mich an diesem Tag (fast) ausschließlich meine linke Ferse in den neuen Laufschuhen. Leider drückten diese – unerklärlicherweise fast ausschließlich links – zeitweise schmerzhaft in die Ferse und diesmal wurde es nun im Lauf des Tages so schlimm, dass ich – seltsamerweise besonders unmittelbar nach Pausen – kaum mehr normal gehen konnte … Tja, da würde mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als für den Rest des Urlaubs ausschließlich auf das ältere Paar Wanderhalbschuhe zurückgreifen, die zwar auch nicht perfekt waren, sich aber zumindest auf kürzeren Wanderungen bislang bewährt hatten.
Abgesehen davon war es aber eine sehr schöne Wanderung, der alte Buchenwald eine Wucht, die Ausblicke spektakulär. Apropos Ausblicke: die Kreidefelsen bröckelten unübersehbar, so dass wir die relativ seltenen Verbotstafeln hier eher ernst nahmen. Bis ganz zum so berühmten wie überlaufenen Königstuhl wollten wir nicht wandern, hätte dies die Strecke doch fast verdoppelt (und zudem noch einmal 12 € Eintritt gekostet). So kehrten wir an einem namenlosen und teils recht zugewucherten Aussichtspunkt etwas südlich vom Kieler Ufer um, in dem Gefühl, nun Kreidefelsen und Wald zur Genüge bewundert zu haben.
| Blick vom Hochufer oberhalb der Piratenschlucht |
| Ob in dem Baum ein verwunschener Troll steckt? ;) |
| Schwäne |
| Wissower Ufer |
| Im Jasmunder Buchenwald |
| Unser Umkehrpunkt: ein versteckter Aussichtspunkt etwas südlich des Kieler Ufers |
Auf gut 10 km belief sich die Runde am Ende, was wir uns im Vorfeld auch so ungefähr vorgenommen hatten – und meiner wehen Ferse mehr als genügte … Erstaunlich hügelig war die Wanderung entlang des Hochufers im Übrigen, so dass sich insgesamt (gigantische …) 250 Hm zusammenläpperten.
Ein Einkauf im Lidl am Rand von Sassnitz, dann ging es auf holpriger Straße zum „Naturerlebniscamp Birkengrund“ raus, wo wir sehr nett empfangen wurden. Zwar war es hier im Vergleich zum Campingplatz in Börgerende wesentlich unaufgeräumter, standen alte Hanomag-Laster an der Zufahrt aufgereiht, von denen offensichtlich nur noch ein Teil fahrtüchtig war, und auch sonst gab es jede Menge alten Kram und Hüttchen und Häuschen, doch zumindest was die WCs und Duschen anging, war ich positiv überrascht. War im Internet von anderthalb WCs und wenig mehr die Rede gewesen, so stellten wir nun fest, dass es davon je 2 für Männlein und Weiblein gab und bei den Frauen sogar 4 Duschen. Klar war alles reichlich alt und nur so lala gepflegt, aber es gab immerhin Toiletten- und Händetrockenpapier in Hülle und Fülle, ebenso flüssige Handseife und warmes Wasser so viel man benötigte oder wollte.
| Ein Teil der Hanomag-"Ausstellung" auf dem Campingplatz |
Allerdings erfuhren wir auch, dass es den Platz in der jetzigen Form nicht mehr lange geben würde. Schon jetzt standen jede Menge Tiny Houses auf der Campingwiese herum, die ab dem kommenden Jahr hier praktisch ausschließlich als Unterkunft dienen sollen. Radler und Wanderer mit Zelt sollen dann zwar auch noch willkommen sein, aber für Camper wie uns war es das dann wohl. Der sehr nette Typ am Empfang führte als Grund die enormen Stromkosten an, die die Camper mittlerweile verursachten. Doch vermutlich wird das nur ein Teil der Wahrheit sein, denn dem wäre ja auch durch einen Stromzähler an den Stellplätzen abzuhelfen, wie wir es gerade in Börgerende gehabt hatten.
Günter hatte ja zunächst befürchtet, dass unser Kühlschrank, der wirklich ziemlich häufig ansprang, unendlich viel Strom fressen würde. Doch zu unserer Erleichterung zeigte sich dann (siehe oben: 0,31 Kilowatt/ 35 Cent), dass dessen Verbrauch letztlich nicht der Rede wert war …
Im Birkengrund verlangte man für die eine Nacht, die wir hier verbrachten, 33 € - schon günstiger als in Börgerende, aber natürlich auch von der Ausstattung her absolut nicht vergleichbar. Dort war alles supergepflegt und reglementiert und das zog natürlich auch die entsprechende Klientel an: überwiegend ältere Leute mit Wohnmobil oder Wohnwagen, die länger als nur einen oder zwei Tage blieben. Hier dagegen waren auch die Gäste dem Ambiente entsprechend eher bunt gemischt.
Die Noch-Campingwiese hatte drei Stufen, wir standen auf der obersten, weil es dort Strom gab. Solange am Abend noch die Sonne schien, war es sehr angenehm draußen vor dem „Max“. Sobald sie aber hinter den Bäumen verschwunden war, wurde es auch hier schnell frisch. So zogen wir uns in unser Gehäuse zurück und hofften, dass Mitcamper und Campingplatzwart (der mit unseren Nachbarn noch am Bechern und Labern war …), in endlicher Zeit Ruhe gaben und wir hier eine ruhige Nacht verbringen durften.
Nach Polen und an der Ostsee entlang bis Danzig
Freitag, 19. Juni – Wisełka pole namiotowe
Unser erster Abend in Polen und zugleich der erste wirklich milde, sommerliche Abend. Dabei hatte Polen uns zunächst eher unfreundlich mit einem Wolkenbruch, einem überfüllten Campingplatz in Misdroy (oder Międzyzdroje) und Verkehrschaos begrüßt. - Doch dazu später mehr.
Die Nacht bei Sassnitz war letztlich erstaunlich ruhig gewesen, die Nachbarn waren allesamt gerade noch rechtzeitig schlafen gegangen und das einzige Umgebungsgeräusch war später in der Nacht (vermutlich) eine Nachtigall. Der Weg zum WC war hier recht weit, stockfinster (ohne Stirnlampe ging gar nichts) und führte zudem über einen kleinen Hügel, so war ich ganz froh, dass ich ihn lediglich einmal antreten musste.
Morgens war es sonnig und angenehm mild, so wurde erstmals auf dieser Reise im Freien gefrühstückt. Noch vor halb zehn brachen wir auf und zunächst ging es dann nur einmal über die Insel nach Binz, wo wir einen Parkplatz am Waldrand (P. Klünderberg) ansteuerten. Dieser gewährte direkten Zugang zu dem Hochuferweg, der von Binz letztlich bis in die nächste Ortschaft Sellin führt. Gegen 20 nach 10 machten wir uns von dort auf den Weg, ich diesmal wieder mit den bewährte(re)n Schuhen. Und was soll ich sagen? – Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht: Zwar spürte ich anfangs die malträtierte Ferse noch, doch mit jedem Schritt wurde es besser.
| Wanderung am Hochufer südlich von Binz |
| Im schönen Buchenwald ... |
| ... wandert es sich auch bei Nieselregen sehr angenehm. |
| Binz |
An sich war die kleine Wanderung dann ganz ähnlich wie die tags zuvor am Hochuferweg bei Sassnitz, wenn das Steilufer hier auch nicht aus Kreide, sondern, meiner Einschätzung nach, hauptsächlich aus verfestigtem Sand (vermutlich eiszeitlichen Ablagerungen) bestand, und noch deutlich heftiger am Bröseln war als die Kreidefelsen. Durchgehend waren wir hier wieder in schönem hohem Buchenwald unterwegs und ständig ging es hügelan und hügelab, so dass nicht nur die Strecke von knapp 10 km, sondern auch die etwa 250 Höhenmeter am Ende nahezu identisch mit dem waren, was wir am Vortag zurückgelegt hatten.
Leider spielte aber diesmal das Wetter nicht so richtig mit. Beim Frühstück war es ja noch sonnig gewesen, doch schon bald trübte es ein und gelegentlich nieselte es sogar. Die Aussicht auf Binz und zu den Kreidefelsen hinüber war von daher eher nicht so berauschend …. Bis Sellin war es uns zu weit, da hätten wir – eine Möglichkeit, die uns zu spät einfiel – mit der Bahn, die im Hintergrund ständig tutete, wieder zurück nach Binz fahren müssen. So stiegen wir etwa auf halber Strecke zum Ostseeufer hinab, rasteten dort mit Blick auf ein paar Kormoranfelsen, die leider zusammen mit den verrottenden Algen eine eher strenge Geruchskulisse abgaben, und gingen dann zunächst auf demselben Weg retour.
Kurz vor Binz stiegen wir zum Strand hinab und leider frischte der Nieselregen gerade da merklich auf, so dass man langsam ernsthaft nass zu werden drohte. So hielten wir uns nicht lange mit Sehenswürdigkeiten (Müther-Turm, die Villen an der Strandpromenade) auf und beeilten uns, in einem Restaurant unter Dach zu kommen.
| Zurück durch den Wald ... |
| ... und am Strand bei Nieselregen vollends nach Binz |
| Müther-Turm - früher "Bay-Watch", heute darf hier geheiratet werden. |
| Eine der unzähligen Villen |
Etwas landeinwärts hatten wir uns an der Hauptflanierachse der Ortschaft das Restaurant „Neander“ ausgeguckt, wo es bei unserer Ankunft noch genügend Platz im Freien gab und dessen Gaststube sogar ganz und gar leer war. Auch wir setzten uns dann trotz Regen nach draußen, da es warm genug war und man an allen Tischen unter Schirmen und Markisen im Trockenen saß. Matjes mit Bratkartoffeln und Remoulade, sowie ein Burger mit "Pulled Beef" im Laugenbrötchen waren sehr ok, wenn mir ein normales Hacksteak auf dem Burger auch deutlich lieber gewesen wäre. Wie meist in diesem Urlaub machten wir halbehalbe, damit jeder von allem etwas abbekam. Allerdings kam das Grünzeug diesmal schon etwas zu kurz. Ob ich das wohl mit meinem „gesunden“ Sanddornschorle wieder wettmachen konnte?😉
Günter wurde an diesem Tag im Übrigen arg von Zecken geplagt: schon während der Wanderung entdeckte er eine größere und diverse ganz kleine, die auf seinen Beinen herumkrabbelten. Doch auch später kamen noch ein paar weitere zum Vorschein, die letzte, als wir bereits wieder im Auto saßen … Natürlich suchte ich mich daraufhin ebenfalls ab, fand aber zum Glück kein einziges der Viecher.
Nach dem Mittagessen schlenderten wir noch auf die Seebrücke hinaus. Zum Glück hatte der Regen in der Zwischenzeit praktisch aufgehört und zeigte sich sogar zaghaft die Sonne. Und dann musste wieder der Hügel erklommen werden, auf dem unser Auto parkte. Unterwegs durchquerten wir den kleinen Kurpark, in dem nicht nur unzählige Bronzeplastiken standen (u.a. eine Brunnenfigur von zwei lachenden Buben unter einem Regenschirm, auf den permanent Wasser platschte), sondern auch ein großes Herz, vor dem Günter noch ein etwas in die Jahre gekommenes Liebespaar ablichten durfte.
| Auf der Seebrücke |
| Ein paar wenige Badebegeisterte lassen sich vom eher bescheidenen Wetter nicht abschrecken. |
| Auch die Strandbar findet viel Zuspruch. |
Bei der Weiterfahrt verschlechterte sich das Wetter zusehends wieder und teils schüttete es so richtig, zuletzt – wie schon erwähnt – als wir gerade die Grenze zu Polen bei Swinemünde passierten. Von den schweren Unwettern, vor denen schon seit dem Vortag gewarnt wurde, bekamen wir aber glücklicherweise nichts ab.
An der polnischen Grenze gab es keinerlei Kontrollen, doch der harte Übergang von Deutsch zu Polnisch fühlte sich krass an. Schlagartig war alles ausschließlich auf Polnisch beschriftet und wurde damit für uns (und fürs erste) völlig unverständlich …
Trotz EU-Zugehörigkeit hat Polen ja bislang seine eigene Währung beibehalten, weshalb wir als allererstes natürlich Złoty besorgen mussten. Die Suche nach einem Bancomat in den engen und am späten Nachmittag sehr verkehrsreichen Straßen von Międzyzdroje wurde dann zu einer kleinen Odyssee. Doch tatsächlich brauchten wir wenig später bereits die ersten 90 Złoty in bar, um den Campingplatz zu bezahlen. Der Umrechnungskurs war circa 1:4, d.h. 1 € entsprach in etwa 4 Złoty. So kostete unsere erste Campingplatzübernachtung also gerade mal etwas über 22 €, was wir sehr fair fanden. Vom gebotenen Service war der Platz mit dem bei Sassnitz, wo man 33 € von uns wollte, durchaus vergleichbar oder sogar besser: Duschen und WCs waren ähnlich einfach, aber deutlich sauberer.
Ob dieses Preisgefälle zwischen Deutschland und Polen wohl typisch war? Die kommenden Tage und Wochen würden es zeigen.
Zum Glück sprach die Betreiberin des Campingplatzes, auf dem wir an diesem Abend letztlich landeten, etwas Deutsch, sonst wäre es schwierig für uns geworden. Und im Nachhinein war ich auch ganz froh, dass wir auf dem Platz in Misdroy nicht untergekommen waren, denn der war nicht nur rappelvoll und die Wohnmobile standen dicht an dicht, rundherum war er auch noch von hohen Wohnblocks umzingelt. Hier in Wisełka gab es zwar auch Häuser nebenan, die aber maximal zwei Stockwerke hoch waren.
Unsere Stellplatzwahl geriet dann leider etwas unglücklich, da wir uns unmittelbar neben einen Dauercamper-Wohnwagen pflanzten, von dem wir zunächst dachten, dass er derzeit unbewohnt sei. Irgendwann tauchten die Bewohner aber doch auf und nahmen mit eher wenig Begeisterung zur Kenntnis, dass wir ihnen so dicht auf die Pelle gerückt waren ...
Samstag, 20. Juni – Campingplatz „Camp Classic“ bei Smołdziński Las
Am Slowinzischen Nationalpark (Słowiński Park Narodowy)
Die erste Nacht auf polnischem Boden verlief für mich nur so lala, für Günter, der sich gleich mit Ohrstöpseln versorgte, wohl ganz ok. Mich dagegen hielt lange Zeit der Schnarcher im Zelt neben uns wach. Auch die beiden Wohnwagenbewohner wurschtelten noch eine Zeitlang herum, auf der nahen Straße fuhren von Zeit zu Zeit Autos vorbei und ein paarmal grölten auch feiernde Jugendliche irgendwo durch die Nachbarschaft. Doch all dies hätte mich wohl kaum so nachhaltig gestört wie das Schnarchen … Irgendwann war ich aber doch auch weg und erwachte erst wieder kurz nach 6. Als wir gegen halb 8 so langsam ans Aufstehen dachten, hatte unser Nachbar bereits sein Zelt abgebaut und im Rucksack verstaut und wenig später war er dann dahin - Kunststück, der hatte ja auch friedlich die Nacht durchgeschnarcht …
Günter fragte morgens bei der Platzbetreiberin, ob wir unseren "Max" bis 12 Uhr stehen lassen könnten, was kein Problem für sie war. Und uns kam es sehr entgegen, denn so konnten wir den Kühlschrank noch eingesteckt lassen und direkt vom Platz aus zum nahen Nationalpark Wollin aufbrechen. Der Tag begann wieder sonnig und schnell wurde es recht warm. Über weite Strecken präsentierte sich der Park dann sehr ähnlich wie die Küstenwälder bei Warnemünde und auf Rügen: schöne, alte Buchenbestände, die hier allerdings Richtung Küste teilweise von Kiefern abgelöst wurden.
| Im Nationalpark Wollin - erst unter Buchen, ... |
| ... später, näher an der Ostsee, unter Kiefern. |
Zielpunkt unserer kleinen Wanderung war ein alter Leuchtturm (Latarnia Morska Kikut) auf einem 73 m hohen Hügel (unser heutiger Gipfel 😉) im Wald. Leider konnte man nicht auf den Turm steigen, so blieb uns die Aussicht aufs Meer von dort oben verwehrt. Doch anschließend führte unser Weg sowieso direkt zum Meer hinab, wo wir uns der Schuhe entledigten und barfuß entlang des feinsandigen Strands wieder zurück spazierten.
Abgesehen von den erfrischenden Temperaturen wäre die Ostsee hier deutlich einladender gewesen als auf Rügen. Zwar hatte das Wasser auch hier eine leicht gelbliche Färbung, war ansonsten aber klar und vor allem gab es keine Algen, die stinkend am Strand verrotteten. Entsprechend waren aber auch nahezu keine Seevögel zu entdecken. Lediglich ein paar Lachmöwen zogen ihre Bahnen.
| Am schönen und absolut müll- und algenfreien Feinsandstrand |
| Die Wassertemperatur (geschätzt 18°C) ... |
Zwar war am Strand, insbesondere am direkten Zugang von Wisełka her, viel Betrieb, doch weiter als bis zum Bauch ging nur ganz vereinzelt jemand ins Wasser und die wenigen Schwimmer*innen trugen teils sogar Neoprenanzug. So lange unsere Füße trockneten, schauten wir noch dem Strandtreiben zu, dann war es auch schon höchste Zeit, den Rückweg anzutreten, um wenigstens so ungefähr um 12 wieder beim Campingplatz zu sein.
Trotz aller Eile legten wir noch einen kurzen Einkaufstopp im „Lewiatan“ von Wisełka ein. Das Angebot in dem kleinen Laden war natürlich begrenzt, aber zwei Semmeln und Schinken fürs Vesper am Abend, sowie eine Flasche Weißwein fanden sich dann doch. Bei der Weiterfahrt kamen wir später allerdings an so vielen größeren Läden vorbei, dass es uns schon fast reute, so schnell zugegriffen zu haben. Andererseits war der Einkauf so auch schnell abgehakt und wer weiß, ob wir aus einem großen Supermarkt am Ende tatsächlich mit etwas wesentlich Besserem rausgekommen wären.
Von der Campingplatzchefin war bei unserer Rückkehr weit und breit nichts zu sehen und auch sonst war der Platz wie ausgestorben. So klappten wir das Dach unseres Aufbaus zu, steckten unser Stromkabel aus und weg waren wir.
Zunächst ging es dann allerdings nur ein paar Kilometer weiter nach Międzwodzie, einer weiteren Ortschaft, in der sich offensichtlich alles ums Strandleben drehte und wo es viele Tiny-Häuschen (ein Trend offensichtlich auch in Polen) und andere Ferienunterkünfte gab. Hier hatte Günter für uns ein Restaurant ausgesucht, das „Proste Smaki“ (= Einfache Aromen). Lachs auf Kartoffelstampf mit Grillgemüse, sowie die Tagliatelle mit Lachs, Spinat und Knoblauch-Sahnesauce waren hier gut und reichlich und so konnte es schon bald gesättigt und zufrieden weitergehen.
An diesem Tag stand uns nämlich durchaus noch eine längere Fahrt bevor, denn bis zu unserem Tagesziel in der Ortschaft Smołdziński Las sollten es ungefähr 250 km sein. Wäre man Googles Vorschlägen einfach gefolgt, gleich ins Landesinnere abgebogen und überwiegend Autobahn oder Schnellstraße gefahren, hätte dies auch schon fast 3 Stunden gedauert. Allerdings „zwang“ Günter die Navigation durch zusätzliche Wegpunkte, möglichst auf kleineren Straßen in Küstennähe zu bleiben, so brauchten wir am Ende gut eine halbe Stunde länger.
Wie so oft übermannte mich auch an diesem Tag bei der nachmittäglichen Autofahrt die Müdigkeit, wobei diesmal noch dazu kam, dass die Landschaft links und rechts der Straße über weite Strecken ausgesprochen eintönig war. Am schlimmsten war es entlang der Autobahn, die sich letztlich doch nicht völlig vermeiden ließ. Manche Dörfer im Hinterland schienen halb bis nahezu ganz verlassen zu sein und viele Gebäude wirkten unbewohnt, ungenutzt und im Verfall begriffen. In Küstennähe war dagegen alles auf Tourismus ausgerichtet und entsprechend herausgeputzt und belebt, doch leider auch stellenweise von Ständen mit buntem Plastikschnickschnack und dergleichen „verunstaltet“. Doch gelegentlich passierten wir auch abseits der Tourismuszentren sehr hübsche, lebendig wirkende Ortschaften, in denen alles gut in Schuss zu sein schien.
Der Empfang auf dem Campingplatz in Smołdziński Las fiel sehr freundlich aus und es gab trotz Wochenende noch jede Menge freie Plätze, so dass wir uns nicht unmittelbar neben jemand anderes quetschen mussten. Letztlich entschieden wir uns für eine große Lücke zwischen zwei Wohnmobilen am äußersten hinteren Ende des Platzes, der hier an ein Feuchtgebiet mit Froschgequak grenzte. Kleiner Nachteil unserer Wahl war, dass uns dort abends sehr viel „Geschmeiß“ umschwirrte, das uns erst später, als es so langsam kühler wurde, allmählich in Frieden ließ.
Dies war nun der bis dahin wärmste Tag auf unserer Reise gewesen: am Nachmittag zeigte das Außenthermometer im Auto bis zu 29°C an. Gegen Abend hatte es etwas eingetrübt und im Westen sah es gewittrig aus. Ein Blick in die Wetterapp zeigte, dass auch für den folgenden Nachmittag Gewitter angekündigt waren. So konnten wir nur hoffen, dass uns diese bei unseren Plänen keinen Strich durch die Rechnung machen würden.
Sonntag, 21.6. – Smołdzińsky Las, Camp Classic
Die erste Nacht auf dem "Camp Classic" war dann so angenehm ruhig wie erhofft und vom angedrohten Gewitter manifestierte sich lediglich etwas Regen zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Als wir gegen 23 Uhr zu Bett gingen, war im Westen noch immer ein tiefroter Streifen zu sehen - ein Überbleibsel des feurigen Sonnenuntergangs am früheren Abend - und als ich um halb 3 Uhr früh mal raus musste, staunte ich nicht schlecht, dass es da bereits wieder dämmerte. Daran war klar zu erkennen, dass wir hier noch einmal ein ganzes Stück weiter im Norden und Osten* (nur noch gut 200 km von der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad entfernt) waren, als in den vergangenen paar Tagen. Dabei waren uns die Nächte auch zuvor schon extrem kurz vorgekommen. Heute, am Tag der Sommersonnenwende, war natürlich sowieso der längste Tag des Jahres - und von nun an ging es strenggenommen bereits wieder Richtung Winter ... Doch davon würde man zum Glück so schnell nichts merken, schon gar nicht, solange wir noch hier oben an der Ostsee waren.
(* Unsere "Ostverschiebung" spielte bei der Tageslänge natürlich keine Rolle. Allerdings gilt in ganz Polen ja dieselbe Uhrzeit wie in Deutschland, was bei der beträchtlichen West-Ost-Ausdehnung des Landes bedeutet, dass in den östlichsten Gebieten die Sonne um einiges früher auf- und untergeht als ganz im Westen.)
Morgens schien die Sonne und heizte uns schon ab 7 Uhr in unserem „Oberstübchen“ ein, so dass wir wenig später gerne aufstanden. Günter rangierte dann den „Max“ noch etwas weiter vor, damit wir den Tisch hinter das Auto stellen und in dessen Schatten frühstücken konnten.
An diesem Tag war mal wieder Rollern angesagt, weil die Strecken im Nationalpark sonst etwas arg lang gewesen wären und wir das erste Stück sowieso auf der Autostraße zurücklegen mussten. Zunächst also rollten wir flott und kurz nach 9 noch weitgehend unbehelligt vom Autoverkehr in den Slowinzischen Nationalpark hinein und zweigten dann recht bald rechts ab zu dem Parkplatz, von dem aus es zur größten hiesigen Düne ging (Wydma Czołpińska).
Fast waren wir schon an dem Kassenhäuschen vorbei, da wurden wir von der gestrengen Kassiererin zurückgepfiffen, die uns dann 10 Złoty pro Nase für den Nationalparkeintritt abknöpfte. Für den NP Wollin hatte Günter diese Gebühr tags zuvor online bezahlt und wie vermutet waren wir nirgends kontrolliert worden. Hier war die Onlinezahlung am Vorabend nicht möglich gewesen und bis zum Morgen hatte ich bereits wieder komplett verdrängt, dass es diese Gebühr überhaupt gab. Von daher hatte ich angenommen, dass die Kasse ausschließlich für die Autos, die hier parkten, zuständig sei …
Nach dem Zahlen rollten wir auf einem bequemen Forstweg mit festem Untergrund flott bis zum Fuß der Düne, wo wir die Roller erst mal parkten. Bis dahin hatten wir noch wenig davon mitbekommen, dass es in dem Wald von Blutsaugern nur so wimmelte, doch kaum waren wir nun zu Fuß und damit langsamer unterwegs, wurden wir sogleich und unablässig von lästigen Fliegen und Bremsen umschwirrt, und wenn man nicht achtgab, stach auch die eine oder andere Mücke zu … Besser wurde es erst wieder, als wir ganz aus dem Wald heraus und auf den Dünen waren, wo der Seewind die lästigen Insekten verscheuchte.
| Im Słowiński Nationalpark |
| Am Beginn der Dünenlandschaft "Wydma Czołpińska" und den Blutsaugern nur knapp entronnen ... |
Allmählich stellte sich heraus, dass wir hier bis zum Strand gleich eine ganze Dünenlandschaft zu durchqueren hatten mit einigen recht steilen und sandigen, wenn auch zum Glück kurzen Auf- und Abstiegen. Zuletzt ging es noch einmal kurz durch Wald und dann war ein herrlicher, weißer, feinsandiger Strand erreicht, der hier nicht nur komplett müll- und algenfrei war, sondern an diesem Sonntagmorgen um 10 auch noch völlig menschenleer dalag. Einige Zeit später kam noch ein junges Paar mit Baby an den Strand, das wir bereits am Dünenfuß angetroffen hatten, wo ihr Nachwuchs sich noch gar nicht für die Rückentrage hatte begeistern können, in dem er oder sie sich jetzt fröhlich durch die Gegend schaukeln ließ … Von dieser jungen Familie abgesehen blieben wir aber sicher noch eine Stunde oder sogar länger die einzigen Menschen weit und breit.
Barfüßig folgten wir dem Strand nach Westen, bis es an einer Stelle mal etwas Schatten von ein paar etwas oberhalb wachsenden Bäumen gab. Hier ließen wir uns nieder und Günter überraschte mich doch etwas, als er meinte, dass er mal eben in die Ostsee hüpfen wolle – hüllenlos, denn die Badesachen hatten wir leider nicht mitgenommen. Bis dahin war das Wasser überall an der Ostsee so kalt gewesen, dass wir Baden gar nicht in Betracht gezogen hatten. Doch diesmal war es zumindest in Ufernähe deutlich angenehmer, vermutlich weil es hier bis weit hinaus extrem flach blieb.
| Ein langer, einsamer Strandspaziergang ... |
| ... am und oft auch im Wasser. |
| Baden wäre heut eine Option, aber so ohne "Kostüm" nicht jederfraus Sache ... |
| Gegen Mittag werden die Strandspaziergänger zahlreicher. |
Anschließend verweilten wir dann noch so lange an unserem Rastplatz, bis es Zeit fürs Mittagsvesper war, bei dem es heute die letzten Reste des von zuhause Mitgebrachten gab, nur die Tomaten hatten wir bereits unterwegs erstanden.
In den ersten Tagen, die wir in Polen verbrachten, bekamen wir täglich Katastrophenwarnungen aufs Handy geschickt (SMS), so auch an diesem Tag: Gewitter, starker Sturm, bloß nicht im Freien aufhalten! Und tatsächlich sah es ab Mittag im Westen zunehmend gewittrig aus und kurz bevor wir – noch immer barfuß – den beschwerlichen Rückweg über die Dünen antraten, verschwand die Sonne fürs erste komplett hinter Wolken. Für die auch von dieser Seite her steilen Aufstiege kam uns das allerdings sehr gelegen, so floss der Schweiß weniger heftig als befürchtet.
| Und wieder zurück zur Düne ... |
| ... durchs inzwischen deutlich unruhigere Ostseewasser. |
Um diese Zeit kamen uns nun jede Menge Leute entgegen, teils auch mit noch eher jungen Kindern (geschätzt so zwischen 3 und 6), die allesamt tapfer marschierten. Dabei lag da schon der für sie sicher extrem langweilige Anmarsch auf dem Forstweg hinter ihnen – alle Achtung! Dieses Stück Weg hatten wir anschließend in der Gegenrichtung gefühlt noch flotter hinter uns gebracht als am Morgen, vielleicht ging es ja tatsächlich so herum auch leicht bergab.
Für die Rückkehr zum Campingplatz war es von daher noch etwas früh, so peilten wir als zweites Tagesziel die versteinerten Überreste eines früheren Waldes (Zatopiony las koło Czołpina) etwas weiter westlich am Strand an. Dort sollte es Baumstümpfe eines 3000 Jahre alten Waldes zu sehen geben, der zunächst von den Dünen und später vom Meer verschlungen wurde und erst vor 10 Jahren, im März 2016, nach einer heftigen Sturmflut wieder aufgetaucht war.
Die Gewitterwolken hatten sich in der Zwischenzeit Richtung Südosten verzogen, die Sonne kam wieder zum Vorschein und sorgte für nicht unbeträchtliches Schweißvergießen. Dies hatte aber auch zur Folge, dass bei der nun zunächst fälligen Rollerfahrt über die Sumpfwiesen, hier zudem mal wieder auf holprigem, mit Betonplatten belegtem Pfad, die Bremsen nicht eine Sekunde von uns abließen und ständig drohten, uns bei lebendigem Leib zu fressen …
Als wir schließlich den Waldrand erreicht hatten, wurde es zwar schattiger, aber in Sachen „Geschmeiß“ natürlich nicht besser, und bald kam noch erschwerend hinzu, dass der Weg zusehends zur bodenlosen Sandpiste verkam. An zwei Stellen waren die ärgsten Sandlöcher zwar mit einem kurzen Bohlensteg überbrückt, aber sonst war ziemlich viel Schieben angesagt. Zum Glück wars wenigstens nicht so extrem weit und ging es hier nur über einen einzigen kleinen Dünenkamm zum Strand.
| Einziges "Beweisfoto" von der Anfahrt zum "Versunkenen Wald" - Anhalten war da wohl zu ungemütlich ... |
Dann marschierten wir also noch einmal am Strand entlang, in der Hoffnung, bald auf den „Versunkenen Wald“ zu stoßen. Meine Lust, hier noch einmal endlos nach Westen zu laufen, hielt sich allmählich doch sehr in Grenzen, so war ich ganz froh, als endlich ein paar mickrige Stümpfe direkt an der Wasserlinie aus dem Sand ragten. Und offenbar hatte auch Günter kein genaues Bild (mehr) vor Augen, wie diese Sehenswürdigkeit denn aussehen sollte. So gab er sich – zwar sichtlich enttäuscht – damit zufrieden und nach ein paar Fotos kehrten wir um – wie wir später feststellten, leider deutlich zu früh: Um den eigentlichen „Versunkenen Wald“ zu erreichen, hätten wir sicher noch einmal so weit am Strand lang gehen müssen …
Ehrlich gesagt hatte ich aber schon längst genug von der ganzen Aktion, machte mir auch etwas Sorgen wegen meiner Fußoberseiten, die nach so viel ungewohnter und dummerweise auch völlig ungeschützter Sonnenexposition so langsam krebsrot waren, und bei Günter sahs nicht besser aus. Von daher war es mir ganz recht, dass es nun zurück zum Campingplatz ging. Gegen Ende, als wir wieder die Teerstraße erreicht hatten, versuchte ich, den Bremsenpulk, der mich umschwirrte, endlich abzuhängen, doch keine Chance: So schnell ich auch antrat, nie reichte es, um wirklich zu entkommen …
Immerhin wurde es ab der Ortsgrenze von Smołdzińsky-Las etwas besser und so konnten wir an der Campingplatzbar in Ruhe unser Eis genießen. Die Platzbetreiberin meinte noch, als sie uns dieses verkaufte, sie glaube nicht, dass an diesem Tag noch Regen komme, doch wir hatten kaum ausgeschleckt, da klatschten schon die ersten Tropfen auf unsere Köpfe. Letzten Endes fiel dann aber mal wieder höchstens eine viertel Stunde lang leichter Regen, so dass ich mich schon bald zur heiß ersehnten und sehr notwendigen (Schweiß! Sand!) Dusche aufmachen konnte.
Später gings in die „Restauracja Przed wydmą“, eines der beiden Restaurants hier im Ort, das allerdings bereits um 19 Uhr schließen sollte (das andere, ein Italiener, sogar schon um 18 Uhr …). Also machten wir uns um kurz vor 6 auf den Weg, noch einmal mit den Rollern entlang der Straße, auf der noch immer jede Menge Strand- und Dünenheimkehrer an uns vorbeibrausten. Weit wars ja nicht, lediglich ein knapper Kilometer, so waren wir nach ein paar Minuten schon da und wurden gleich von einem Storch begrüßt, der auf einem Strommast auf der gegenüberliegenden Straßenseite klapperte.
Bestellt wurde hier direkt am Tresen: Georgisches Huhn (Koriandergrün! Chilis! Granatapfelkerne!) mit Ofenkartoffel und Möhrensalat (so ungewöhnlich wie schmackhaft mit Korianderkörnern gewürzt), sowie Ukrainische Krautwickel mit Salzkartoffeln. War alles super gut, mal wieder was ganz anderes und mit 30 € sehr günstig.
Allerdings wurden wir und das andere Paar, das sogar noch etwas später gekommen war, von den beiden Jungs, die bedient hatten, unmissverständlich kurz vor 19 Uhr zum Gehen aufgefordert, indem sie schon mal alle freien Stühle schräg an die Tischkanten lehnten (wir saßen auf der überdachten Terrasse, vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme, damit in der Nacht nicht allerlei Getier ungefragt auf den Sitzkissen platznahm) und uns das Geschirr quasi unter der letzten Gabel wegräumten.
So waren wir kurz nach sieben schon wieder auf dem Campingplatz, wo der „Max“ mittlerweile ziemlich einsam dastand. - Das Wochenende war vorüber und noch hatten die Schüler*innen in Polen keine Ferien.
Montag, 22. Juni – Danzig (Gdańsk) – Hotel Sadova
Insgesamt war die Nacht diesmal sowieso wieder sehr ruhig und auch raus musste ich erst wieder morgens um 6 über die noch taunasse Wiese. Anschließend meinte Günter, ich solle die Klappe am Aufbau lieber gleich offen lassen, denn die Sonne drohte schon zu dieser frühen Stunde, aus unserem Schlafbereich eine Dampfsauna zu machen. Im Kontrast dazu ging draußen jedoch ein recht kühler Wind, weshalb wir beim Frühstück diesmal einen Sonnenplatz für unseren Tisch bevorzugten.
Nachdem wir noch den Müll der letzten Tage entsorgt und schon mal das Köfferchen fürs Hotel vervollständigt hatten, verließen wir das „Camp Classic“ und machten uns auf den Weg nach Danzig.
Erst sollte es allerdings noch einmal für eine kurze Wanderrunde an die Ostseeküste gehen und zuallererst musste noch eingekauft werden, damit wir später am Strand picknicken konnten. Zu diesem Zweck steuerten wir einen der zahlreichen Dino-Supermärkte an, die es in dieser Gegend zu geben schien, und erwischten recht zufällig den in der Ortschaft Główczyce.
Nachdem Sprudelwasser, Scheibenkäse, Salami und, was wir sonst noch brauchten, besorgt waren, gings weiter nach Sasino und von dort zu einem kostenpflichtigen (20 zł) Parkplatz am Rand eines Landschaftsschutzgebiets (Rezerwat przyrody Mierzeja Sarbska). Im Grunde sah es hier ganz ähnlich aus, wie tags zuvor im Nationalpark: Kiefernwald, eine diesmal etwas versteckte Dünenlandschaft mittendrin, zu der es allerdings keinen offiziellen Zugang gab, und dann wieder ein schöner, weißer Sandstrand. Einen Leuchtturm im Wald gab es hier auch noch und man hätte ihn sogar besteigen können, doch da war gerade eine größere Gruppe Kinder drin, so verzichteten wir lieber darauf.
| Eine Eidechse im Kiefernwald |
| Latarnia Morska Stilo |
Kurz vor dem Strand bekamen wir dann noch zu sehen und riechen, wie es hier nach einem schönen, sonnigen Wochenende auch sein kann: eine komplett verdreckte WC-Anlage und daneben Mülltonnen, um die deren kompletter Inhalt verstreut war – vielleicht waren ja Wildschweine am Werk gewesen oder Möwen? Jedenfalls nicht gerade einladend, doch am Strand selbst wars dann wieder ok und später begegneten wir auch noch einem Aufräumkommando.
Wie schon tags zuvor marschierten wir ein Stück den Strand entlang, wobei an diesem Tag das Meer nicht nur deutlich aufgepeitschter war, sondern hier auch tiefer und entsprechend kühl. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, endlich mal Badesachen einzupacken, doch nachdem es schon morgens so frisch gewesen war, hatte ich davon wieder Abstand genommen. Und wirklich pustete uns der kühle Seewind dann derart durch, dass ich bei der Mittagsrast sogar zu meiner Jacke griff.
Beim Rückweg noch ein Abstecher auf die Dünen im Wald, von wo es tatsächlich den von Günter erhofften Blick über die Baumwipfel und hinüber zum Leuchtturm gab. Dann nahmen wir endgültig Kurs auf Danzig, anfangs über ziemlich schmale und trotzdem stark (und flott) befahrene Straßen, die oft noch links und rechts von Alleebäumen gesäumt waren. Solche Straßen schien es hier noch häufig zu geben. Bei uns in Deutschland wären sicher an den meisten längst all die tollen Bäume gefällt und die Straßen auf doppelte Breite ausgebaut worden …
Es folgte ein Stück Autobahn (die „Transkaschubische“) und kurz vor Danzig wurde es dann ziemlich zäh. Dabei war lediglich in der Gegenrichtung ein Unfall passiert und bei uns staute es sich, weil jeder bremste und neugierig rüber schaute – oder was?
In der Stadt dann viele Ampeln, Baustellen und dichter Verkehr, so bereute Günter schnell wieder, dass er ein Hotel im Zentrum von Danzig gebucht hatte. Dabei fand ich, dass dies, nachdem wir mal angekommen waren, nur Vorteile hatte. Und die halbe Stunde, die wir bei An- und Abfahrt vielleicht jeweils länger brauchten, war für mein Gefühl voll verschmerzbar.
[Aber ich war natürlich auch nicht der Fahrer und musste mich mit dem Verkehr und den oft komplizierten Anfahrtswegen, dem Parken usw. nur indirekt auseinandersetzen …]
Nachdem wir den „Max“ direkt hinter dem Hotel Sadova geparkt und eingecheckt hatten, bezogen wir unser Zimmer im vierten und obersten Stockwerk. Von der Ausstattung her erinnerte uns hier alles stark an amerikanische Hotels (viel Braun und lange, dunkle Gänge), aber insgesamt fanden wir doch alles sehr in Ordnung.
Abends drehten wir eine erste Runde durch Danzig, probierten im Restaurant „Pierogarnia Stary Młyn Gdańsk Chmielna“ die berühmten Piroggen, und weil der geteilte Mix-Teller aus 4 gedämpften und 2 (deutlich größeren) gebackenen Teigtaschen (+ Sour Cream und Tomatensoße) zwar super schmeckte, uns aber doch noch etwas unbefriedigt zurückließ, bestellten wir anschließend noch „Knedle“ mit Erdbeer-Weiße-Schokolade-Füllung, die uns dann definitiv noch die letzten Ecken im Magen auffüllten …
Alles gut und mit um die 150 zł inklusive Getränke für unser Gefühl auch nicht überteuert, obwohl das Restaurant mitten im Touristen-Hotspot auf der Speicherinsel zwischen den beiden Armen der Motława (dt. Mottlau) lag.
| Moderne Fassaden und traditionelle Gebäudeformen - die Speicherinsel zwischen den beiden Armen der Motlawa. |
Mein erster Eindruck von der Stadt? – Ziemlich touristisch und ziemlich voll, wobei unter den Touristen auch sehr viele Polen waren. An diesem Abend fielen mir hier auch besonders viele "schräge Vögel" auf, die irgendwie speziell gekleidet und gestylt waren. Vielleicht war ja irgendeine spezielle Veranstaltung, von der wir nichts wussten? Und die Stadtansichten mit den spitzen Giebeln und vielen Backsteinfassaden waren wirklich sehr pittoresk und wirkten zumindest auf den ersten Blick so, als wären sie über die Jahrhunderte gewachsen, obwohl doch fast gar nichts wirklich Altes dabei sein konnte, da Danzig nach 1945 praktisch komplett zerstört war.
| Abendstimmung ... |
| ... an der Motlawa |

