Samstag, 10. Januar 2026

Südostfrankreich - Herbst 2025 I

Text: Eva Irmler







Südfrankreich 2.0 - diesmal mit mehr Glück?



Im Herbst 2024 mussten wir unsere damalige Südfrankreichreise frühzeitig abbrechen, weil uns besorgniserregende Nachrichten aus der Heimat erreichten. Von daher hatten wir hier noch eine Rechnung offen, die wir nun, ziemlich genau ein Jahr später, zu begleichen gedachten. Insbesondere in die Calanques bei Marseille wollten wir es im dritten Anlauf auf jeden Fall schaffen, so machten wir Nägel mit Köpfen und buchten dort als allererstes gleich von zuhause aus fix eine Ferienwohnung.

Für die Anfahrt planten wir diesmal eine etwas andere Route, denn zum Auftakt wollten wir zunächst ein paar Tage in der Schweiz bei Grindelwald wandern. Die so berühmten Eiger, Mönch und Jungfrau kannten wir zwar von zahllosen Bildern und Bergsteigergeschichten, doch in Natura hatten wir ihnen tatsächlich noch nie gegenüber gestanden. 

Auch den Mont Blanc hatten wir bislang nur höchstens mal aus der Ferne bewundert, so sollte die zweite Station unserer Reise bei Chamonix sein, um den höchsten aller Alpengipfel ausgiebig aus der Nähe zu betrachten. 

Und dann also der Südosten Frankreichs: Marseille und die Calanques, von wo es anschließend in mehreren Etappen an der Côte d‘Azur entlang nach Osten gehen sollte. 

Schließlich, falls Wetter und fortgeschrittene Jahreszeit es bis dahin noch erlaubten, wollten wir zum Abschluss der Reise den Seealpen nördlich von Nizza einen Besuch abstatten. 

Soweit der Plan. Und natürlich hofften, wir dass uns endlich einmal etwas mehr Wetterglück vergönnt sein würde. Außerdem hatten wir uns für diesmal fest vorgenommen, so oft wie möglich zwei Nächte oder mehr auf demselben Campingplatz zu verbringen und zudem öfter mal das Auto stehen zu lassen. Vor diesem Hintergrund war auch klar, dass unsere Roller wieder mit von der Partie sein würden, um die eine oder andere längere Strecke damit abzukürzen.

Abgesehen von den Renovierungsarbeiten, die nach unserem „Dieselunfall“ (siehe Rumänienblog) nötig geworden waren, bekam vor dieser Reise unser Klappdach noch eine schützende Lackierung mit einem Farbspray aus der Modellbauecke, die das Plexiglas künftig vor UV-Schäden bewahren und Licht und Hitze besser draußen halten soll. Und auf der Innenseite brachten wir (mit nicht wenig Mühe …) eine dünne selbstklebende Filzschicht an, die ebenfalls ihren Teil zur „Verdunklung“ beitragen soll, aber hoffentlich auch gegen Feuchtigkeit und vielleicht ein wenig gegen Kälte hilft. Das Provisorium (eine mit Seilen verspannte alubeschichtete Picknickdecke …), das bislang diesen Zweck erfüllte, war mittlerweile am Zerbröseln und hatte somit definitiv ausgedient.



Schweiz – zu Besuch bei Eiger, Mönch und Jungfrau



Sonntag, 14.9. – Danys Camping Lütschental (bei Grindelwald)



Den Großteil des Packens hatten wir bereits im Lauf des Samstags geschafft – und das, obwohl Günter zunächst den ganzen Vormittag damit verbrachte, überzählige Rumänienbilder zu löschen, bis er dann irgendwann kapitulierte und den Rest einfach unbesehen auf die Backup-Festplatten überspielte. Natürlich war diese Prozedur wichtig, denn erst nachdem sie dort hoffentlich sicher abgespeichert waren, konnte er die Speicherchips der Kamera formatieren, um für die neue Bilderflut gerüstet zu sein. Nur wäre es vielleicht doch sinnvoll gewesen, diese Aktion nicht erst auf den allerletzten Drücker zu verschieben. 

Später machte ich mich allerdings selbst noch daran, die letzten Bildunterschriften in den dritten Teil des Rumänienblogs einzufügen, so dass ich diesen – just in time – abends noch online stellen konnte, insofern durfte ich mich nicht beschweren. - Irgendwie war der Sommer bei uns in diesem Jahr wohl besonders kurz … 

Am Sonntag prasselte dann ab 5 Uhr morgens Regen auf unser noch festes Dach über dem Kopf – nicht gerade, was wir uns für unsere Abreise gewünscht hätten … Immerhin waren die Pausen zwischen den heftigen Schauern ausreichend lang, dass wir unser restliches Gepäck halbwegs trocken ins Auto bringen konnten.

Unsere selbst gesetzte Deadline um 13 Uhr schafften wir nicht ganz, schließlich war es halb zwei, als wir den heimischen Bordstein zurückließen und uns auf die lange und angenehm ereignislose Fahrt zu unserem ersten Ziel in der Schweiz machten. 

Zum Abschied war zuhause tatsächlich noch die Sonne herausgekommen und diese blieb uns nahezu auf der ganzen Fahrt treu. Beim Tankstopp, noch in Österreich, aber unmittelbar vor der schweizerischen Grenze, wurde eine kleine ungeplante Ehrenrunde durchs Gewerbegebiet bei Hohenems fällig. Zusammen mit dem unmittelbar anschließenden Stopp-and-Go-Verkehr durch Diepoldsau sorgte diese unterwegs für die einzigen kleinen Stressmomente. 

Ab der Abzweigung Richtung Zürich wurde die Bergkulisse zunehmend spannender, wenn auch immer wieder von kürzeren oder längeren Tunnels unterbrochen. So richtig spektakulär wurde das Panorama dann am Brünigpass zwischen Luzern und Interlaken.

Als wir abends kurz vor sieben auf dem schon im Voraus für drei Nächte reservierten Campingplatz im Lütschental, unweit von Grindelwald, einliefen, begrüßte uns hier nicht nur der etwas wortkarge Betreiber des Platzes, sondern leider auch wieder tiefhängendes Gewölk und später nieselte es sogar. 

Mit dem Campingplatz waren wir ganz zufrieden, wenn die Wiese auch vom Regen der vergangenen Tage noch etwas sumpfig war. Um die Schräglage unseres Fahrzeugs auszugleichen, wurden wir daher auch angewiesen, lieber eines der Bretter zu verwenden, die hier eigens zur Verfügung gestellt wurden, statt unserer Keile, da diese im aufgeweichten Untergrund schnell einsinken und hässliche Löcher hinterlassen würden. 

Auch an den sanitären Einrichtungen gab es wenig zu mäkeln, die WCs waren sauber und mit Toilettenpapier, Seife und Papierhandtüchern ausgestattet. Einzig, dass die Duschen hier noch mit Münzen (1 CHF/ 3 Minuten warmes Wasser) gefüttert werden mussten und sogar warmes Spülwasser 50 Rappen/ „Pot“ kostete, fanden wir etwas altbacken und überflüssig sowieso. Und natürlich konnte man sich – typisch Schweiz – bei der Rezeption die berühmten „Kehrrichtsäcke“ abholen … 

Zum Abendessen wärmten wir auf dem Gaskocher das von zuhause mitgebrachte Potpourri aus Resten der letzten beiden Tage auf, was diesmal tatsächlich gelang, ohne dass etwas angebrannt wäre, und noch einmal schmeckte. Dank der Wolkendecke war es recht warm und zudem war das Auto noch von der Sonne am Tag aufgeheizt, so stand einem gemütlichen ersten Campingabend nichts im Weg. 

Auf das grandiose Bergpanorama im Talschluss hatten wir bei unserer Ankunft nur noch einen kurzen Blick erhascht, ehe die Wolken alles verschluckten, und so hofften wir inständig, dass uns anderntags mehr davon vergönnt sein würde.
 

Angekommen im Lütschental



Montag, 15. September – Camping Lütschental



Zum Auftakt hatten wir nämlich gleich mal eine lange Wanderung geplant. Vom Campingplatz sollte es direkt zu Fuß auf die „Schynige Platte“ gehen, von der es hieß, dass sie eine tolle Aussichtswarte Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau sei. Die überwiegende Mehrheit der Besucher lässt sich freilich per „Bähnli“ von Interlaken aus dort hinaufkutschieren. Für uns dagegen standen stramme 1300 Höhenmeter an – reiner Höhenunterschied, so war davon auszugehen, dass mit allem Auf und Ab noch deutlich mehr zusammenkommen würde. 


Die Sonne kommt ins Lütschental.


Bei schönstem Sonnenschein führte unsere Wanderroute vom Campingplatz erst zurück zur Straße nach Grindelwald, an dieser ein kurzes Stück auf dem Radweg talauswärts, dann, noch immer der Radroute folgend, durch ein Gehöft hinauf. Schließlich schickte ein erster Wanderwegweiser uns an einer Weide entlang und dann bald im Wald bergan. An sich war der lange Aufstieg im Buchen-Ahorn-Fichtenwald sehr angenehm, obwohl meist recht steil. Allerdings spürte man, je höher die Sonne stieg, dass sich doch auch zwischen den Bäumen feuchte Wärme staute. Der Schweiß rann folglich mit der Zeit in Strömen bis am Ende selbst die Haare trieften … 


Nach und nach erscheinen immer mehr eindrucksvolle Berge - 
Wetterhorn, Bärglistock und Schreckhorn oberhalb Gindelwald.


Schließlich, nachdem etwa 900 Höhenmeter Aufstieg bewältigt waren, kamen wir in offenes Almgelände. Vorbei an einer Alm mit Käserei, bei der wir einen Blick durch die offenstehende Tür ins gut gefüllte Käselager werfen konnten, ging es nun über diverse Weiden hinauf. Hier zeigten sich uns auch zum ersten Mal die berühmten Berge, die ab jetzt natürlich wieder und wieder bewundert und abgelichtet werden mussten ...


Blick von den Almen Richtung Süden -
über dem Lauterbrunnental ballen sich Wolken.


Eiger, Mönch und Jungfrau


An einer Abzweigung beschlossen wir, nicht direkt weiter zur Bahnstation „Schynige Platte“ aufzusteigen, sondern uns auf einem Almweg weiter rechts zu halten und damit die Rundwanderung im Gegenuhrzeigersinn anzugehen. Bei einer weiteren Alm zweigten wir vom Hauptweg ab und wanderten bald weglos über steile Wiesen hinauf. Eine Älplerin mit Filzhut und dickem Holzprügel als Wanderstock erklärte vor der Alm gerade einer Wandergruppe genau diesen Aufstieg, den auch wir uns vorgenommen hatten. 


Innenläger-Alm, die Felsen dahinter heißen "Ussri Sägissa".


Während wir wenig später bei ein paar Felsen unser Mittagsvesper verspeisten, zog die Gruppe an uns vorbei. Und nach der gemütlichen Rast folgten wir ihren Spuren, bis wir schließlich, nachdem noch mehrere Weidezäune überquert und Kuhherden umgangen waren, wieder auf einen „richtigen“ Weg stießen. 

Zu den Weidezäunen: an diesem Tag standen wir nicht nur einmal vor einem Elektrozaun ohne echten Durch- oder Übergang, sogar auf den markierten Wegen. Mal zogen wir einfach eine Stange heraus und legten so den Zaun vorübergehend tiefer, mal konnte man am „Übergang“ tatsächlich eigenhändig die Batterie vom Zaun „abknipsen“ und, nachdem man ihn überstiegen hatte, wieder dranhängen. 

Wir kamen dann beim unteren der beiden Äste des Rundwanderwegs heraus, der von der Bahnstation „Schynige Platte“ ausgeht. Diesem folgten wir noch kurz nach rechts bis im spitzen Winkel der obere Weg abzweigte, der immer mehr oder weniger an der Abbruchkante im Norden entlangzieht, mit schönen Tiefblicken auf Brienzer und Thuner See, sowie Interlaken. 


Thuner See und Interlaken


Brienzer See


Jungfrau mit Jungfraujoch


Schreckhorn und Eiger


Ein so luftiger wie zugiger Abstecher führte dann – am Ende über ein paar steile Holztreppen – auf das Oberberghorn, unseren höchsten Punkt an diesem Tag (2069m). Danach erreichten wir „endlich“ die Gegend um die Bahnstation. Während schon zuvor auf dem Rundweg der Wanderverkehr recht dicht gewesen war, wurde es nun erst so richtig voll mit Ausflüglern aus aller Herren Länder und aller Altersklassen. Allzu lang hielten wir uns dann auch nicht dort auf. Zwar wären Kaffee und Kuchen auf der Aussichtsterrasse des Berghotels verlockend gewesen, aber letztlich zog es uns hier doch zu arg. So stürzten wir uns gleich ins Abstiegsabenteuer, in der Hoffnung, dabei bald ein nettes windgeschütztes Plätzchen für eine Rast zu entdecken.


Blick in die Eigernordwand, rechts der Mönch


Lauterbrunnental - auch das "Tanzbödeli", unser nächstes Ziel,
wäre zu entdecken - so man weiß, wo man suchen muss ...



Bilderbuchaussicht


Lütschental und Grindelwald von der Schynigen Platte

 
Doch erst mal legten wir jetzt einen ärgerlichen Fehlstart hin, denn wieder einmal folgten wir einer windigen Spur, die offenbar  sowohl Komoot, als auch Alpenvereinaktiv von OpenStreetMap übernommen hatten. Lediglich in einer Karte des Schweizer Alpenvereins hatte man den Pfad mit Unterbrechung eingezeichnet und lag damit goldrichtig: 

Zunächst ging es noch völlig harmlos an einem Grillplatz vorbei und über eine Wiese, auf der anfangs tatsächlich so was wie ein Pfad sichtbar war, der sich dann jedoch immer mehr verlor. Überdies wurde das Gelände bald abschüssig und fiel dann immer steiler ab, bis wir an einem Abbruch standen, an dem wir schlicht kein Weiterkommen sahen. – Also wieder einmal Kommando zurück … Der arme Günter musste sich in der Folge von mir so manches anhören, dabei konnte er ja höchstens bedingt etwas dafür. 

Nun ja, jedenfalls mussten wir uns erst wohl oder übel nochmal gar nicht so wenig bergan mühen und dann gings querfeldein zum „normalen“ Abstieg von der „Schynigen Platte“, der etwas oberhalb der Käserei-Alm schließlich wieder in unsere Aufstiegsroute mündete.


Fast wieder an den Almen, noch 1000 Hm bis ins Tal ...


Die Berühmtheiten im Abendlicht

 
Von da war es aber noch seeehr weit ins Tal. Irgendwann packten wir sogar noch die Stöcke aus, um Beine und Füße etwas zu entlasten. Und fast am Ende, schon in Sichtweite des ersten Gehöfts, rutschte ich tatsächlich vor lauter Erschöpfung auf einem Stein aus und setzte mich unsanft auf den Hintern ... 

Letztlich summierte sich die Wanderung laut meiner Uhr (die in puncto Höhe zugegebenermaßen gerne etwas übertreibt) auf über 1600 Höhen- und fast 18 Kilometer.

Am Campingplatz fackelte ich dann nicht lange und begab mich zum Duschen – für zwei der drei Ein-Franken-Münzen, die wir zuhause noch gefunden hatten, da die Uhr gnadenlos runterzählte, auch wenn man das Wasser abstellte … Später besorgte Günter an der Rezeption zusammen mit dem Bier fürs Abendessen daher auch Münz-Nachschub für den folgenden Tag. Praktischerweise konnte er all dies einfach mit auf die Campingplatzrechnung setzen lassen, so sparten wir uns den Weg zu einer Bank, um Franken abzuheben. 

Da es leider kein fußläufig erreichbares Restaurant mehr gab (das, welches es einmal gegeben hatte, stand zum Verkauf …), blieb uns nichts anderes übrig, als schon jetzt unsere von daheim mitgebrachte „Notration“ aufzuessen: Chili con Carne aus der Dose mit Speck, Paprikas, Tortillachips. Nicht gerade Haute Cuisine, aber nach dem anstrengenden Wandertag schmeckte auch dies ganz hervorragend.

Wettermäßig gab es an diesem Tag im Übrigen wenig zu meckern: Von früh bis spät lachte die Sonne und nur lockere Wolken zogen vorbei. Im Tal wurde es morgens ziemlich schnell fast sommerlich, am Berg sorgte dagegen ein frischer, teils böiger Wind für Kühlung – kein Wunder, wo doch Schnee und Eis zumindest Luftlinie nicht allzu weit entfernt waren. 

Eiger, Mönch und Jungfrau hatten jedenfalls von beidem genug und auch rund um das Schreckhorn, das über dem Talschuss bei Grindelwald thront, halten sich noch einige kleine Gletscher. Praktisch durchgehend herrschte beste Sicht auf das überwältigende Bergpanorama, auch wenn die Jungfrau öfter mal ein Wolkenkäppi trug und die Eigernordwand, wenig verwunderlich, nahezu den ganzen Tag im Schatten lag. 

Bis Sonnenuntergang hielt das heitere Wetter an, doch kaum hatte es eingenachtet, begann es wieder zu nieseln … Zum Glück nicht dauerhaft und zum Glück sollte es anderntags auch höchstens ab und an einen Schauer geben, so würden wir wohl wie geplant aufs „Tanzbödeli“ wandern.


Dienstag, 16.9. – Dany’s Camping – Lütschental



Und so haben wir es dann auch gemacht! – Nach einer halbwegs ruhigen, anfangs aber noch etwas verregneten Nacht, waberten morgens zwar viele, teils tief hängende Wolken durch die Täler, aber es blieb trocken und so sprach nichts gegen Wandern. – Wenn man mal davon absah, dass uns die Mega-Tour vom Vortag noch in den Muskeln und Knochen saß. Allerdings spürten wir beide, sehr zu unserer Überraschung, morgens kaum etwas davon. 

Nach dem Frühstück ging es also mit dem Auto ins Lauterbrunnental, durch die extrem touristische Ortschaft Lauterbrunnen hindurch und weiter bis Stechelberg am deutlich ruhigeren Ende des Tals bzw. der öffentlichen Fahrstraße. Zwar gab es auch hier noch gleich zwei Bergbahnen in die höher gelegenen Dörfer Grimmelwald und Mürren, aber auf dem Parkplatz im Ort herrschte bei unserer Ankunft so ziemlich gähnende Leere. Das Ende der Hauptsaison, sowie die hier besonders dichten grauen Wolken mochten Gründe dafür sein.

 
Tief hängen die Wolken im Lauterbrunnental.


Wir jedoch ließen uns davon nicht schrecken und schnürten flink unsere Wanderschuhe. Günter kaufte im benachbarten Hotel Stechelberg ein Parkticket (10 CHF), da der Automat nur bare Münze haben wollte, die wir lieber für die Dusche am Abend aufsparten. Schön, dass es hier diese alternative Möglichkeit gab! Und ebenso angenehm und praktisch fand ich das WC an der Endhaltestelle der Buslinie direkt beim Parkplatz, das ich noch ansteuerte, ehe es zwischen den letzten Häusern des Orts zur Weißen Lütschine hinab ging. Nach der Brücke über den Bach folgte ein erster steiler Aufschwung, der im Wesentlichen einer dicken Röhre folgte, in der hier ein weiterer Gebirgsbach, die Sefinen Lütschine, kanalisiert war und zum E-Werk im Tal geleitet wurde. 

Bald erreichten wir eine erste Weggabelung, an der wir uns für eine Wanderrichtung entscheiden mussten. Nach kurzer Diskussion kamen wir zu dem Schluss, dass es ziemlich einerlei war, wie herum wir die Runde angingen, und entschieden uns auf gut Glück für den Uhrzeigersinn. Dies stellte sich bald als glückliche Wahl heraus, denn während des wurzeligen und mit glatt polierten Felsen übersäten Aufstiegs kamen wir so rechtzeitig aus dem Wald, um mitzuerleben, wie die Wolken aufrissen und einen spektakulären Ausblick auf die Jungfrau und ihre Nachbarn freigaben. Kurz nach zehn waren wir diesmal gestartet, gegen zwölf erreichten wir eine Almwiese, an der sich die besagte Aussicht auftat, und beschlossen, gleich hier zu vespern. Zwar machten die Wolken immer mal wieder dicht und allzu gemütlich war es so ohne Sonne dann jeweils nicht, aber trotzdem grundsätzlich ein hübscher Vesperplatz. 


Kein Wassermangel beim Aufstieg zum Tanzbödeli


Die Wolken reißen auf und geben die Jungfrau frei.


Anschließend passierten wir erst das „Berggasthaus Tschingelhorn“, wo zwar keine Menschenseele zu sehen war, aber einige Hühner und Ziegen uns beäugten, und eine gute viertel Stunde später war dann auch das „Berghotel Obersteinberg“ erreicht. Beide Häuser waren bewirtschaftet und, hätten wir unsere Brotzeit nicht schon verspeist gehabt, wären wir vielleicht beim einen oder dem anderen eingekehrt. Waren wir anfangs völlig einsam unterwegs gewesen, tauchten hier nun einige andere Wanderer auf. Insgesamt blieb ihre Zahl – vermutlich hauptsächlich wetterbedingt – jedoch an diesem Tag sehr übersichtlich.


Hühner und gut getarnte Ziegen am
Berggasthaus Tschingelhorn


Die Schmadribachfälle auf der gegenüberliegenden Talseite.


Schönwetterfenster

 
Nach der Rast auf einer Bank beim Berghotel, bei der wir kurz mit dem Gedanken spielten, hier gleich ins Tal abzusteigen und in diesem zurück zum Ausgangspunkt zu wandern, nahmen wir doch den weiteren Aufstieg zum „Tanzbödeli“ in Angriff. Zwar hingen in den Bergen oberhalb von uns noch immer dichte Wolken und ein älteres Wandererpaar, das von dort oben kam, meinte, sie hätten bis vor kurzem keinerlei Sicht gehabt und sich daher den letzten Teil des Abstechers zum Tanzbödeli geschenkt. Trotzdem wollten wir unser Glück versuchen, zumal ein länglicher „Talhatscher“ auch nicht allzu verlockend klang. 


Oberhalb des Berghotels Obersteinberg


Lange Zeit ging es dann tatsächlich in Wolken und mit höchstens sporadisch angedeuteter Sicht dahin. Oberhalb des Berghotels hatten wir bald den Scheitelpunkt der Rundwanderung erreicht, doch steil blieb es bergauf wie bergab und die Felsen waren vom nächtlichen Regen und dem Wolkennebel nass und glitschig. Schließlich kamen wir an den Abzweig zum Tanzbödeli und hatten wir zuvor schon gedacht, dass wir steile Pfade bewältigten, so mussten wir ab hier feststellen, dass steil auch noch ganz anders ging. Besonders im oberen Teil des Aufstiegs war höchste Konzentration gefordert, da hier einige Felsstufen zu überwinden und abschüssige, rutschige Platten zu queren waren. 


Wandern in den Wolken


So waren wir ganz froh, als wir es endlich auf die kleine Hochebene, die mit ein wenig Phantasie tatsächlich an einen Tanzboden erinnern konnte, geschafft hatten. Allerdings standen wir hier zunächst voll in der Nebelsuppe ohne das kleinste bisschen Sicht. Mit wenig Hoffnung auf Besserung setzten wir uns an eine geschützte Stelle, um uns für den Abstieg zu stärken. Doch dann rissen die Wolken urplötzlich auf und gewährten uns, sehr zu unserer Freude, für eine Weile freie Sicht auf das überwältigende Bergpanorama sowie hinab ins Lauterbrunnental.


Auf dem Tanzbödeli und doch noch mit Aussicht!


Tiefblick ins Lauterbrunnental


Schon schließt sich das Fenster wieder,
doch das Breithorn lugt noch hervor.


Der anschließende Abstieg zog sich dann sehr in die Länge und war auch – wer hätte es gedacht – über weite Strecken wieder ziemlich steil. Eine Ewigkeit schien der Talboden kaum näher zu kommen, doch schließlich hatten wir es immerhin ins Sefinental hinab geschafft. Hier ging es gleich mal über den Bach und dann an diesem entlang talauswärts. Am Ende wartete noch ein kurzer Gegenanstieg, dann überquerten wir ein letztes Mal die Sefinen Lütschine, ehe diese in ihrer Röhre verschwand, sich für uns der Kreis schloss und wir auf bekanntem Weg nach Stechelberg zurückkehrten.


Der Abstieg nach Stechelberg zieht sich.


Steinimatta-Almen


Im Sefinental


Dort angekommen zogen wir uns am Auto schnell um und begaben uns ins Hotel Stechelberg zum Abendessen. Und obwohl wir zusammen lediglich eine halbe Portion Hirschfilet sowie ein Schweinsrahmschnitzel bestellten, wurden wir dank dem Berg Butternudeln, die nebst grünem Salat zu letzterem kamen, allemal satt. Da passte beim besten Willen keine Schwarzwälder Kirschtorte zum Nachtisch mehr rein, wo wir mit der doch schon morgens beim Vorbeiwandern geliebäugelt hatten …
 


Am Fuß des Mont Blanc



Mittwoch, 17.9. – Argentière/Frankreich – Camping du Glacier d’Argentière



Die Muskeln und Knochen verhielten sich auch nach unserer zweiten langen Wanderung absolut erträglich, allerdings war der folgende Mittwoch ja auch ein reiner Fahr- und Ruhetag.

Unsere letzte Nacht in der Schweiz war noch einmal so ruhig, wie es in dem engen Tal mit der Straße und der parallel dazu verlaufenden Bahnlinie, die ausgerechnet auf Höhe des Campingplatzes einen Tunnel verlässt, eben sein konnte. Immerhin herrschte von dieser Seite etwa von elf Uhr abends bis morgens halb sechs weitgehend Ruhe, dann rauschte nur noch der Bach. 

Morgens begrüßte uns die Sonne, und während an der Schynigen Platte Wolken hingen, war der Himmel über dem Lauterbrunnental diesmal absolut klar. Doch für uns hieß es ja schon wieder Abschied nehmen und nach dem Zahlen und Packen ging es zunächst retour Richtung Interlaken und anschließend am Thuner See entlang nach Nordwesten. Obwohl wir hier auf der A8 unterwegs waren, blieb die Straße anfangs mangels Platz lediglich zweispurig und auf 80 km/h beschränkt. Aber wir hatten ja Zeit und konnten so auch noch mal in Ruhe das Panorama bewundern.
 
Bei Spiez zweigten wir Richtung Westen ins Simmental ab, das zum Berner Oberland gehört und so richtig der Bilderbuchvorstellung entsprach, die man gemeinhin von der Schweiz hat: Hübsch herausgeputzte Dörfer mit teils alten Holzhäusern, grüne Almen mit stattlichem Weidevieh (Simmentaler Fleckvieh vermutlich …), klare Bäche, gelegentlich ein Pass, eine Schlucht – und das alles bei allerschönstem Sonnenschein. Allerdings blieb das Thermometer hier die ganze Zeit penetrant auf 16°C hängen. 

Bei Rougemont erreichten wir den Kanton Vaud und damit die französischsprachige Schweiz, in der es nun allmählich ins Rhônetal hinab ging. Bis hinter Martigny folgten wir dann der Rhône, an der zwischenzeitlich die Temperatur immerhin auf 20°C stieg, ehe wir Richtung Chamonix und Frankreich abbogen und es sofort wieder gebirgig und bald auch kühler wurde.


Martingy im Rhônetal


Der Grenzübergang bei Le Châtelard-Frontière schien unbesetzt, so fuhren wir, zunächst noch etwas zögerlich, einfach weiter. Durch ein wieder zunehmend pittoreskes, aber auch vielerorts sehr touristisches Tal ging es erst noch einmal zu einem Pass hinauf und schließlich ins Arve-Tal und nach Argentière hinab, wo wir zwei Nächte auf dem Campingplatz „Camping du Glacier“ bleiben wollten. 

Etwas weiter talauswärts liegt hier das allseits bekannte Chamonix am Fuß des Mont Blanc, doch auch wir konnten bei der Anfahrt bereits einen ersten Blick auf den berühmten Berg erhaschen, obwohl er sich an diesem Tag noch meist in Wolken hüllte.


Unter diesen Sturmwolken verbirgt sich allerdings
 die Aiguille Verte, Argentières Hausberg.


In Argentière war es bei unserer Ankunft jedoch wunderbar sonnig und die Wetterprognosen für die folgenden Tage sahen ebenfalls bestens aus. Deutlich vor 15 Uhr hatten wir damit bereits unser Tagesziel erreicht und suchten uns einfach einen Platz aus, so wie es an der Rezeption angeschrieben war, die erst eine Stunde später öffnen sollte. Für den Stellplatz halb unter einer hohen Fichte und ziemlich nah an der Zufahrt entschieden wir uns hauptsächlich, weil es von dort nicht weit zum einzigen, riesigen und bestens ausgestatteten Sanitärblock des Platzes war. Andererseits war auch die platzeigene Bar nicht fern und so registrierten wir mit eher gemischten Gefühlen, dass hier am späten Nachmittag Musikinstrumente ausgeladen und aufgebaut wurden. Kurz bevor wir uns auf den Weg zum Abendessen machten, begann dann tatsächlich ein Alleinunterhalter die Klassiker der Pop- und Rockgeschichte rauf und runter zu spielen …

Nach einem kleinen Abstecher, um noch einen guten Blick auf den Mont Blanc im Abendlicht zu bekommen, liefen wir kurz nach 18 Uhr im Restaurant „Le Pic“ ein, wo reservieren offensichtlich nicht nötig gewesen wäre – zumindest nicht so früh am Abend. Wieder einmal waren wir die ersten Gäste, abgesehen von ein paar Bergsteigertypen, die draußen Bier tranken. Später gesellten sich nach und nach noch drei weitere Paare zu uns, aber da stand bei uns das Essen – Schweinesteak mit Knoblauchsauce, Hühnerbrust mit Champignon-Cremesauce, Pommes, Wokgemüse – schon auf dem Tisch. War alles super, wie so oft etwas fleischlastig, aber dieses perfekt gegrillt; lediglich die Knoblauchsauce, die nicht wie sonst üblich weiß, sondern grün-bräunlich war und mit was auch immer gemixt, fand bei uns wenig Anklang. 

Das Restaurant war eine reine Ein-Mann-Show und der Koch und Kellner in Personalunion war so effizient bei allem, was er tat, dass weder ein Gast besonders lang warten musste, noch in der Küche etwas anbrannte. Als wir das Restaurant verließen, bemerkte er dies, obwohl er uns in der offenen Küche gerade den Rücken zukehrte. Und als wir uns schon ein paar Schritte entfernt hatten, brachte er uns noch den Korken der Weinflasche, die wir zum Essen nicht ganz geschafft hatten und daher mitnahmen, hinterher. Man hatte echt den Eindruck, dass er bei allem Stress noch eine Menge Spaß hatte. Oder eben Leidenschaft für und Freude am Tun. Selten in der Gastronomie so unmittelbar erlebt!

Auf dem Campingplatz dudelte auch bei unserer Rückkehr der Alleinunterhalter, allerdings war es auch erst halb acht und sogar noch hell. Außerdem trudelten noch immer laufend Camper ein, darunter viele Wanderer mit großen Rucksäcken, die vermutlich auf Mont-Blanc-Umrundung waren. 


Montblanc am Abend mit Sturmwolkenhaube



Donnerstag, 18.9. – Argentière, Camping du Glacier d’Argentière



Dieser Tag beschenkte uns mit strahlend blauem Himmel von früh bis spät – beste Voraussetzungen für die geplante Aussichtswanderung direkt oberhalb von Argentière. 

Nach eher kurzer Nachtruhe – abends rumpelte der Alleinunterhalter, der immerhin pünktlich um 22 Uhr das Musikmachen eingestellt hatte, noch lange herum und unterhielt sich mit der Barbesatzung, morgens hoben schon früh erste Hubschrauberflüge vom Startplatz direkt nebenan ab und auch die Weitwanderfraktion erwachte zeitig – war es anfangs noch recht frisch. Doch die Sonne räumte damit rasch auf, als sie gegen neun das Camp erreichte. Wenig später waren wir diesmal allerdings schon unterwegs zum kostenlosen Wanderparkplatz hinauf, was motorisiert lediglich ein paar Minuten dauerte, beim Wandern jedoch einiges an Strecke und Höhenmetern sparte. 


Aufstieg vom Parkplatz Trelechamps bei allerschönstem Wetter


Bei unserer Ankunft waren dort noch genügend Plätze frei, die sich jetzt aber zügig füllten. So überraschte es kaum, dass wir von Anfang an in einem Pulk unterwegs waren. Erst marschierte eine Gruppe schon eher betagter Kletterer vor uns her, dann immer wieder Teile einer großen geführten Wandergruppe, der wir im Lauf des Tages noch mehrfach begegnen sollten. Leider hatte diese Gruppe die Angewohnheit zum Rasten, Stöcke wegpacken oder die Aussicht erklärt bekommen jeweils mitten auf dem Weg stehen- oder sitzenzubleiben, so dass man sich richtiggehend vorbeizwängen musste. Auch sonst war durchgehend viel los auf der Rundwanderung, ziemlich ungewohnt für uns nach den über weite Strecken recht einsamen Wanderungen in der Schweiz. 


Viele Gruppen bevölkern die Wanderwege.


Sehr angenehm fand ich hier die Wege, die hauptsächlich aus mehr oder weniger großen, meist festliegenden (also nicht wackelnden) Granit- oder Gneisblöcken bestanden. Mehrfach ging es über Eisenleitern oder an die Felsen geschraubte Holzstufen hinauf. Da praktisch alles staubtrocken und griffig war, wars die reine Freude – abgesehen vom Schweiß, der in dem südostseitigen und entsprechend sonnigen Aufstieg in Strömen floss, und dem Kreislauf, der gelegentlich an seine Grenzen kam … 


Tiefblick von der ersten Leiter.


An der zweiten Leiter


Je höher wir stiegen, desto toller wurde die Aussicht auf den Mont Blanc und seine Nachbarn, die Aiguille Verte (Argentières Hausberg), die Drus, Grandes Jorasses und wie die Berühmtheiten alle heißen. Ganz oben, an unserem höchsten Punkt, grüßten sogar die Berge des Wallis über das Rhônetal herüber.

An der „Tête aux Vents“ zog es tatsächlich nicht wenig, trotzdem legten wir hier nach etwa zwei Stunden Aufstieg eine ausgiebige Pause ein – natürlich auch um das Panorama gebührend zu bewundern. 


Mont-Blanc-Panorama an der Tête aux Vents ...


Anschließend folgte ein längerer Abstecher zu diversen Seen, bei dem es zunächst noch einmal deutlich voller wurde und auffallend viele Leute mit augenscheinlich wenig Bergerfahrung oder kleinen Kindern unterwegs waren, die wohl von der Bergbahn an der Montagne de la Flégère herüberkamen. Vorbei an den Lacs de Chéserys ging es zum Lac Blanc mit dem Refuge hinauf, was offenbar das Ziel der überwiegenden Mehrheit der Wanderer war. 


... und eine Stufe höher an der Abzweigung zum Lac Blanc


Lac de Chéserys und Aiguille du Tour 


Zwei Lacs de Chéserys und die Aiguille du Chardonnet


Gewusel am Lac Blanc vor gigantischem Panorama


Auf dem Weiterweg zum Lac de la Persevérance waren wir jedenfalls von einem Moment zum anderen weitgehend allein, was wir nach dem Trubel zuvor sehr genossen. Als Gipfel hatten wir uns für diesen Tag die Tête sur les Lacs (2506 m) ausgesucht, einen eher flachen Rücken wenig oberhalb dieses letzten Sees in der Reihe. Die Brotzeitrast vor dem überwältigenden Panorama geriet hier allerdings ziemlich kurz, da der Wind in dieser Höhe doch recht frisch war und wir keinen wirklich geschützten Platz fanden. 


Einsamkeit am Lac de Persevérance


Gipfelfoto an der Tête sur les Lacs vor ganz großer Kulisse


Die (grünen) Lacs Blancs


Die (grau-weiße) Aiguille Verte


Zurück am unteren Lac Blanc


Am Lac de Chéserys holen wir noch einmal die uns nun 
schon wohlbekannte Wandergruppe ein ...


Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass uns auf dieser Tour, abgesehen von „normalen“ Tageswanderern und Ausflüglern, auch jede Menge Wanderer auf Mont-Blanc-Umrundung mit extra schwerem Gepäck begegneten, die vermutlich im Refuge am Lac Blanc übernachten wollten. Das andere Extrem bildeten die ebenfalls zahlreichen Trailläufer*innen, die nicht nur unglaublich flott über das felsige Terrain sausten, sondern auch höchstens mit Mini-Rucksäckchen unterwegs waren.

Bis etwas unterhalb der Lacs de Chéserys war unsere Abstiegsroute identisch mit dem Aufstieg, dann schwenkten wir wieder in den Rundkurs ein, der zunächst längere Zeit, wenn auch mit viel Auf und Ab, mehr oder weniger dieselbe Höhe hielt. Schließlich ging es in vielen Serpentinen ins Tal hinab und zurück zur Straße, an der wir zuletzt bis zu unserem Parkplatz noch ein Stück entlangwandern mussten – zum Glück immer auf Wanderwegen mal links, mal rechts davon.


Chamonix


Argentière mit dem Campingplatz am Fuß der Aiguille Verte


Auf dem Rückweg legten wir in Argentière noch einen Einkaufsstopp im Super U ein, dann rollten wir vollends zum Campingplatz hinab, duschten schnell und kehrten schließlich zum Abendessen im Restaurant „Les Dix Vins“ ein, das angenehmerweise ebenso wie das „Le Pic“ nur fünf Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt war. Das dreigängige „Menu Savoyard“ schmeckte uns beiden, war aber extrem deftig, insbesondere das Hauptgericht „Croûte savoyarde“: in Weißwein getränkte Brotscheiben mit ganz viel Käse überbacken und mit Spiegelei gekrönt … Leider war es zu kühl, um draußen auf der Terrasse zu sitzen, denn von dieser hätte es eine sehr schöne Aussicht auf den Mont Blanc gegeben, der bei unserem Eintreffen gerade im letzten Abendlicht erglühte.

An diesem Abend hatte eine Gruppe weitwandernder junger Franzosen und Französinnen direkt neben uns ihre Zelte aufgeschlagen, weshalb wir schon wieder etwas um unsere wohlverdiente Nachtruhe fürchteten …


Freitag, 19.9. – Praz-sur-Arly – Camping Chantalouette



Wegen der Nachbarn hätten wir uns jedoch keine großen Gedanken zu machen brauchen. Zwar waren die vier oder fünf die letzten, die um 22 Uhr von der Bar vertrieben wurden und in ihre Zelte krochen, aber dann war höchstens noch ein viertel Stündchen vereinzeltes Reden und Kichern zu hören. Auch sonst war es bald still auf dem Platz, doch trotzdem schlief ich diesmal total schlecht. Anfangs war mir zudem leicht übel, vermutlich von dem allzu üppigen, käselastigen Abendessen ... 

Im Lauf der Nacht war ein ziemlich heftiger, böiger und föhnartig warmer Wind aufgekommen, was zur Folge hatte, dass es in Argentière morgens trotz klarem Himmel ungewöhnlich warm war: 15°C zeigte das Thermometer beim Aufstehen, wohingegen für Chamonix um die gleiche Zeit von 6°C die Rede war. Dass dies kein Fehler im Wetterbericht war, sondern durchaus der Realität entsprach, bekamen wir wenig später bei der Weiterfahrt zu spüren. 

Nach dem Frühstück brachen wir in Argentière unsere Zelte ab und machten uns auf den Weg zu unserer zweiten Mont-Blanc-Aussichtswanderrunde. Zunächst wollten wir aber in einer Bäckerei im Zentrum von Chamonix noch Brot kaufen, doch scheiterten wir hier komplett, da es schlicht keine Möglichkeit gab, kurz irgendwo zu halten. An den Straßenrändern war überall Halteverbot und die Parkplätze waren alle kostenpflichtig und mit Schranken versehen. So landeten wir letztlich in der Nachbarortschaft Les Houches bei einem Super U, wo es beim Aussteigen tatsächlich überraschend frisch war verglichen mit Argentière kurz zuvor. Und weil wir nun schon mal in einem Supermarkt waren, erstanden wir dann nicht nur frisches Drei-Korn-Baguette, sondern auch Käse, Salami und gleich noch einmal einen Sechserpack Wasser. 

Praktischerweise startete die Anfahrt zum Alpenzoo „Parc de Merlet“ ebenfalls genau hier. Den Zoo wollten wir zwar nicht besuchen, doch Teile seiner geräumigen Parkflächen dienten ganz offiziell auch als Wanderparkplatz. Bei strahlendem Sonnenschein und rasch steigenden Temperaturen machten wir uns dann an den Aufstieg zum „Refuge de Bellachat“. Anfangs verlief der Weg noch eine Weile angenehm im Wald, wobei wir an mehreren Stellen auf den beeindruckend hohen Zaun des Zoos stießen. Was für wilde Bestien dort wohl gehalten wurden – Wölfe, Bären (oder gar Dinosaurier😉)? Im Internet ist allerdings lediglich von Steinböcken, Gämsen, Murmeltieren die Rede … 

Ab der Waldgrenze wurde der Aufstieg dann extrem beschwerlich, da das Gelände hier zudem noch deutlich steiler wurde. So verwunderte es auch nicht, dass wir hier wieder ein paarmal auf Metallstifte oder Holzstufen stießen, die etwas heiklere Übergänge an den Felsen entschärften. Aussicht und Landschaft zeigten sich zwar gleichermaßen spektakulär, doch die nahezu sommerliche Hitze in Kombination mit der weitgehend durchwachten Nacht schränkten den Genuss für mich an diesem Tag leider stark ein. Doch auch Günter schien die unerwartete Wärme zu schaffen zu machen, denn selbst bei den Pausen sorgte kaum einmal ein kühles Lüftchen für Erleichterung und Schatten gab es dort oben in der weiten Moor- und Heidelandschaft, die wir nun erreichten, schlicht keinen.


Chamonix beim Aufstieg zum Refuge de Bellachat

 
Etwas oberhalb des Refuge legten wir unsere Mittagsrast ein, versuchten trotz allem noch einmal die Aussicht auf den berühmten Berg zu genießen und entdeckten mit dem Fernglas sogar einige Mont-Blanc-Gipfelaspiranten kurz vor ihrem Ziel. 


Mont-Blanc-Panorama am Refuge de Bellachat


Die winzig kleinen Gipfelstürmer sind nur bei sehr starker 
Vergrößerung zu erahnen.


Panoramabewunderung ...


So ganz allmählich stellte sich bei mir jedoch eine gewissen „Panorama-Müdigkeit“ ein … Natürlich war der Mont Blanc und die ganze irre Bergkulisse über Chamonix spektakulär bis zum Gehtnichtmehr, noch dazu bei so perfekt sonnigem Wetter. Und trotzdem: am Ende waren es eben auch nur Berge … 


Am Col de Bellachat


Über die geschützte Moor- und Heidelandschaft des Réserve Naturelle de Carlaveyron gelangten wir schließlich zur Aiguilette des Houches, die mit 2285 m diesmal unser höchster Punkt sein sollte. Allerdings war dieser „Gipfel“ lediglich eine kleine, mit einer Steinpyramide markierte Erhebung gleich neben dem Pass, über den anschließend unser Weg zurück zum Ausgangspunkt führte.


Viele Trailrunner sind in der traumhaften Landschaft unterwegs.


Und ganz wilde Kerle fahren mit dem (E-)Bike zur Aiguilette
des Houches hoch ...


... und auch wieder runter.


Überall an den Hängen und in den Sumpfsenken leuchteten hier im Übrigen herbstlich rotgefärbte Heidelbeersträucher. Schon bei der Anfahrt nach Argentière war mir aufgefallen, dass viele Berghänge einen rötlichen Anflug hatten, und vermutete noch, dass blühendes Heidekraut dahinterstecke. Dieses gab es zwar ebenfalls, aber längst nicht in solchen Massen. 


Heidelbeer-Herbstfärbung


Auch dieser Abstieg zog sich wieder sehr in die Länge und es dauerte allein schon ewig, bis wir endlich wieder in den kühlen Schatten des Waldes eintauchen konnten. 


Abstieg vorbei an den Chalets de Chailloux


Zum Auto zurückgekehrt machten wir uns schließlich auf die Weiterfahrt nach Praz-sur-Arly, wo wir lediglich einen Übernachtungsstopp einlegen wollten. Fast eine Stunde benötigten wir, obwohl die Strecke noch nicht einmal 40 km betrug, doch mussten wir ja zunächst über viele Serpentinen ins Arve-Tal hinab und, nachdem wir hier für ein paar wenige Kilometer der Autobahn gefolgt waren, gleich wieder auf einer ebenfalls kurvigen Nebenstrecke nach Praz-Sur-Arly hinauf. 


Bei der Weiterfahrt noch ein Blick zurück zum Mont Blanc,
diesmal schon eher von Süden.


Der von uns angepeilte Campingplatz „Camping Chantalouette“ stellte sich als eher einfach und sehr in die Jahre gekommen heraus. Trotzdem funktionierte alles halbwegs und bei rund 16 € für die Nacht (ohne Strom, für den wären noch einem 7 € draufgekommen) wollten wir nicht meckern. 

Zum Abendessen gings ins Restaurant „Le Pralin“ gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo es um 18 Uhr erst nur etwas zu trinken gab. So setzten wir uns mit zwei Bieren nach draußen bis wir um Punkt 19 Uhr unsere Bestellung aufgeben durften: Für mich einen „Burger Montagnard“, Günter probierte eine lokale Spezialität: „Croziflette“, einen Auflauf aus „Crozets“ (ganz kurze, viereckige Buchweizennudeln), Reblochon-Käse, Speck und Zwiebeln, der mit Weißwein verfeinert war, dazu Salat. Günter hats geschmeckt, ich konnte mich an diesem Abend mit nichts so richtig anfreunden. Aber vielleicht lag das einfach daran, dass es mir schon den ganzen Tag über nicht so gut ging, im Grunde seit dem Abendessen vom Vortag … 

Während wir beim Essen waren, hatte sich der Campingplatz noch etwas gefüllt. Zu dem älteren Paar mit dem Wohnmobil, das schon dastand, als wir ankamen, und der Familie mit Kleinkind und Cockerspaniel, die kurz nach uns eingetroffen war, hatten sich noch ein Radreisender und zwei Motorradfahrer mit ihren Zelten, sowie zwei junge Männer in einem weiteren Wohnmobil gesellt.



Richtung Südfrankreich und bis Marseille



Samstag, 20.9. – La Grave, Camping de la Meije



In dieser Nacht konnte mich dann wirklich gar nichts vom Schlafen abhalten, weder der Verkehrslärm auf der nahen Durchgangsstraße, noch das Kuhgebimmel oder das brünftige Röhren der Hirsche. (Letztere waren im Übrigen auch schon in Argentière lautstark zugange gewesen …) Aber was Wunder nach der fast durchwachten vorigen Nacht und der auch nicht gerade wenig anstrengenden Wanderung. 

Morgens waren Wiese und Auto ziemlich taunass und die Sonne ließ sich sehr viel Zeit, um unseren Platz zu erreichen. Von daher hatten wir auch keine allzu große Eile, aus den Schlafsäcken zu kriechen. Nach unserem entsprechend späten Aufbruch ging es erst am Fluss Arly entlang zu Tal, teilweise sehr hübsch durch eine Schlucht. 

Bald tauchten Schilder auf, die mir sehr bekannt vorkamen und Richtung „Ugine“ und „Albertville“ wiesen. Tatsächlich kreuzten wir hier unsere Route vom letzten Herbst, als wir ganz zu Anfang der Reise eine feucht-neblige, leider nicht sehr aussichtsreiche Wanderung auf den Dent de Cons machten. Diesmal dagegen strahlendes Blau, beste Sicht zum Gipfel, nur wenige Wolken, die allerdings häufig linsenförmig waren, also auf Sturm hindeuteten. Etwas später rollten wir auf die A 430, der wir nach Südwesten folgten, dann wechselten wir auf die A 43 Richtung „Turin / Milan“, die erst nach Süden, dann eher wieder leicht östlich abdrehte. 

Bei Saint-Martin-d’Arc bogen wir (nachdem die Autobahngesellschaft 10 € von uns bekommen hatte …) auf die Passstraße zum Col du Galibier ein – sehr spannend für uns, da wir hier 32 Jahre zuvor mit Daniel und Sack und Pack hochgeradelt waren, als wir auf dem Weg von Tübingen nach Nizza waren.


Col du Galibier - Sommer 1993


Einige Tage später am Ziel in Nizza


Auch an diesem Tag waren viele Radler unterwegs (Wochenend und Sonnenschein …), die meisten allerdings mit Rennrädern oder Gravelbikes ohne Gepäck, nur selten ein vereinzelter Radreisender. Soweit ich mich erinnere, sind wir damals abends noch über den Col du Télégraphe, den Vorpass, wenn man so will, geradelt und nächtigten dann vermutlich auf dem Campingplatz in Valloire, ehe wir am folgenden Tag den Galibier in Angriff nahmen. Wie weit es aber von Valloire noch bis zur Passhöhe war, das war mir in der Zwischenzeit ebenso entfallen wie die faszinierende Landschaft dort oben, mit den weiten Tälern und kahlen, waldlosen Bergrücken, die zumindest jetzt im Spätherbst fast einen Hauch von Himalaya hatte. 


Weite Landschaft nördlich des Cols - einst ...


... und jetzt.


Am Pass selbst hat man mit dem Auto die Wahl zwischen einem kurzen Tunnel und der eigentlichen Passstraße, Radfahrer dagegen müssen obligatorisch die Straße über den höchsten Punkt nehmen. Kurz vor dem Tunneleingang kehrten wir in der Aussichtsgaststätte „Galibier 2550“ ein (so benannt, weil sie exakt auf dieser Höhe liegt). Da hier schon ein ordentlicher kühler Wind blies, waren wir froh, im Gastraum Platz zu finden. Pinsa mit Grillgemüse und Parmesan, sowie Côte de Porc mit neuen Kartoffeln in der Schale schmeckten gut und waren sehr reichlich. Und indem wir teilten, kam jeder von uns sowohl zu Fleisch als auch zu Gemüse. 

Anschließend rauschten wir durch den Tunnel und parkten auf dessen Südseite sogleich wieder. Von hier aus hatten wir uns nämlich noch eine kleine Wanderung zum Pic Blanc du Galibier (2954m) überlegt. Also schnell die Wandersachen angezogen und schon machten wir uns auf den Weg. 

Der Aufstieg versprach steil zu werden: 400 Hm auf höchstens 2 km Strecke. Herausfordernd konnte aber auch der böige Wind dort oben werden und schon nach kürzester Zeit packte ich denn auch die Sonnenmütze lieber weg, weil gerade im ersten Teil des Aufstiegs bis zum Grat der Sturm ganz besonders heftig an uns zerrte. Da war ein leichtes Stirnband passender, um die Ohren zu schützen und die Haare zumindest etwas zu bändigen. 

Auf dem Grat selbst war es dann tatsächlich mit dem Wind gar nicht mehr so wild und auch sonst fand ich ihn nicht allzu schwierig, eher eine nette kleine Herausforderung.

Am Ende ging es noch einmal steil in Serpentinen bergauf, dann war der Fast-3000er auch schon bezwungen und wir wurden mit dem genialsten Rundumblick seit langem belohnt – und das will nach den ganzen Superlativen der vorigen Tage wirklich was heißen! Im Norden grüßte tatsächlich noch einmal der Mont Blanc ganz aus der Ferne, hier natürlich mit seiner Südseite, im Süden La Meije und der südlichste 4000er der Alpen, die Barre des Écrins, jeweils mit ihren Gletschern, im Osten Berge über Berge, die teils sicher schon in Italien lagen oder den französischen Seealpen zuzurechnen waren. 


Auch der Mont Blanc, der in der Ferne noch einmal hervorspitzt,
trägt eine Sturmwolkenhaube


Am Gipfel des Pic Blanc du Galibier - rechts La Meije,
etwas links der Mitte die Barre des Écrins


Sitzend ließ es sich dort oben trotz des Sturms ganz gut aushalten, doch unsere wärmenden Pullis fanden wir doch sehr angemessen. Von daher wunderten wir uns etwas über einen jüngeren Franzosen, der mit nacktem Oberkörper heraufgeschnauft kam und auch anschließend keine Veranlassung sah, sein T-Shirt überzuziehen, während seine Begleiterin selbst im Vergleich mit uns ziemlich warm eingepackt war. Dieser "hitzige" jüngere Mann war es dann auch, der mich ansprach, ob dies wohl der Mont Blanc sei dort im Norden und wie hoch wir hier denn seien. So musste ich schnell etwas Schulfranzösisch (Zahlen über 1000!) ausgraben, was mir zum Glück leidlich gelang …


Panorama nach Süden ...


... und nach Norden mit dem Col du Galibier


Tête de Chat


Auf dem Rückweg kraxelten wir am Grat entlang noch kurz weiter bis zu einem „Zweitgipfel“, dem Petit Galibier Ouest, ehe wir auf dessen Rückseite wieder zum Parkplatz am Col du Galibier abstiegen.


Grand Galibier und Petit Galibier Ouest


Gratkraxeln


Südseite des Col du Galibier mit dem Parkplatz


Anschließend ging es mit dem Auto erst über die Passstraße bis zum Col du Lautaret, wo wir dann Richtung Grenoble abbogen, um zu dem Campingplatz am Fuß von La Meije (3983m) zu gelangen, den wir uns für die folgende Nacht ausgesucht hatten. In der zugehörigen Ortschaft La Grave (immerhin auch noch auf rund 1500m) kauften wir in einem kleinen Laden Brot, Trauben und Kaffee, und rollten dann zum Campingplatz direkt am Fluss Romanche hinab. 

Gleich bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass dies der allerletzte Öffnungstag des Platzes war und man offenbar etwas früher schloss als geplant. In den kommenden Tagen sollte es einen Wetterumschwung geben und man wollte sich die schönen Wiesen zum Saisonende nicht nochmal komplett ruinieren lassen. Für uns stellte dies kein Problem dar, weil anderntags so oder so bereits die vorausgebuchte Ferienwohnung bei Marseille auf uns wartete. Andere Camper wären aber durchaus gerne noch länger geblieben, wie ich bei einem kurzen Plausch mit einer Ludwigsburgerin erfuhr, die ich abends beim Spülen traf. 


La Meije am Abend




Sonntag, 21.9. – Sormiou (bei Marseille), Ferienwohnung „Jardin Secret“



Die Nacht am Fuß der Meije war ruhig, relativ warm und mit der Zeit zunehmend windig, ja schon fast stürmisch. Jedenfalls lag unser Tisch morgens umgedreht auf seiner Platte im Gras … 

Bis wir morgens alles erledigt und zusammengepackt hatten, waren wir fast die letzten Gäste, die den Campingplatz verließen. Noch ein kurzer Stopp bei den Müllcontainern, dann gings erst wieder zum Col du Lautaret hinauf und von hier weiter nach Briançon, wo wir tankten und noch ein paar wenige Einkäufe tätigten. Letzteres in einem riesigen Intermarché im Einkaufszentrum neben der Tankstelle, an das mich die Kassiererin dort auch in Sachen WC verwiesen hatte. 

Im Anschluss ging es wieder einmal auf einer bekannten Route weiter, die wir bereits im Frühjahr 2024 auf dem Weg nach Spanien genommen hatten. Wetter und Temperatur hätten allerdings nicht unterschiedlicher sein können: Während es damals, Anfang April, noch winterlich kühl war, die Berge verschneit und dichte Bewölkung bzw. gelblicher Saharastaub-Dunst die Landschaft verdüsterte, war es nun fast hochsommerlich bei bis zu 26°C, Sonne und - noch - guter Bergsicht. 


Die Barre des Écrins von Süden bei der Fahrt nach Marseille


An Embrun vorbei, wo wir seinerzeit Station gemacht hatten, erreichten wir den Durance-Stausee (Lac de Serre-Ponçon) gerade zur Mittagszeit und kehrten spontan in Savines-le-Lac im „Le Grill Savinois“ ein. 

Allerdings stellte sich dieses Restaurant nicht als die allerbeste Wahl heraus, da auf den zweiten Blick alles etwas schmuddelig war, auch, aber nicht nur im WC. Doch jetzt saßen wir schon und hatten bestellt und zum Glück konnten wir noch draußen sitzen, obwohl inzwischen schon erste Wolken den Wetterwechsel ankündigten. 

Die „Tapas régional“ waren dann mengenmäßig für zwei Personen mehr als genug, da hätte es den Salat und das Gratin dauphinois, die wir noch extra bestellt hatten, gar nicht gebraucht. Die Zusammenstellung aus je ein paar Scheiben Räucherschinken und Salami, sowie diversen frittierten Teigtaschen mit salziger und süßer Füllung (Apfelmus, Marmelade, Kartoffelbrei, Spinat), zweierlei frittierten Bällchen und einer Art kleiner Kartoffelnudeln, dazu ein Schälchen Honig und noch einmal Salat war für uns eher überraschend bis gewöhnungsbedürftig. Irgendwann mussten wir uns zudem eingestehen, dass wir nicht alles schaffen würden, und so kam ein Teil des Schinkens und der Salami noch mit nach Marseille, wo wir sie uns abends zum Vesper schmecken ließen. 

Bei der Weiterfahrt kreuzten wir dann noch einmal unsere Pfade von letztem Herbst: Auf der Autobahn ging es bei Sisteron durch den Tunnel an der Porte de Provence. Kurz nach einem WC-Stopp mit Blick auf die „Rochers des pénitents“ bei Les Mées (für deren Besichtigung auch diesmal keine Zeit blieb …) begann es zu tröpfeln, und bis wir Marseille erreicht hatten, regnete es dann schon ernsthaft. 

Google schickte uns, nachdem wir an irgendeiner Stelle offenbar falsch abgebogen waren, doch noch so ziemlich mitten durch die Stadt, vorbei am Stade Vélodrome, wo der Fußballverein Olympique de Marseille seine Heimat hat, ehe wir bei Sormiou am südlichen Stadtrand wieder in ruhigere Gegenden kamen. Eine kleine Herausforderung stand uns bzw. Günter hier aber auch noch bevor, denn die Ferienwohnung „Jardin Secret“ lag in einer so steilen und engen Gasse, dass es eine Kunst war, unser doch eher unhandliches Auto in die Einfahrt zu bugsieren. Und dann waren wir erst mal angekommen. 

Die Vermieterin Marion, die mit Familie in der oberen Hälfte des Hauses wohnte, empfing uns super freundlich und zeigte und erklärte uns alles, inklusive Restaurant- und Wandertipps. Die Ferienwohnung gefiel uns gut, war sehr geräumig und auch Garten und Pool hätten wir nutzen dürfen, doch inspizierten wir diese bei unserer Ankunft erst mal nicht, da das Wetter wenig einladend war. 

Zwar nieselte es zu der Zeit praktischerweise nur, so dass wir unsere Sachen noch nahezu trocken zur Wohnung schleppen konnten. Wenig später kam dann aber das auf allen Wetterkanälen angedrohte Gewitter, mit Blitz, Donner und einem eindrucksvollem Wolkenbruch. Sogar der Strom fiel nach einem besonders hellen Blitz und unmittelbar folgenden heftigen Donnerschlag kurz hintereinander zweimal aus. 


Blitzlicht am Himmel und (Fast-) Blackout auf der Erde.


Die Lichter gingen dann zum Glück bald wieder an, doch jaulte ab diesem Moment irgendwo in der Gegend permanent und durchdringend eine Alarmanlage, die offenbar zunächst niemand abstellen konnte …

Diese nervte zwar noch fürchterlich lang, auch als das Gewitter längst abgezogen war, ließ sich aber zum Glück mit Musik etwas überdecken. Und bis wir zu Bett gingen, war das Ärgernis dann doch endlich behoben und herrschte paradiesische Ruhe.

Zur Fortsetzung des Reiseberichts geht es hier.